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Die Parodie des Populären - The Residents kommen am 27. April nach Hellerau

Die Parodie des Populären - The Residents kommen am 27. April nach Hellerau

Die Beatles, das waren John, Paul, George und Ringo; Queen waren Freddie, Brian, Roger und John - kurz: Jede Band war irgendwer. Außer eine. The Residents waren Niemand.

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The Residents vor der Golden Gate Bridge in San Francisco.

Quelle: PR

Die vier (?) Musiker haben es über mehr als 40 Jahre geschafft, ihre Identitäten geheim zu halten, hinter großen Augenmasken mit Zylinder. Das Problem: Man kennt die Residents heute fast nur dafür, dass man sie nicht kennt. Ihre Anonymität hat die Musik verblassen lassen. Es ist die größtmögliche Ironie: Die Residents verbargen ihre Identität, um die Aufmerksamkeit auf ihr Werk zu lenken, und erreichten damit genau das Gegenteil. Dabei haben die wegweisende Musik und die Multimedia-Projekte der Residents alle Aufmerksamkeit verdient. Allein die Tatsache, dass das Museum Of Modern Arts die Videos der Residents als erste Musikvideos überhaupt in seiner dauerhaften Sammlung führt, beweist den geschichtlichen Wert der Band.

Schon das Debütalbum von 1974, "Meet The Residents", konfrontierte den damaligen Hörer mit Klängen, die er so noch nie gehört hatte; Fetzen von klassischer Musik und Rock'n'Roll fügen sich zu wüsten, atonalen Klangcollagen zusammen. Und bereits hier zeigt sich eines der Kern-Motive der Residents: Das Mokieren über Popmusik und den Medienkonsum. So ist der Name des Albums an den Beatles-Klassiker "Meet The Beatles" angelehnt, und auch das Cover gleicht diesem bis auf die nicht unwichtige Tatsache, dass man in den Gesichtern der Fab Four herumgekritzelt hatte; John streckte plötzlich die Zunge heraus, George schielte, und Ringo wuchsen Hörner. Obwohl dem Album so durch eine Klage von EMI Aufmerksamkeit geschenkt wurde, verkaufte es sich im ersten Jahr bloß 40 mal. Ob diese Zahl stimmt, ist allerdings genauso unklar, wie der Rest der Geschichte der Residents. Denn die Informationen über sie werden von der "Cryptic Corporation" kontrolliert, die auch für das Management verantwortlich ist und hinter der viele die Fans der Residents selbst vermuten.

1980 treiben die Residents ihre Parodie des Pop mit dem passend betitelten "Commercial Album" auf die Spitze: 40 Songs, jeweils bloß eine Minute lang, natürlich alles andere als kommerziell. Das Album ist ein Meisterwerk in seiner konzepthaften Konzeptlosigkeit. Beim ersten Hören noch erscheinen die kurzen Songs zu kurz und schwer hörbar, nach und nach erkennt man aber, dass man es mit erstklassigen Songs zu tun hat, die länger nicht sein dürften.

In ihrer Geschichte provozierten die Residents immer wieder. Mit einem "Satisfaction"-Cover beispielsweise, bei dem man den Song durch extreme Verzerrungen kaum erkennt. Oder mit Alben wie "The Third Reich'n Roll", auf dessen Cover man viele tanzende Adolf Hitler entdecken kann, unter anderem in Frauenkleidern. Es gelangen auch zwei Kulthits: "Constantinople", und "Kaw Liga", eine Mischung aus der Basslinie von Michael Jacksons Billie Jean und dem gleichnamigen Song von Hank Williams. Mithilfe dieser Hits und der Geheimnisse um die Band wurde die Fanbase immer größer, wurden die Residents zu einer Kultband. Und sie sind es noch immer. Nach über 60 Alben und 20 DVDs touren die Residents weiterhin um die ganze Welt. Oder was von ihnen übrig ist. Wer weiß, ob hinter den Masken inzwischen nicht ganz andere Künstler stecken?

2012 feierten die Residents ihr 40-Jähriges. In echter Residents-Manier kündigte der "neue" Sänger Randy Rose in einem Video ein Ultimate Box-Set an, indem der Fan alles findet, was die Residents je herausgebracht haben - verstaut in einem riesigen Kühlschrank. Zu haben sei das Set für nur 100000 Dollar, oder, mit einer besonders seltenen kleinen Box für fünf Millionen Dollar. Wie immer bei den Residents ist unklar, was davon ernst gemeint ist und was nur Parodie. So oder so bleiben The Residents auch im 21. Jahrhundert noch ein Garant für verrückte Ideen und Konzepte.

Schade nur, dass ihre Anonymität alles andere in den Hintergrund hat treten lassen. Denn ihre Musik und ihre Ideen waren so gut und so einflussreich, wie das nur wenige andere Bands je zustande gebracht hatten. Eine davon, die Beatles nämlich, war deshalb auch immer im Gespräch, wenn es um die Personen hinter den Augäpfeln und Zylindern ging. Wer weiß?

iThe Residents, live am 27. April im Festspielhaus Hellerau

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.04.2013

Falk Ulshöfer

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