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Die Puppentheatersammlung Dresden mit neuer Ausstellung: "Theater Spielen! Hinterm Vorhang, drunter und drüber"

Die Puppentheatersammlung Dresden mit neuer Ausstellung: "Theater Spielen! Hinterm Vorhang, drunter und drüber"

Auch die Welt der Puppenspieler kannte früher Belastungstests. Die Puppen, mit denen auf Jahrmärkten gespielt wurde, mussten vor allem eines sein: stabil.

Denn es galt, ob man nun zu den Guten oder Bösen gehörte, allerlei Gefechte aushalten, Kämpfe, die mit Knüppel und Hammer, Nudelholz und Bratpfanne ausgefochten wurden. Also hatten die Figuren groß und schwer zu sein - und so sind auch die Jahrmarktpuppen, die Christian Heinrich Niedermeier anno 1865 schuf.

Diese Figuren sind laut Igor Jenzen, dem Direktor des Museums für Sächsische Volkskunst, die ältesten, die in der neuen Ausstellung der Puppentheatersammlung im Jägerhof zu sehen sind. Diese trägt den Titel "Theater Spielen! Hinterm Vorhang, drunter und drüber" und führt bis 8. Februar 2015 rund 160 ausgewählte Objekte vor Augen. Spejbl und Hurvínek geben sich gut böhmisch die "Äähre", ein Typ mit Doktortitel namens Faust will wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Etliche der in Szene gesetzten Objekte sind Neuzugänge, die hier erstmals zu sehen sind. Da wären etwa fünf von insgesamt 69 Marionetten aus Graz von 1921, die die Dresdner Puppentheatersammlung unlängst "auf einen Schlag erwerben konnte". Ein "Glücksfall, denn bislang waren sogenannte Künstlermarionetten in den Beständen des Hauses unterrepräsentiert", wie Lars Rebehn, Konservator und Kurator der neuen Schau, gestern gegenüber den DNN erklärte.

Nachdem die Anfang März geschlossene Schau "Hinter 13 Türen - die verborgene Welt der Puppentheatersammlung" die reichhaltigen Schätze in den Depots vor Augen geführt hatte, liegt der Schwerpunkt nun - quasi als Gegengewicht - auf dem Handwerk des Puppenspiels. Dabei geht es laut Rebehn einerseits darum zu vermitteln, was in punkto Spieltechnik Sache ist, andererseits um das Erzählen von Geschichten. Aufgezeigt werden soll nicht zuletzt, wie scheinbar leblose Materialien wie Holz, Papier und Stoff ein Eigenleben entwickeln.

Zunächst findet man in der Schau mal einen "Kaukautzky". Das ist eine Spielfigur ohne Kopf. Der Spieler hängt sich die Figur um den Hals und benutzt seine eigene Mimik. Die Hände des Kaukautzkys können an Stäben geführt werden, oder der Spieler steckt seine eigenen Hände durch Ärmelschlitze. Der Körper des Puppenspielers sollte durch Beleuchtung und Kleidung unauffällig gehalten werden, so dass vom Publikum nur die äußerst lebendig wirkende Figur mit ihren grotesken Proportionen wahrgenommen wird. Man kann sich einen solchen Kaukautzky selbst überstreifen und sich im Spiegel bewundern. Publikum ist auch da. Aufgemalt auf eine Kulisse. Immer wieder stößt der Besucher auf Sprüche und sonstige Pinseleien, die Antje Werner und Anja Maria Eisen gemalt haben, Sprüche wie das Zitat "An jedem Puppenspieler hängt ein Spieler" von Markus Joss, der es wissen muss, hat der gebürtige Schweizer doch einschlägige Erfahrungen (ab 2005 arbeitete er für drei Spielzeiten als künstlerischer Leiter des Puppentheaters TJG Dresden).

Im Rahmen der Ausstellung wird auch die Rekonstruktion einer Werkstatt von Carl Schröder (1904-1997) gezeigt, der als wichtiger Wegbereiter des künstlerischen Figurentheaters gilt. Es eine komplette Bühne des legendären Dresdner Puppenspielers Gottfried Reinhardt (1935-2013) zu entdecken, Videos geben einen Einblick in seine Theaterarbeit. Auf der Marionettenbühne von Heinrich Merck (1877-1958) begibt man sich auf eine Zeitreise in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Natürlich herrscht an Märchen-Szenerien kein Mangel. Wer bei der Szene aus "Der Wolf und die sieben Geißlein" genau nachzählt, wird nur sechs Geißlein entdecken. Das siebte fand sich einfach nicht im Fundus, als man die Tischfiguren der Chemnitzer One-Woman-Show-Produktion von Anja Mikolajetz nach Dresden gab. Einen Hauch von Exotik bringen Kathputli-Marionetten aus dem Bundesstaat Rajasthan in Indien in die Schau im Jägerhof. Kathputli-Marionetten zählen zu den frühesten Marionettenformen ohne Spielkreuz. Mit ihnen wurden vor allem Geschichte um die Mogul-Herrscher dargestellt.

Im hinteren Bereich der Schau lehrt eine Art "Schreckenskammer" das Gruseln. "Nur für Mutige" steht über dem durch rote Vorhänge verhüllten Eingang. Wer Gefallen an Totenschädeln wie ganzen Skeletten, an Monster- und Teufelsfratzen findet, kommt definitiv auf seine Kosten, wer zarter besaitet ist, lässt dieses Panoptikum des Horrors besser links liegen. Er kann dafür Wind machen. Viel Wind. Mit einer Windmaschine. Bei einer solchen ist grobes Leinenzeug über ein Holzrad gespannt. Dreht man das Rad mittels einer Kurbel, reibt es sich am Stoff und erzeugt das Geräusch eines heulenden Sturms. Oder man kann zum Regenmacher und Donnergott mutieren - indem man Erbsen durch ein Rohr kullern lässt bzw. mit einem Blech wedelt.

Bis 8. Februar, Puppentheatersammlung - Museum für Sächsische Volkskunst, Jägerhof, Köpckestraße 1, täglich außer Mo 10-18 Uhr

www.skd.museum.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.03.2014

Christian Ruf

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