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Die Opernlegende Sona Cervená kommt zum "Parallel Lives"-Festival nach Dresden

Die Opernlegende Sona Cervená kommt zum "Parallel Lives"-Festival nach Dresden

Im nächsten Jahr wird Sona Cervená 90 Jahre alt. Die in Prag geborene Künstlerin hat eine sagenhafte Karriere als Opernsängerin absolviert, sie wurde berühmt als Schauspielerin am Hamburger Thalia-Theater, und besonders exponiert setzte sie Robert Wilson ein, man denke nur an das skurrile Vogel-Mensch-Wesen in seiner Inszenierung der Uraufführung "Black Rider" von Tom Waits.

150 Mal wurde diese Produktion gespielt, und keine hat sie ausgelassen. Dieses ungewöhnliche, künstlerische Neuland hatte sie gern noch einmal betreten, "Auf zur geliebten Unruhe, es lebe die Unsterblichkeit!", wird sie fast zehn Jahre nach der Uraufführung 1999 in den Erinnerungen schreiben.

Zu ihrem 85. Geburtstag inszenierte und choreografierte Wilson, der Magier der Theaterbilder, 2010 am Prager Ständetheater, wo einst Mozart seinen "Don Giovanni" zur Uraufführung dirigierte, Karel Capeks "Vec Makropulos" (Die Sache Makropulos) mit Sona Cervená als 330 Jahre alte Sängerin Emilia Marty. Das Stück wurde auch bekannt als Vorlage für die gleichnamige Oper von Leoš Janácek.

Im März dieses Jahres hat sich Sona Cervená mit dieser Rolle von der großen Bühne verabschiedet. Aber gleich neben dem Ständetheater, im Teatr Kolowrat, einer intimen Spielstätte des Nationaltheaters, spielt und singt sie weiterhin in der Doku-Oper "Toufar" von Aleš Brezina an der Seite des jungen Countertenors Jan Mikušek gemeinsam mit Schauspielern, Instrumentalisten und Mitgliedern des berühmten Prager Kinderchores Pavel Kühn.

Dieses dokumentarische Musiktheater beschäftigt sich mit Leben und Sterben des tschechischen Priesters Josef Toufar, der mit 48 Jahren an den Folgen von Haft und Folter verstarb. Ein angebliches Wunder in der Kirche der kleinen Stadt Cihost war Anlass für den tschechischen Staatssicherheitsdienst zur Zeit von Präsident Klement Gottwald zu einem Feldzug gegen die katholische Kirche - mit dem Ziel der endgültigen Zersetzung.

Die Sängerin Sona Cervená hatte in der eigenen Familie, am Schicksal der Mutter, Verfolgungen unter den Nazis und unter den Kommunisten erleben müssen. Die Haft im KZ Ravensbrück hatte die Mutter überlebt, die späteren Drangsalierungen nach 1945 nicht. Für die Tochter, nach ihrem großartigen Start auf der Opernbühne in Brünn, inzwischen in Prag und Berlin eine hoch geschätzte Mezzosopranistin, fällt 1961 mit dem Bau der Berliner Mauer die Entscheidung, ihre Heimat zu verlassen in Ungewissheit, ob sie je wird zurückkehren können.

Man kann das alles nachlesen in der aufschlussreichen Autobiografie "Heimweh verboten, mein Stück Theater- und Weltgeschichte". In diesen Erinnerungen finden sich die Stationen einer sagenhaften Karriere mit weit über 100 Partien in mehr als 2000 Vorstellungen, von der Gräfin Geschwitz in Alban Bergs "Lulu" bis zur Mutter in Bernd Alois Zimmermanns "Die Soldaten". Dazu eine Dokumentation der Konzerte, Liederabende, Einspielungen, Fernsehproduktionen und Filme.

Im Buch finden sich auch Erinnerungen an Gastspiele in Dresden. So sang Sona Cervená im Dezember 1960 in der Kreuzkirche die Altpartie in Bachs Weihnachtsoratorium, u.a. mit Theo Adam. Im März 1959 hatte sie in der Dresdner Sempergalerie mit dem Dirigenten Helmut Koch einen Händel-Abend gegeben. Nach einem Konzert in Berlin wird der Kritiker Ernst Krause vom dunklen "Altwohllaut mit einer Beigabe angeborenen Charmes" entzückt sein. (Der Sonntag, 26. April 1959)

Das Opernrepertoire der inzwischen 30-jährigen Sängerin war weit gespannt, von Mozart bis Strauss, von Gluck oder Monteverdi bis Wagner und Verdi, immer wieder zeitgenössische Werke und die Rollen in den Opern ihrer tschechischen Heimat.

1959 und 1960 wird Sona Cervená auch das Dresdner Opernpublikum begeistern, an ihre Gastspiele als Amneris in Verdis "Aida" im Großen Haus mit dem Dirigenten Rudolf Neuhaus erinnert eine Kritik der Sächsischen Neuesten Nachrichten vom 8. September 1959. Der Rezensent beschwört noch einmal die hervorragende Händel-Sängerin und erlebt auf der Bühne eine "schöne schlanke Erscheinung, prachtvolle stimmliche Kultur und leidenschaftliches Spiel".

Eine der Hauptpartien war die Carmen, weltweit, immer wieder, allein in Dresden 14 Mal gesungen. Mit Herbert Kegel am Pult des Rundfunk-Sinfonie-Orchesters Leipzig hat sie sie 1960 eingespielt, wie damals üblich in deutscher Sprache, es war die erste Stereo-Produktion von VEB Eterna, heute als CD bei Berlin Classics. Bei Supraphon gibt es eine Zusammenstellung früher Aufnahmen, u.a. mit Auszügen aus Janáceks "Tagebuch eines Verschollenen", und nicht zu vergessen der Leipziger Mitschnitt der Kindertotenlieder von Mahler unter Hermann Scherchen von 1960.

Nun, an diesem Sonnabend, wird Sona Cervená nach fast 55 Jahren, im Alter von 89 Jahren, wieder in Dresden auf der Bühne zu erleben sein. In der Produktion "Toufar", die im Rahmen des europäischen Theaterfestivals "Parallel Lives" im Kleinen Haus des Staatsschauspiels gezeigt wird.

Sonnabend, 18 Uhr, Kleines Haus, mit Publikumsgespräch im Anschluss

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.06.2014

Boris Gruhl

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