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Die Oper "Das Waldmädchen" kehrt nach Freiberg - seinen Ursprungsort - zurück

Die Oper "Das Waldmädchen" kehrt nach Freiberg - seinen Ursprungsort - zurück

Diese Geschichte einer vermissten Oper könnte auch den Stoff für einen Theaterkrimi oder einen Detektivroman abgeben. Am 24. November 1800 wurde im Freiberger Theater die Oper "Das Waldmädchen" des damals gerade 14-jährigen Carl Maria von Weber uraufgeführt.

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Die Erinnerung an der Freiberger Theaterfassade an einen Moment Operngeschichte.

Quelle: Boris Gruhl

Weber hatte einen gängigen Stoff der "Findelkindermode" aufgegriffen. Ein Mensch, eben dieses "Waldmädchen", wächst fern aller Zivilisation auf, es wird von einem Prinzen entdeckt, der sich natürlich in das fremde Wesen verliebt und ebenfalls natürlich von einer anderen Frau heiß umworben wird, was zu den üblichen, operngemäßen Verwicklungen und am Ende ins Finale mit zwei glücklichen Paaren führt.

Der Erfolg damals in Freiberg, wo noch heute eine Inschrift am ältesten Stadttheater der Welt daran erinnert, war mäßig. Heute weiß man, dass die hohe Luftfeuchtigkeit im voll besetzten Theater die Darmsaiten der Instrumente total verstimmt haben muss.

Einen Monat später begeistert Webers Jugendwerk die Chemnitzer, jetzt als "Das stumme Waldmädchen", später in Wien und Prag als "Das Mädchen aus dem Spessartwald". Eine Dresdner Aufführung wird vermutet, sicher ist, dass es 1804 eine Aufführung in St. Petersburg gab, und hier, in der Bibliothek des Marinskij-Theaters, der größten Sammlung musikalischer Kostbarkeiten Russlands, blieben auch die Partitur und das Notenmaterial.

In Deutschland galt Webers erste Oper fortan als verschollen. Das sollte sich ändern, als Natalia Gubinka in St. Petersburg das kostbare Material im Jahre 2000 wieder entdeckte, darüber berichtete und kein Geringerer als Maestro Valery Gergiev 2010 Ausschnitte daraus zur Aufführung brachte.

Jetzt muss man sich nur an die langen Traditionen des kulturellen und wissenschaftlichen Austausches zwischen Freiberg und St. Petersburg erinnern. Im nächsten Jahr feiert die Bergakademie der Sächsischen Stadt ihr 500-jähriges Bestehen. Nach deren Vorbild wurde eine ähnliche Akademie in St. Petersburg begründet. Einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler und Sprachforscher Russlands, nach dem die Moskauer Universität benannt ist, war Michail Wassiljewitsch Lomonossow, der von 1711 bis 1765 lebte und sich in den Jahren 1739 und 1740 in Freiberg niedergelassen hatte um sich dort mit Mineralogie und Literatur zu beschäftigen.

Alles gute Gründe für die Stadt Freiberg, die im nächsten Jahr 852 Jahre alt wird, für die Technische Universität der Bergakademie, die dann ihr 250-jähriges Bestehen feiert, für das Mittelsächsische Theater dann zur Feier der 225-jährigen Spielzeit, Verbindungen mit dem Marinskij-Archiv aufzunehmen. Auf Veranlassung des Rektors der Freiberger Akademie, Professor Dr. Bernd Meyer, nahm Professor Reinhard Schmidt, Freiberger Berghauptmann a.D., den Kontakt auf. An die 100 Briefe schrieb er nach Russland. Als er schon nicht mehr damit gerechnet hatte, kam 2009 die Antwort samt freundlicher Einladung. Der Kontakt war hergestellt und im Frühjahr dieses Jahres kamen Professorin Dr. Maria Shcherbakova, Direktorin der Bibliothek des Marinskij-Theaters, und Elena Mochalova, die Leiterin der Rechtsabteilung, nach Freiberg. Beide waren begeistert, insbesondere von der Atmosphäre des historischen Theaters. Fortan setzten sie gemeinsam mit der Stadt Freiberg und deren Engagement seitens des Oberbürgermeisters Bernd Erwin Schramm, den genannten Professoren der Bergakademie, des Intendanten Ralf-Peter Schulze, der Geschäftsführerin Dr. Christine Klecker, des Generalmusikdirektors Raoul Grüneis und des Musikdramaturgen Dr. Christoph Nieder alles in Bewegung, um die Heimkehr des Waldmädchens nach Freiberg zu ermöglichen. Inzwischen sind die Verträge unter Dach und Fach. Zwei Klavierauszüge sind bereits angekommen, demnächst folgen Partitur und Orchestermaterial. Am 21. November 2015 wird das Jubiläum der Bergakademie gefeiert, am Tag darauf feiert Carl Maria von Webers erste Oper "Das Waldmädchen" in einer konzertanten Aufführung die Heimkehr an den historischen Ort der Uraufführung.

Das alles gibt Anlass, jetzt dieses Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen und dies mit ersten musikalischen Kostproben. Dazu präsentiert Raoul Grüneis Ausschnitte am Klavier und macht deutlich, dass diese Wiederentdeckung zu den Quellen der deutschen Frühromantik führt. Anhand musikalischer Beispiele stellt er vor, wie klassische Elemente in die der Frühromantik gewandelt werden. Typische Merkmale späterer Meisterwerke Webers klingen hier schon an, von Streichern begleitete melodische Hornpassagen, die später so ausgeprägte Kunst der Kantilene, Naturschilderungen - wie eine Sturmmusik - oder auch Motive für den Chor, wie sie sich dann im berühmten Jägerchor im "Freischütz" finden werden.

Aber, so der Grüneis, es bleibe noch viel zu tun und zu forschen, denn noch ist er sich nicht anhand des Klavierauszuges darüber im Klaren, ob sich in das jetzt vorliegende Material auch Fehler eingeschlichen haben oder ob der junge Weber wirklich so bewusst gegen damalige Regeln der Harmonielehre verstoßen haben sollte.

Viel bleibt zu tun, vielen Menschen ist zu danken, Orchester, Chor und Solisten des Mittelsächsischen Theaters werden sich voll in die Arbeit stürzen und das Publikum darf sich freuen auf die Heimkehr des Waldmädchens.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.09.2014

Boris Gruhl

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