Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Die "Ressource Kultur" in Sachsen kommt samt Kulturraumgesetz planmäßig auf den Prüfstand

Die "Ressource Kultur" in Sachsen kommt samt Kulturraumgesetz planmäßig auf den Prüfstand

Ein voller Saal ranghöchster Kulturmanager und -politiker aus ganz Sachsen, eigens nach Hellerau gereist, um sich über drei Stunden Zeit für Gedankenaustausch und Kritik zu nehmen.

Der Grund: Spätestens 2015 kommt Sachsens Kulturraumgesetz und damit das gesamte System der Kulturförderung auf den Prüfstand. Das geschieht planmäßig, denn es steht im Gesetz selbst.

Es bedeutet, dass der allseits gelobte und praktisch gelebte Solidarpakt zwischen Freistaat, Landkreisen und Kommunen, der seit 1994 für Stetigkeit und Verlässlichkeit bei der Kulturfinanzierung des Landes steht und auch durch die Enquete-Kommission Kultur des Bundestages als geglücktes Modell für das Zusammenwirken aller öffentlichen Ebenen zugunsten der Bürger weiterempfohlen wird, evaluiert wird. Den ersten Auftrag dazu soll bis Ende November der Sächsische Kultursenat als höchstes Beratungsgremium formulieren, wer ihn dann wie umsetzen darf, muss danach die Landesregierung möglichst rasch entscheiden.

Doch grundsätzlich steht das Gesetz gar nicht infrage, nur war es in den letzten drei Jahren einerseits durch Haushaltsturbulenzen, andererseits durch die teilweise Einbettung der Landesbühnen belastet. Auch eine Neuberechnung des Verteilerschlüssels sorgte jüngst für Unruhe, vor allem in den Kulturräumen am Rande, also mit jenen gebeutelten Gemeinden und Kreisen, die kaum ihre sonstigen Pflichtaufgaben zu schultern vermögen und denen eigentlich kein Geld mehr für den Eigenanteil bleibt. So schwebt über allen Diskussionen die Sehnsucht zur Rückkehr in den jahrelangen Modus der absoluten Verlässlichkeit, aber immer auch der Wunsch des unbedingten Erhaltes mit.

Drei Termine hatten sich nun - im unmittelbaren Vorfeld des Evaluierungsauftrags - Kulturstiftung des Freistaates, Sächsischer Kultursenat und Sächsische Akademie der Künste gegönnt, um unter dem Titel "Ressource Kultur. Perspektiven von Kunst und Kultur bis 2020" zu diskutieren - erstmalig überhaupt gemeinsam. Die ersten beiden Veranstaltungen fanden Ende Juni in Borna und Anfang Juli in Zwickau statt. Ging es in den ersten Runden vor allem um die Situationen in den jeweiligen Regionen, also Leipziger Raum und Kulturraum Vogtland-Zwickau, folgte nun im Festspielhaus Hellerau der verbale Tanz ums große Ganze. Entsprechend prominent besetzt auch das Podium mit drei Präsidenten: Peter Gülke, Sächsische Akademie der Künste, Christian Schramm, Sächsischer Kultursenat, und Ulf Großmann, Kulturstiftung des Freistaates. Im Saal lauschten neben Kulturraumsekretären ein Landrat, etliche bekannte Kulturhausleiter - darunter drei Intendanten, mehrere Museums- und Bibliotheksdirektoren. Dazu noch ein Kulturbürgermeister und natürlich drei Landtagsabgeordnete. Eva-Maria Stange, SPD-Vize und als Ex-Kunstministerin eine große Fürsprecherin von Gesetz und Aufstockung der Mittel, attestierte dem Publikum fast Vollständigkeit: "Sie sehen hier nahezu jeden, der in Dresden Rang und Namen hat".

Den schwierigsten Part hatte Senatspräsident Schramm (CDU), im Hauptjob seit Mai 1990 Bautzens Oberbürgermeister, dazu seit 1996 Mitglied des Sächsischen Kultursenates und seit 2001 Präsident des Sächsischen Städte- und Gemeindetages. Denn neben der Sammlung der Anregungen und Kritiken war es ihm vorbehalten, auf die Finanzlage der Gemeinden hinzuweisen: Vielen gehe es derzeit noch gut, aber mit der Einführung der Doppik treten zunehmend Schwierigkeiten auf. Dies sei zwar eine andere politische Baustelle, aber dass jene Gemeinden, die ihren Haushalt nicht ausgeglichen bekämen, Probleme mit ihren Kulturraumzuschüssen bekommen, liegt auf der Hand.

Stiftungspräsident Großmann, ehemals Görlitzer Kulturbürgermeister, verweist auf eine sächsische Besonderheit der einstigen Industrieregion: Zwar leben in Sachsen zwei Fünftel in den drei wachsenden Großstädten, die Bevölkerung im Rest schrumpft jährlich um ein Prozent. Dennoch lebten 78 Prozent in "Gemeinden vom Typus Stadt", also mit durchaus urbanen Bezügen und dementsprechenden Ansprüchen an kulturelle Infrastruktur. Nur zwei Prozent leben von Land- und Forstwirtschaft. Und er leitete mit Lacherfolg die Diskussion per Metapher ein: "Es geht uns nicht um das einzelne Brötchen, sondern um die ganze Bäckerei."

Christian Schramm fasst die Ergebnisse der drei Treffen, die nun in die Vorlage für den Prüfauftrag kommen, zusammen: "Am wichtigsten ist die finanzielle Sicherheit. Auch kommen wir um eine Dynamisierung der Mittel nicht herum." Über die Höhe lässt er sich nichts entlocken, aber dass diese mindestens der Höhe der Inflationsrate entsprechen müsse. Das Papier des Senats werde auf jeden Fall eine kulturpolitische Präambel enthalten. Außerdem müssten neben dem demografischen Wandel nach 20 Jahren auch die Änderungen in den Orientierungen und der Nutzung erfasst werden. Schramm erwartet aber auch nach den drei Terminen noch ein Echo aus den Kommunen.

Eva-Maria Stange plädiert für einen Lückenschluss zwischen Kultur- und Bildungsstätten, denn letztere fallen bei ihrer Zwitterstellung zwischen Kultur und Bildung manchmal durchs Raster.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.10.2013

Andreas Herrmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr