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Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung feiert in Leipzig ihren 20.

Die Medici des Ostens Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung feiert in Leipzig ihren 20.

„Restaurierung der Orgel in St. Afra in Meißen“, „Ankauf Pfefferkuchenmuseum in Pulsnitz“ oder „Ausstellung Thilo von Trotha in Merseburg“: Es ist nur ein winziger Ausschnitt aus dem Arbeitsnachweis der Ostdeutschen Sparkassenstiftung (OSS), der auf den Bildschirmen im Museum der bildenden Künste Leipzig flimmert.

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Im Januar 2016 förderte die Ostdeutsche Sparkassenstiftung unter anderem mit der Ernst von Siemens Kunststiftung den Rückkauf von Ernst Ludwig Kirchners „Straßenbild vor dem Friseurladen“ für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Quelle: Archiv

Leipzig. „Restaurierung der Orgel in St. Afra in Meißen“, „Ankauf Pfefferkuchenmuseum in Pulsnitz“ oder „Ausstellung Thilo von Trotha in Merseburg“: Es ist nur ein winziger Ausschnitt aus dem Arbeitsnachweis der Ostdeutschen Sparkassenstiftung (OSS), der auf den Bildschirmen im Museum der bildenden Künste Leipzig flimmert. 20 Jahre gibt es das Gemeinschaftswerk aller 45 Mitgliedssparkassen des Ostdeutschen Sparkassenverbands in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt inzwischen. Gestern wurde in Leipzig mit rund 250 Gästen aus Politik und Kultur gefeiert.

Hätte man sämtliche rund 1900 bisher von der OSS unterstützten Projekte zwischen Ostsee und Erzgebirge kurz vorgestellt, der Film wäre wohl nach einem Tag nicht zu Ende. Insgesamt etwa 80 Millionen Euro sind zwischen 1996 und 2016 in die Kultur geflossen, eine beachtliche Summe, eine bemerkenswerte Kontinuität, von der sich andere Kreditinstitute eine Scheibe abschneiden können. Die OSS ist damit der größte nichtstaatliche Kulturförderer. „Was wäre die Florentiner Kunst ohne die Medici?“, sagte Museumsdirektor Hans-Werner Schmidt, auf dieses Engagement anspielend.

Die schillernde italienische Dynastie und die eher sachlichen Leute von der Sparkasse – der Vergleich hat Witz, hinkt aber gar nicht mal, wenn man die Dürre im Stiftungswesen der Nachwendezeit und dessen Wiedererweckung durch die OSS berücksichtigt. „In allen Mitgliedssparkassen sind die Antennen für Kultur fest installiert“, versichert OSS-Vorstandsvorsitzender Michael Ermrich. Er genieße das Privileg, landauf-landab Menschen zu treffen, die dafür brennen, für Kunst und Kultur Berge zu versetzen. Und oft tun diese das in Regionen, die man gerne als Provinz abtut, in der die Unterstützung von Kulturprojekten nicht nur angesichts aktueller Integrationsaufgaben besonders wichtig ist.

In Zeiten, in denen die Formel „Wir sind das Volk“ missbraucht werde, in Zeiten von Ressentiments und Ängsten vor fremden Kulturen sei das zivilgesellschaftliche Engagement der OSS nicht hoch genug zu bewerten, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Die Aufnahme von Menschen, die im friedensverwöhnten Deutschland Zuflucht suchten, sei auch eine kulturpolitische Herausforderung, betonte sie.

„Mit konstantem Engagement und Ideenreichtum hat die Ostdeutsche Sparkassenstiftung zum Wiederaufblühen der über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaft in Ostdeutschland beigetragen“, so Grütters weiter. Direkt an deren Macher wandte sie sich mit einem Beuys-Zitat: „Arbeite nur, wenn du das Gefühl hast, es löst eine Revolution aus.“ CDU und Sparkasse, das sind nicht unbedingt Institutionen, die einem beim Thema Umsturz zu allererst in den Sinn kommen. So geht es der Ministerin wohl auch eher um die Leidenschaft, mit der immer weiter und immer wieder neu ans Werk gegangen werden soll; darum schließt sie mit einer Bitte: „Bleiben Sie Ihrem Motto treu.“ Das da lautet: „Bewahren. Stärken. Begeistern.“

Eine Haltung, die auch in den Metropolen Früchte trägt. Die Ostdeutsche Sparkassenstiftung sei ein steter Begleiter, der „weniger am Blitzlichtgewitter, das eine Blockbuster-Ausstellung illuminiert“, interessiert sei, sondern vielmehr an Kontinuität, wie es Schmidt aus langjähriger Erfahrung beschreibt. Das Museum der bildenden Künste Leipzig und die OSS, das ist schon fast eine symbiotische Beziehung – mit der Zusammenarbeit bei Ausstellungen, daneben bei Restaurierungsprojekten oder bei den Archiven der Fotokünstlerinnen Evelyn Richter und Ursula Arnold.

Und wenn sich die „OSSis“ schon feiern lassen, dann nutzen sie den Rahmen auch gleich für eine neue Auszeichnung: Mit je 15 000 Euro ist ein Jubiläumspreis dotiert, der gestern für vorbildliches ehrenamtliches Kultur-Engagement in alle vier OSS-Bundesländer vergeben wurde: Bedacht wurden in Mecklenburg-Vorpommern das Kunstmuseum Ahrenshoop (für die Idee und die Trägerschaft des Museums) und in Brandenburg der Heimatverein Schweizerhaus Seelow (für die Wiederbelebung der einzigartigen historischen Gebäude, der Parks und der Gartenanlagen). In Sachsen ausgezeichnet wurden der Förderverein des Geschwister-Scholl-Gymnasiums Freiberg (für die Einbindung der ältesten Schulbibliothek Sachsens ins schulische Leben) und in Sachsen-Anhalt die Kurt-Weill-Gesellschaft und die Stadt Dessau-Roßlau (für Trägerschaft und Weiterentwicklung des gleichnamigen Musikfests).

Kleine Revolutionen werden folgen.

Von Jürgen Kleindienst

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