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Die Oper "Karl May, Raum der Wahrheit" feierte Uraufführung in Dresden

Die Oper "Karl May, Raum der Wahrheit" feierte Uraufführung in Dresden

Wer möchte sich nicht manchmal in verträumte Phantasiewelten flüchten, wagemutige Abenteuer bestehen und dem Ernst des Heldenlebens direkt ins Auge blicken - am besten natürlich mit Garantie auf ein Happy End? Kein anderer deutscher Schriftsteller hat solch kühne Sehnsüchte wohl so konsequent in Realität umgemünzt wie Karl May.

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Karl May (Julian Mehne) als Held seiner eigenen Romane? Sie Semperoper bietet dazu einen fragmentarischen Klangroman.

Quelle: Matthias Creutziger

Seine Abenteuerromane gehören zu den erfolgreichsten deutschen Erzählungen überhaupt, seine Figuren sind legendär. In der Oper "Karl May, Raum der Wahrheit", die in Semper 2 Uraufführung feierte, steht die Person des Schriftstellers Karl May nun erstmals höchst selbst im Mittelpunkt.

Die Sächsische Staatsoper Dresden beauftragte den Komponisten Manos Tsangaris, die Musik für diese Oper zu schreiben. Das Libretto stammt vom Dresdner Schriftsteller und Kleist-Preisträger 2014 Marcel Beyer. In der Regie von Manfred Weiß eroberte das Stück nun die Bühne und wirkt dabei eher wie eine Opernstudie denn ein fertiges Musiktheater. Zeit und Raum verschwimmen in dieser Oper, so wie die Phantasie und Wirklichkeit für Karl May einst verschwommen sind. In Erscheinung treten hier drei Karl May Figuren gleichzeitig: der alte (Julian Arsenault), der junge (Rainer Maria Röhr) und der sprechende (Julian Mehne). Hinzu kommen zwei (Ehe-)Frauen - Emma Pollmer (Julia Mintzer) und Klara Plöhn (Romy Petrick) - sowie diverse Chöre, die Karl May diffus zuflüstern.

Dieser zeigt sich hier als höchst ambivalente, von den Stimmen seiner Geschichten getriebene Figur, ist auch Kunstfigur per se. "Ich müsste nur zum Märchen werden", sagt dieser Karl May anfangs, doch ein Märchen sieht anders aus. Tatsächlich erhellen die insgesamt zwölf Szenen sein Schaffen allenfalls schlaglichtartig. Eine lineare Handlung gibt es nicht. Es sind eher Fetzen, die gezeigt werden. Begebenheiten aus Mays Biografie, die längst mythischen Charakter haben, wie das Reisen in der Phantasie oder die Selbststilisierung als Old Shatterhand. Dabei agieren die einzelnen Personen kaum miteinander, der Inhalt der Oper bleibt somit auf Karl Mays Auseinandersetzung mit seinem Leben und seiner Phantasiewelt beschränkt. Es ist der Blick des Schriftstellers auf sich selbst, der dominiert.

Okarina Peter und Timo Dentler haben die Bühne dazu in Quadratform gepackt, von allen Seiten einsehbar, spielt in der Mitte die Giuseppe-Sinopoli-Akademie der Staatskapelle Dresden, ringsum agieren Sänger und Chor. Das Publikum ist jeweils an den vier Seiten des Quadrats auf Stuhlreihen positioniert, vor einem Vorhang, auf dem eine idyllische Berg- und Tallandschaft aufgezeichnet ist. Tiergeräusche dringen keck hinter diesen bemalten Vorhangwänden hervor. An der Decke spiegelt ein kleines Quadrat den blauen Himmel sowie Karl Mays schriftstellerisches Tun via Videoprojektion.

Manos Tsangaris' Musik wirkt illustrierend, fast malerisch schafft sie eine Geräuschkulisse, in die das Geschehen auf der Bühne wohlig eingebettet scheint. Es ist wie eine Art Schriftstel- ler-Phantasie zum Hören, die der Komponist für diese Oper geschaffen hat. Sie bleibt in sich aber ebenso skizzenhaft wie die Handlung. Erik Nielsen führt Orchester und Sänger mit klarer Geste und fügt die musikalischen Einzelteile vor wie hinter dem Vorhang zu einer geheimnisvoll knisternden Klangillusion zusammen. Die Sänger sind meist gleichberechtigt mit den Instrumenten, ihnen bleibt über weite Strecken aber kaum Raum zu stimmlicher Entfaltung.

Die gesamte Oper blättert sich so eine Stunde lang wie ein fragmentarischer Klangroman über Karl May auf, in dem sich immer wieder neue Gesichter des Schriftstellers offenbaren. Man mag sich überraschen lassen, von dem, was jeweils als nächstes kommt. Dennoch bleibt das Ganze irgendwie ziellos, ist weder eine Hommage an Karl May noch eine klare Darstellung seines Lebens und Wirkens. Kausalitäten werden vermieden, es siegt das Bruchstückhafte. Karl May wird somit so zur bloßen Folie für die Annahme, dass es gar keinen verlässlichen "Raum der Wahrheit" geben kann. Es ist alles bloß Momentaufnahme, ein philosophisch wie psychologisches Puzzlespiel, in dem auch Teile fehlen. Ob gerade die Oper den passenden Raum für ein solches Puzzle bieten kann und ob das Stück auch außerhalb sächsischer Karl-May-Orte überlebensfähig ist, bleibt allerdings fraglich.

nächste Aufführungen: 23.6., 25.6., 26.6., 28.6., 30.6., 4.7., 5.7., jeweils 19 Uhr

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.06.2014

Nicole Czerwinka

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