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Die Sächsische Staatskapelle und Christian Thielemann beendeten in Berlin ihre Tournee

Die Sächsische Staatskapelle und Christian Thielemann beendeten in Berlin ihre Tournee

Das erste Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle in der Semperoper machte am 3. September den Anfang. Da wurden "Antipoden" gesetzt und gefeiert. Dem musikalischen Spielzeitbeginn folgte die erste Gastspielreise des "Wunderharfen"-Orchesters mit seinem designierten Chefdirigenten Christian Thielemann.

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Krönender Abschluss: Christian Thielemann (l.) und die Sächsische Staatskapelle in der Berliner Philharmonie.

Quelle: Matthias Creutziger

Gut zweieinhalbtausend Kilometer in der Luft, ein paar hundert per Bus, gestern folgte die letzte Etappe von Berlin nach Dresden zurück. Dazwischen lagen die Philharmonie in Essen, der Große Saal des Wiener Musikvereins, zum Lucerne Festival das Kultur- und Kongresszentrum Luzern, am Montag anlässlich des Musikfests Berlin die dortige Philharmonie. Dreimal Anton Bruckners 8. Sinfonie, je viermal das "Nocturne Symphonique" von Ferruccio Busoni, Hans Pfitzners Klavierkonzert Es-Dur und die 1. Sinfonie von Johannes Brahms. Großartige Klangsäle wurden bespielt, insgesamt etwa 13 500 Hörerinnen und Hörer erreicht.

Im besten Sinne Routine, so eine Tour. Das Programm zwar bombastisch bis riskant - Bruckners Eineinhalb-Stunden-Sinfonie ist für alle Beteiligten ein Kraftakt (auch für die Hörer, denen sich die tiefe Emotionalität dieses Werkes nur bei voller Konzentration erschließt), die Musik Pfitzners hingegen leidet noch immer am nazistischen Nimbus des Komponisten -, doch die eigentliche Besonderheit war, wie "normal" das Zusammenspiel von Thielemann und Staatskapelle längst hingenommen wird. Flitterwochen hat es kaum gegeben, und selbst für eine Hochzeitsreise war dieses Debüt viel zu entspannt. Die prickelnden Momente gab es in den Konzerten sowie bei den jeweiligen Jubelstürmen des Publikums.

Das nahm auch in Berlin die musikalischen "Antipoden" Busoni und Pfitzner, Klangvisionär der eine, Konservativkünstler der andere, sehr aufmerksam hin. Noch einmal wurde die Dresdner Idee praktiziert, das Nachtstück "Nocturne symphonique" von Ferruccio Busoni zwecks besseren Verständnisses zweimal zu spielen. Einmal mehr erntete das zwischen romantischem Schwelgen und Neoklassik pendelnde Klavierkonzert von Hans Pfitzner vor allem wegen seiner Virtuosität heftigen Beifall, durfte Tzimon Barto seine solistische Brillanz nicht ohne Zugabe im Raum stehen lassen. Im Großen Saal der akustisch so bewundernswerten Philharmonie wählte er Robert Schumanns "Mignon" aus dem Album für die Jugend.

Aber auch dem Orchester und "seinem" Dirigenten galt uneingeschränkte Zustimmung, die sich nach der c-Moll-Sinfonie Nr. 1 von Johannes Brahms nur noch steigerte. Thielemann schien eine teuflische Freude daran gehabt zu haben, dem Publikum in seiner Geburtsstadt, wo er sieben Jahre lang GMD der Deutschen Oper Berlin war, die Kontrastfülle dieser Musik vorzuführen. Mit welcher Eindringlichkeit eingangs der düstere Konfliktstoff erklang, wie lyrisch zart sich der 2. Satz anschloss, wie lupenrein präzise die Pizzicati und wie fulminant die Finalstürme gelangen, all das zeugt von einer gut aufeinander eingespielten Stimmung. Ganz offenbar mehr als nur Arbeit am Weinberg, das klingt nach innigem Liebesverhältnis. Eine ehrgeizige Beziehung, in der alle Beteiligten vermitteln wollen, dass sie stolz aufeinander sein können. Michael Ernst

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.09.2011

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