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Die Opern Richard Wagners in der bildenden Kunst - Ausstellungen in Freital und Dresden

Die Opern Richard Wagners in der bildenden Kunst - Ausstellungen in Freital und Dresden

Geburtstag des Künstlers am 22. Mai gibt es die unterschiedlichsten musealen Würdigungen. Dass Dresden und seine Umgebung, nicht zu vergessen Graupa, dabei keine unwesentliche Rolle spielen, ist angesichts des Lebenslaufes von Richard Wagner kein Wunder.

Zum 200.

Gut 20 Jahre lebte er in der Residenzstadt, brachte drei seiner Opern hier zur Uraufführung und wurde schließlich wegen seiner Teilnahme am Maiaufstand 1849 zur persona non grata. Bereits an der Elbe zeigte sich: Seine Opern - und er selbst wohl auch - waren und sind so etwas wie ein Gesamtkunstwerk. Kein Wunder, dass sie auf die bildende Kunst ausstrahlten und durchaus bis heute ausstrahlen. Aber auch umgekehrt bestand diese Anziehungskraft. Wagner hätte gern Arnhold Böcklin für seinen "Ring" gehabt. Der aber lehnte selbstbewusst ab, wollte nicht "Interpret" sein. Gleichwohl manche, besonders der französischen Wagner-Enthusiasten, deren es schon zu Lebzeiten des Komponisten viele gab, sahen in Wagner einen Begründer des Symbolismus, der im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, gerade in Frankreich und England, nicht unwesentlich auch die bildende Kunst mitprägte, später teils verknüpft mit dem Jugendstil. Erinnert sei an Namen wie Redon, Deville, Khnopff, Burne-Jones oder Beardsley.

Die Städtischen Sammlungen Freital widmen sich derzeit unter dem Motto "Zum Raum wird hier die Zeit - Richard Wagner in der bildenden Kunst" der Wagner-Interpretation im Bild. Vor allem mit Beiträgen aus Privatsammlungen und Leihgaben anderer Museen werden Schlaglichter auf die bildkünstlerische direkte und indirekte Wagner-Reflexion von einst bis jetzt geworfen. Eingangs trifft der Besucher auf Wagner-"Porträts", grafisch unterschiedlich angelegte Studien (Richard Wagner, Der alte Wagner I und II, 2012), die Hubertus Giebe für eine Mappe der Stadt Leipzig zu dessen Jubiläum schuf. Ebenfalls einen Porträtauftrag dafür, der aber hier nicht präsent ist, hatte der Leipziger Maler Sighard Gille, bekannt nicht zuletzt durch sein riesiges Wandbild "Gesang vom Leben" im Leipziger Gewandhaus. Für die Mappe musste es kleiner sein, wie es für Grafik eben üblich ist. Auseinandergesetzt mit dem Werk des Musik-Genies hat sich Anfang der 1990er Jahre auch Baldwin Zettl (Jg. 1943), einer der hervorragenden Vertreter Leipziger Grafik-Tradition. Sein Zyklus mit 22 Kupferstichen zum "Ring des Nibelungen" füllt einen der Ausstellungsräume, begleitet von einem Text von Wolfgang Wagner, in dem es heißt, es sei eine "Ausnahmewerk sonderbarer Güte und Tiefe".

Im Hauptteil der Ausstellung mit den drei ineinander übergehenden Räumen fällt der Blick zuerst auf eines der wenigen gezeigten Gemälde. Im Unterschied zu Böcklin war Hans Thoma (1839-1924) dem Gedankengut Wagners eng verbunden. Dies jedenfalls lässt sein "Ritt zur Gralsburg" (1897) vermuten, der den Reiter, ganz dem historistischen Zeitgeist gemäß, in mittelalterlicher Rüstung vor grandios-romantisierender Landschaft zeigt (diesem Thema widmet sich auch Otto Fischer (1880-1947) in einer Farblitho von 1905). Thomas Zeitgenosse Franz Stassen (1869-1949) hatte in Wagners Werk sein Thema gefunden. In zahlreichen Zyklen setzte er sich damit auseinander. Beispielhaft präsentiert sind hier dem Jugendstil verhaftete, hoch dekorative Lithografien zum "Parsifal" (1902).

"Parsifal im Winter"

Diesen gegenüber platziert ist ein kleines Gemälde, das historisch nicht ohne weiteres zuzuordnen ist. Wer neulich die Zander-Ausstellung in der Kunsthandlung Koenitz besuchte, wird des Künstlers Handschrift allerdings ohne Mühe erkennen: "Parsifal im Winter" (2012) heißt das Bild, das in seinem renaissancehaften Duktus durchaus Gegenwärtiges meinen kann. Gleiches gilt für "Agowin der Prahler"(2001), dessen Haupt von Blumensymbolik umkränzt ist. Der 1939 geborene Maler, der mit seinen allegorisch-skurrilen Bildern sich mehr Heutigem als Vergangenem widmet, bietet hier zudem einen interessanten Blick auf die Entwicklung seiner Handschrift. Erscheint seine Litho-Mappe von 1963 zum "Tristan" (15 Blätter), dies betreffend, durchaus im Bekannten verbleibend, so sind Arbeiten aus den 1980ern deutlich darüber hinaus, eben "wie Zander".

Im dritten Raum wird erneut der Bogen zurück in die Zeit um 1900 geführt, zum Engländer Arthur Backham (1867-1939). 1910/11 schuf der Künstler 64 Aquarelle zum "Ring des Nibelungen" - zur Weltausstellung 1912 in Paris ausgezeichnet mit einer Goldmedaille -, die in Europa und den USA auch in Buchform reproduziert wurden. Backham gilt als einer der kongenialsten Illustratoren des "Rings". Neben Arbeiten von Rudolf Jettmar (1869-1939), "Die Nornen (Parzen)" von 1903, oder Johannes Fischer (1904-1973), "Siegfrieds Tod" von 1936, begegnet der Besucher hier auch unmittelbar gegenwärtiger Äußerung: drei kraftvollen farbigen, von Schwarz dominierten Zeichnungen Angela Hampels unter dem Titel "Die Walküren empfangen den Helden". Diese kommen zeitlich und räumlich weit her, vielleicht von der "Edda", sind frei, stark, verkörpern etwas Übergreifendes, Überzeitliches, zeigen keine Attribute, die sie geschichtlich oder national binden, was im Übrigen auch für die Grafikserien von Zander und Zettl gilt. Sie weisen auf das Menschliche allgemein, sind nicht illustrativ.

Wenn die Schau in Freital rein räumlich und aus verschiedenen anderen Gründen (etwa den Schwierigkeiten und Kosten mancher Ausleihe) nur einen kleinen Ausschnitt bildkünstlerischer, auf Wagners Werk bezogener Arbeiten zeigen kann, so fügt sie dem Blick darauf im Kontext der anderen, hiesigen Wagner-Ehrungen anlässlich seines 200. Geburtstages, darunter "Richard Wagner in Dresden. Mythos & Geschichte" im Stadtmuseum (DNN berichteten) eine unverzichtbare Facette hinzu. In die gleiche Richtung wie die Freitaler Schau, freilich unter komfortableren institutionellen Bedingungen, weist die kommende Leipziger Exposition "Weltenschöpfer. Richard Wagner, Max Klinger, Karl May" im Bildermuseum, die den Vorstellungskosmos dieser drei Künstler auf Gemeinsamkeiten untersucht und in Bezug zur romantisch besetzten Landschafts- und Historienmalerei des 19. Jahrhunderts setzt.

Städtische Sammlungen Freital: bis 26. Mai, Di-Fr 13 bis 16 Uhr, Sa/So 10 bis 17 Uhr

www.freital.de

Stadtmuseum Dresden: bis 25. August, Di-So 10 bis 18 Uhr, Fr 10 bis 19 Uhr

www.stadtmuseum-dresden.de

Museum der bildenden Künste Leipzig: 16. Mai-15. September, Eröffnung, 15. Mai 18 Uhr

www.mdbk.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.05.2013

Lisa Werner-Art

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