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Die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden gastierte in Israel

Die Neue Jüdische Kammerphilharmonie Dresden gastierte in Israel

Entartete Kunst. Verfemte Künstler. Brennende Bücher. Fliehende Autoren, Maler und Musiker. Ist das eine ferne Vergangenheit? Oder ist das gegenwärtige Mahnung?

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Monument an der Gedenkstätte Yad Vashem.

Quelle: Abir Sultan, EPD/dpa

Dresden. Holocaust. Die Neue Jüdische Kammerphilharmie, 2007 in Dresden gegründet, besuchte kürzlich Israel, war somit im Ursprungsland ihrer künstlerischen Intentionen zu Gast. Sie stieß sowohl in Jerusalem als auch in Tel Aviv auf äußerst warmherzige Aufnahme, was aufgrund ihrer deutschen Herkunft bis heute keine Selbstverständlichkeit ist. Die Gäste aus Sachsen wollten beweisen, so der künstlerische Leiter Michael Hurshell, dass nicht die Schlagworte von neuen Rechten und deren kulturloser Fremdenfeindlichkeit das Leben in Deutschland bestimmen, sondern nach wie vor eine Botschafterrolle von Kunst und Kultur das Sagen hat.

Vor allem aber sei es dem amerika- nischen Dirigenten und den 23 sächsischen Musikerinnen und Musikern seines Orchesters darum gegangen, eine Wiedergutmachung auf kulturellem Gebiet zu betreiben und zu demonstrieren, dass weder die Untaten der Nazis noch deren Opfer vergessen sind. In erster Linie meint er damit die Verfemten Künstler, die emigrieren mussten, deren Werke nicht aufgeführt werden durften, die in den Konzentrationslagern ermordet wurden. Namen wie Erich Wolfgang Korngold, Miklos Rósza und Alexander von Zemlinski stehen stellvertretend für viele weitere Komponisten, deren Werk - oder deren Leben - in den 1930er Jahren ausgelöscht worden ist.

Aber auch das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy gehörte zum Gastspiel-Programm, den Solopart von Sergei Ostrovsky gespielt, weil der getaufte Jude ebenfalls auf dem Index der Nazis stand.

Schuld habe Deutschland selbst nach 1945 noch auf sich geladen, so Hurshell, denn die Musik der ermordeten jüdischen Künstler blieb lange Zeit ungehört, wer überlebt hatte und in seine Heimat zurückkehren wollte, blieb unerwünscht. Schatten im deutschen Kulturleben, an die zu gemahnen noble Pflicht ist. Daran zu erinnern und gelebte Wiedergutmachung zu betreiben, das ist die eine Seite im Wirken der Neuen Jüdischen Kammerphilharmonie. Die andere ist ganz aktuell - angesichts heute wieder auflebender Fremdenfeindlichkeit.

Darum auch wurde diese Reise vom Freistaat Sachsen mitfinanziert, darum gehörten neben dem reinen Konzertprogramm Vorträge vor Musikstudenten zu dieser Tour in ein fernes, fremdes Land. Denn auch dort sind Hass und Gewalt alles andere als überwunden, scheinen begründete Ängste allgegenwärtig. Die Musikerinnen und Musiker waren sich dessen bewusst und sind dennoch gereist. Das sei eine Einstellungsfrage, brachte es Konzertmeister Ralf-Carsten Brömsel auf den Punkt.

Ein israelischer Geiger, ein amerikanischer Dirigent und 23 Musikerinnen und Musiker aus Sachsen in Jerusalem - sie trafen mit ihrer Musik nicht nur auf den künstlerischen Nachwuchs, sondern auch auf Überlebende des Holocaust. Es bleibe nicht mehr viel Zeit, so der Dirigent, dieser Generation zu beweisen, dass es heute ein anderes Deutschland gibt, ein Deutschland, das sich der Schuld stellt.

Nicht alle Konzerte waren ausverkauft, auch wenn das Interesse in den Medien sehr groß war, Zeitungen wie Haarez und die Jerusalem Post ausführlich berichteten und sich Fernsehsender von 3sat bis zum israelischen Kanal i24 dem Kammerorchester widmeten. Grund für ausbleibendes Publikum sind mehrere Anschläge gewesen, die es während der Reise gab.

Auch das hat die Künstlergemeinschaft bewegt, bleibt Bestandteil eines unvergesslichen Gastspiels, zu dem allerdings auch der erschütternde Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zählte. Kaum irgendwo sonst wird so hautnah spürbar, wohin Hass und Gewalt führen, was für ein unmenschlicher Widersinn in jedem Krieg steckt, der Probleme nie löst, sondern nur neue schafft.

www.juedische-philharmonie-dresden.de

VON MICHAEL ERNST

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