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Die Oper "Arabella" feiert am Freitag Premiere in der Dresdner Semperoper

Die Oper "Arabella" feiert am Freitag Premiere in der Dresdner Semperoper

Dresden feiert Richard Strauss. Ein ganzes Jahr lang. Was mit einer fulminanten "Elektra" begann, mündet zum Ende des Jubiläumsjahres anlässlich des 150. Geburtstages des Komponisten in ein Fest, einer der Höhepunkte dürfte die Neuinszenierung der 1933 in der Semperoper uraufgeführten Lyrischen Komödie "Arabella" sein.

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Daniel Behle (Matteo) und Hanna-Elisabeth Müller (Zdenka) - die in Salzburg gezeigte Neuproduktion "Arabella" kommt jetzt in die Semperoper.

Quelle: Karl Forster

Zwischen zwei Proben finden die Sopranistin Hanna-Elisabeth Müller und der Tenor Daniel Behle Zeit für ein Gespräch bei Tee und süßen Sachen im Café gleich an der Oper, hinterm Rücken Carl-Maria von Webers. Beide sind angetan von der Atmosphäre des Opernhauses, von der beflügelnden Wirkung des Raumes und natürlich der Akustik, die sich hier von der des Salzburger großen Festspielhauses unterscheidet, wo ja als Koproduktion mit der Semperoper zu den Osterfestspielen die Premiere stattfand. Dort, so Daniel Behle, galt es, mit dem Hall umzugehen, hier gebe es keine Probleme mit der Textverständlichkeit, denn Strauss habe ja auf die Sprache komponiert und im Zusammenwirken von Sprache und Musik zu einer überbordenden Tonalität gefunden.

Für Hanna-Elisabeth Müller kommt hinzu, dass sich dem Sänger von der Bühne her ein ganz anderes Bild bietet, dass die Architektur des Opernhauses die Atmosphäre bestimmt und einfach dazu anreizt, alle Feinheiten der Partie auszuloten. Die Zdenka ist die einzige Hosenrolle für Sopran. Jugendliche, dramatische und lyrische Ansprüche müssen erfüllt werden. Zdenka ist als Junge aufgewachsen, nach dem Willen der Eltern, die nicht das Geld hatten, zwei Töchter zu verheiraten. So wurde aus Zdenka Zdenko. Das ist für die junge Sängerin eine große Herausforderung, der sie sich gerne stellt. Zwar ist Revolte gegen die Eltern in Wien, im Jahr 1860, unmöglich, aber die Revolte der Gefühle lässt sich nicht beseitigen. Und diese beginnt, wenn der Jägeroffizier Matteo ihr begegnet. Daniel Behle weiß als Matteo auch von den Ambivalenzen und Spannungen, die er mit dieser Partie glaubwürdig darstellen und zum Klingen bringen muss. Bei ihm gerät ja der Gefühlshaushalt auch ins Wanken, wenn da für ihn etwas von dem jungen Zdenko ausgeht, das er nicht zuordnen kann, und er sich um so stärker um Arabella bemüht, wohl wissend, dass er einem Ersatz, einem Phantom, nachjagt.

Übrigens tritt der Sänger ganz entschieden der Meinung entgegen, Strauss habe Tenöre nicht gemocht und daher so schwierige Partien für sie geschrieben. Er ist vom Gegenteil überzeugt. Zwar lägen die Partien in hoher Tessitura, aber eigentlich dankbar für den Tenor. Für die Sopranistin ist die Strauss-Partie auch dankbar, kann sie doch gut ihre Erfahrungen als Pamina, Zerlina oder Susanna aus Mozart-Opern einbringen, die Hanna-Elisabeth Müller in München an der Bayerischen Staatsoper singt. Zu deren Ensemble gehört sie seit 2012/13. Als sie Christian Thielemann die Partie der Zdenka vorsang, war er sofort überzeugt. Und spätestens mit diesem Rollendebüt zu Ostern machte die Sängerin international auf sich aufmerksam.

Daniel Behle hatte das Angebot, den Matteo zu singen, von Thielemann nach einer Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium in der Dresdner Frauenkirche bekommen. Sieht man sich die Rollenverzeichnisse, die Konzerttermine beider Künstler an, so lässt sich feststellen, dass sie sich gerne den Herausforderungen künstlerischer Vielfalt stellen. Behle bricht schon mal gern auch eine Lanze für die Operette, sein Bühnen- und Konzertrepertoire ist enorm, er hat schon einige Strauss-Partien gesungen, 2016 folgt der Flamand in "Capriccio", und selbstverständlich hat er Lieder von Strauss im Repertoire seiner CD-Produktionen.

Hanna-Elisabeth Müller wird gerne auf internationale Konzertpodien gebeten, Bach, Haydn, Beethoven oder Mahler stehen dann auf dem Programm. Auf ihrer ersten Solo-CD, die im Frühjahr 2015 herauskommt, kann man auch Strauss-Lieder hören. Die Zdenka wird sie zudem in einer "Arabella"-Neuproduktion zu den Münchner Opernfestspielen singen und ein Jahr später gibt sie ihr Debüt als Sophie im "Rosenkavalier" in Amsterdam unter der Leitung Marc Albrechts. Apropos Dirigenten, da sind beide einig, Christian Thielemann ist ein Glücksfall, er ist eben sehr bei den Sängern, er hält Blickkontakt, das sei so wichtig, aber durchaus nicht immer üblich.

Unsere Zeit ist um, die nächste Probe beginnt, es ist eine gute Arbeit mit der Regisseurin Florentine Klepper, erfahre ich noch, wisse, was sie wolle, und gehe immer ergebnisorientiert in die Probe. Und da sind die Sänger schon im Aufbruch. Also konnten wir gar nicht mehr darüber sprechen, wie es ist, wenn man immer so gute Kritiken bekommt, oder wie man damit umgeht, wenn ganz brandaktuell die Zeitschrift "Opernwelt" Hanna-Elisabeth Müller zur Nachwuchssängerin des Jahres kürt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.11.2014

Boris Gruhl

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