Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Google+
Die Pläne und Wünsche der Direktorin des Dresdner Kupferstich-Kabinetts

Akademiesalon Die Pläne und Wünsche der Direktorin des Dresdner Kupferstich-Kabinetts

Stephanie Buck leite seit 1. November das Dresdner Kupferstich-Kabinett. Im Salon der Sächsischen Akademie der Künste hat sie nun einen kleinen Einblick in ihre Pläne und Wünsche gegeben. Sie reichen von digitaler Fotografie bis hin zu einer möglichen Cézanne-Ausstellung.

Voriger Artikel
Rheinländisches Figurentheater gastiert in Dresden
Nächster Artikel
Semperoper präsentiert Spielzeit 2016/2017

Direktorin Stephanie Buck

Quelle: Foto : Dietrich Flechtner

Dresden. Zahlreiche Kunstfreunde hatten sich in der Sächsischen Akademie der Künste eingefunden, um etwas über An- und Absichten von Stephanie Buck zu erfahren, die seit November Direktorin des Kupferstich-Kabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ist. Die Veranstaltung der Reihe Akademiesalon moderierten Wolfgang Holler, Generaldirektor der Museen der Klassik Stiftung Weimar und noch in guter Erinnerung als Vorgänger von Stephanie Buck, sowie Jutta Penndorf, Sekretär der Klasse Bildende Kunst der Akademie und vormals langjährige Direktorin des Lindenau-Museums in Altenburg. Holler begrüßte Buck als „erste Frau an der Spitze dieser Sammlung“ und wandte sich der Biografie der 1964 in Kirn (Rheinland-Pfalz) geborenen Kunsthistorikerin zu. Dabei interessierten vor allem die Wurzeln des Interesses an der Kunstgeschichte. Dieses hatte sich zunächst an Holbein d. J. entzündet, an Fragen zur Analyse der Unterzeichnung seiner „Schutzmantelmadonna“ (heute Sammlung Würth), wozu sie eine Magisterarbeit schrieb. Auch ihre Dissertation galt Holbein d. J., seinen Darstellungen Heinrich VIII.

Ihre „Passion für Papier“ habe sich während Tätigkeiten am Berliner Kupferstich-Kabinett – damals gab es auch die erste Begegnung mit der Dresdner Sammlung - und am Frankfurter Städel Museum gefestigt, so Buck. Herausragende Bedeutung für diese „Passion“ hatte ihre auch in dieser Zeitung schon benannte Tätigkeit als Kuratorin an der Londoner Courtauld Gallery ab 2006. Die 1932 gegründete private universitäre Einrichtung verzeichnet einen Bestand von 7000 Zeichnungen und 25 000 grafischen Blättern „höchster Qualität“. Für Buck war die Arbeit dort ein „Rundumerlebnis“, das unmittelbare Auseinandersetzung mit Kunst, ebenso Ausstellungstätigkeit und Arbeit mit Studenten einschloss.

Diese Mehrdimensionalität dürfte ein Aspekt sein, den sie auf ihre neue Verantwortungsebene übertragen möchte. Auf eine entsprechende Frage Penndorfs nach ihrem „Traum“ vom Kupferstich-Kabinett unterstrich sie, das Museum sei für sie „ein Ort der Werke und der Menschen“. Sie beschäftige vor allem die Frage, wie man die Werke „für ganz viele Menschen sprechen lassen kann“. Ein Weg sei sicher der „Brückenschlag“ zwischen jüngerer und älterer Kunst. Beispielhaft in diesem Sinn sei die gegenwärtige „Disegno“-Schau. „Einen besseren Start“ – die Ausstellung war noch vom jüngst nach München abgewanderten Michael Hering realisiert worden – habe es „für sie nicht geben können“. „Wir stehen in der Tradition und leben im Heute.“ Dafür müsse man Themen finden.

Auf eine Frage Penndorfs nach „Schnittstellen“ mit anderen Museen der Kunstsammlungen nannte Buck ein „erstes kleines Projekt“ unter dem Motto „Blickwechsel“. Hier will sie aus jedem der 14 Museen ein Objekt einbeziehen. Auch in diesem Fall war vom „Brücken bauen“ die Rede – „zwischen den Medien, den Jahrhunderten, den Sammlungen“. Ein Zusammenwirken letzterer erscheine hier als „etwas ganz Natürliches“. An dieser Stelle kamen nicht zufällig bedeutende Jubliläen zur Sprache, die zu würdigen sein werden: 2019 jährt sich die Hochzeit des späteren August III, die unter Regie August des Starken zu einem grandiosen Kunstfest wurde, zum 300. Mal. Ebenso – daran hatte Stephanie Buck zuerst gedacht – ist der 100. Geburtstag der Dresdner Sezession zu begehen. Und 2020 folgt das 300. Jubiläum des Kupferstich-Kabinetts, des ältesten Museums dieser Art in Deutschland, das man aus diesem Anlass „sehr sichtbar machen will“.

Ins Blickfeld genommen wurden zudem „neue Formen“ (Penndorf), die ihren Platz im Kabinett finden sollten. Buck nannte die digitale Fotografie, die wesentlich für das heutige Bildempfinden sei. Es gebe „ neue Kunst, die die Zeit reflektiert“. „Es geht nicht ums Mehr, sondern ums Heute“, betonte sie. Was die generelle „Relevanz“ der Fotografie für das Kabinett betrifft – Holler hatte danach gefragt –, sieht sie diese „als gegeben“, nicht zuletzt angesichts der bisherigen Arbeit dank des Krupp-Stipendiums. Die „Abgrenzung“ zur Galerie Neue Meister „verlaufe über Größe und Bildträger“. Ähnlich stellt sich für sie auch die Situation bezogen auf Video-Arbeiten dar. Entsprechenden Depotplatz und Technik sieht sie ebenfalls dort.

Immer wieder drehte sich das Gespräch auch ums „Wirksamsein“. Für den Studiensaal, das „eigentliche Herz“ (nicht nur für Fachleute!) des Kupferstich-Kabinetts etwa, kündigte sie die Reihe „Das Kupferstich-Kabinett von A bis Z“ an, die allen offensteht und sich über ein Jahr erstrecken wird. Zusammenbringen will sie in Ausstellungen ebenso Zeichnung, Grafik und Fotografie, zumal dies jetzt auch die Lichttechnik gestatte. Auf die Frage Hollers, wie sie „Lücken in der älteren Kunst schließen“ wolle, meinte Buck: Auf Gönner werde sie „nicht warten, sondern auf sie zugehen“. Wie die jüngste Kirchner-Erwerbung für die Galerie Neue Meister zeige, könne man bei entsprechender Bedeutung eines Ankaufs wohl auch Mittel bekommen. Auf ihre Erfahrungen in England angesprochen, verwies sie auf die andere Tradition und das andere Steuersystem. Ihrer Meinung nach könne man „auf der Ebene der Zusammenarbeit von öffentlichen Museen und privaten Sammlern von England sicher etwas lernen“. Ebenso verwies sie auf den Umstand, dass „man dort auch gern ins Museum geht“, das Museum „in der Mitte der Gesellschaft“ sei. Das mache „auch das Sammeln leichter“. Allerdings tue das Museum dafür auch viel, besonders in Fragen der Vermittlung, ohne dem Publikumsgeschmack einfach nachzugeben. In Dresden habe sie bereits die Beobachtung gemacht, dass die Museumspädagogik „sehr subtil“ arbeite. Allerdings müsse man immer auch die Belastbarkeit der Mitarbeiter im Blick haben.

Angelegentlich des Podiums konnte man noch erfahren, dass das hiesige Kupferstich-Kabinett als ständiges Mitglied zum sogenannten „50-Lux-Klub“ gehört, einer Verbindung von 50 vergleichbaren grafischen Museen weltweit. Und befragt nach Ausstellungen, die sie gern machen würde, nannte Buck an erster Stelle eine auf Cézanne bezogene. Sie käme ja aus einer Sammlung, die dort einen Schwerpunkt habe. Cézanne biete zudem soviel bezüglich der späteren Entwicklung der Kunst. Und: Dresden habe zwar keinen Cézanne, allerdings Toulouse-Lautrec. Die zweite Schau würde sie gern Glöckner, den sie zuvor nicht gekannt habe, widmen. Ihr gehe es darum, international zu denken, zu fragen „wo stehen wir?“ und zugleich damit, „Identität zu behaupten“.

Von Lisa Werner-Art

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr