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Die Namen der Toten eingebettet in Stein - Gedenkstätte Busmannkapelle erhält Mitte 2013 ihre Glashaube

Die Namen der Toten eingebettet in Stein - Gedenkstätte Busmannkapelle erhält Mitte 2013 ihre Glashaube

Nach dem Stadtratsbeschluss am 18. Oktober, die Busmannkapelle als zentralen Ort des individuellen Gedenkens an die Zerstörung Dresdens zu nutzen, steht der Bau der Gedenkstätte wieder mehr im Blickpunkt.

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Dr. Peter W. Schumann, Vorsitzender der Fördergesellschaft Sophienkirche - Busmannkapelle, ist gespannt auf die Veranstaltungen, die nächstes Jahr in der dann überdachten Gedenkstätte Busmannkapelle - die Pfeiler sind im Hintergrund zu sehen - stattfinden sollen.

Quelle: Dietrich Flechtner

Wie geht die Fertigstellung voran? Wie soll der Kriegstoten gedacht werden? Welche Rolle kann die Kapelle künftig spielen? Darüber sprachen die DNN mit dem Vorsitzenden der Fördergesellschaft Sophienkirche - Busmannkapelle, Peter Schumann.

DNN: Die Stadt Dresden wird 340 000 Euro für den Weiterbau bereitstellen. Damit ist der Glaskubus gesichert? Wann soll er denn nun aufgesetzt werden?

Peter Schumann: Mitte kommenden Jahres. Zunächst müssen die statischen Berechnungen für Glaskubus und Trägerkonstruktion auf den heutigen Stand der Technik gebracht werden, denn der Entwurf liegt 15 Jahre zurück. Dann folgen die Ausschreibungen. Der jetzt folgende erste Teil für den dritten Bauabschnitt umfasst auch den Einbau der Wendeltreppe vom Sockelbauwerk bis zur Ausstellungsplattform und Galerie. Dann haben wir erstmals ein "Dach überm Kopf" und können zwar noch provisorisch, aber witterungsunabhängig Informationsveranstaltungen, Führungen, Vorträge und Verkaufsangebote anbieten.

Beschlossen ist auch die Funktion als Ort stillen und individuellen Gedenkens an die Opfer des Bombardements 1945 - neben der Erinnerung an die Sophienkirche. Nur die Namensnennung der Toten wird noch diskutiert. Welche Haltung hat die Fördergesellschaft dazu?

Fördergesellschaft und Bürgerstiftung wurden vor Jahresfrist von der Stadtverwaltung gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, dass die Namen der Toten der Luftangriffe des 13./14. Februar 1945 in der Gedenkstätte Sophienkirche - Busmannkapelle öffentlich gemacht werden. Obwohl das Gedenken an die Zerstörung Dresdens laut Nutzungskonzept zu den Anliegen der Gedenkstätte gehört, hat uns die Frage überrascht und zu vielen Überlegungen geführt. Herauskristallisiert hat sich dabei, dass es neben dem Gedenken an die geschichtlichen Entwicklungen - charakterisiert durch die erste willentliche Zerstörung eines Gotteshauses in Dresden, der Synagoge 1939, über die vielen zerstörten Gotteshäuser 1945 bis zum Abbruch der wiederaufbaufähigen Ruine der Sophienkirche 1963 - auch ein stilles, persönliches Gedenken möglich sein kann. Es muss aber in einer nicht demonstrativen Form stattfinden, der menschlichen Trauer Ausdruck verleihen.

Auf welche Weise könnten die Namen der Kriegstoten sichtbar werden und wie wird das individuelle Gedenken gewährleistet?

Die bekannten Namen der Toten könnten in ein Buch eingetragen werden, das aufgeschlagen und von vorn und oben ansehbar und auch von außen sichtbar in einem Steinblock eingebettet und durch eine Glasplatte oder Glashaube überdeckt wäre. Alle bekannten Toten wären hier "eingeschreint", auf die unbekannten kann in geeigneter Weise hingewiesen werden. Wer darüber hinaus persönlich Nahestehender gedenken will, könnte dies im "Raum der Stille" tun, zum Beispiel im Sockelgeschoss. Es ist schon lange geplant, in diesem Raum Grabplatten bedeutender Persönlichkeiten stellvertretend für alle diejenigen aufzustellen, die in der Sophienkirche in mehreren Jahrhunderten bestattet gewesen waren - deren Überreste der Bagger 1964 durch die Luft wirbelte. Auch andere, vielleicht an ein Schriftbild gebundene Formen sind denkbar. Der Begriff Mahnmal scheint uns für das stille, persönliche Totengedenken nicht angebracht.

Was ist mit dem Gedenken an den evangelischen Widerstand in zwei Diktaturen, den die evangelisch-lutherische Landeskirche wünschte?

Wir halten diesen Widerstand, bei dem Christen ihr Leben eingesetzt haben, für gesellschaftlich so wichtig, dass er einen Ort des Gedenkens braucht. Den gibt es für evangelische Christen in Deutschland bisher nicht. Für die katholischen Glaubensbrüder gibt es in Dresden seit den 70er Jahren die Friedrich-Press-Kapelle in der Kathedrale. Der Vorschlag zum Märtyrergedenken stammt von unseren Mitgliedern, also von Bürgern, die die Diktaturen erlebt haben.

Wann wird das Kuratorium zur Namensnennung unter OB Helma Orosz, dem Fördergesellschaft und Bürgerstiftung angehören, seine Arbeit aufnehmen?

Da der Stadtrat beschlossen hat, die nötigen Fördermittel bereitzustellen, bauen wir jetzt weiter. Das hat absoluten Vorrang, denn jeder Verzug kostet Geld. Wann ein Gremium seine Arbeit aufnimmt, das zunächst verschiedene Möglichkeiten unter Hinzuziehung von Fachleuten erörtert, ist im Moment nicht vorrangig.

Es hieß, nach der Frauenkirche gibt es kein anderes Bauprojekt, das in Dresden größeren Zuspruch in der Bevölkerung hat. Finden Sie das bestätigt?

Es gab seit der Wende eine stille Übereinkunft, dass zunächst eine neue Synagoge gebaut werden muss, dann die Frauenkirche als ein Ort der Versöhnung und wenn dann noch Kraft ist, sollte man sie für die Gedenkstätte Sophienkirche verwenden. Die ehrenamtlichen Kräfte der Fördergesellschaft haben bei Führungen bisher mit etwa 2500 Menschen gesprochen. In Vorträgen wurden mehr als 5000 Zuhörer erreicht. Diese haben sich mit zwei oder drei Ausnahmen sehr anerkennend geäußert. Besucher aus aller Welt, die ihre Wurzeln in Dresden haben, fragen weit mehr als wir beantworten können nach der Geschichte und Spuren ihrer Vorfahren.

Fließen auch genügend Spenden?

Die Spendenbereitschaft ist allgemein rückläufig. Seitdem aber der Kapellenkörper im Stadtbild sichtbar ist, hat das Interesse an unserem Wirken und damit auch die Spendenbereitschaft deutlich zugenommen. Dabei sind die Gespräche an der Busmannkapelle unsere wichtigste Werbung.

Wie viel Geld wird bis zur endgültigen Fertigstellung noch benötigt?

Nach Errichtung von Glaskubus, Wendeltreppe, Ausstellungsplattform und Empore fehlen noch knapp 800 000 Euro, im Wesentlichen für den Innenausbau. Nicht eingerechnet sind die Restaurierungen der Epitaphe.

Mit welchen Aktivitäten wirbt die Fördergesellschaft Gelder ein?

Wir haben über die Adoption von originalen gotischen Werksteinen etwa 25 000 Euro erwirtschaftet. Das sind Werksteine, die auf Veranlassung der Denkmalpfleger Rudolf Zießler, Hans Nadler und Heinrich Magirius beim Abbruch der Busmannkapelle geborgen worden sind. Zurzeit sind nur noch 13 von 83 solcher 600 Jahre alten Steine zu vergeben, in dem Sinne, dass das eingenommene Geld dem Einbau nachträglich zugutekommt. Der Einbau der originalen Steine hat einen hohen fünfstelligen Mehrbetrag verursacht, den wir abarbeiten müssen. In Kürze können wir auch die Sandsteinplatten für den Kapellenfußboden zur Adoption ausschreiben.

Der Sophiendukaten in Feinsilber, der sehr begehrt ist, wird neu aufgelegt, allerdings wegen der gestiegenen Edelmetallpreise jetzt zu einem höheren Preis. Und dann sind wir gespannt auf die Veranstaltungen im Innenraum der Busmannkapelle. Für alle Vorhaben suchen wir noch aktive Ehrenämtler und bieten dazu im Frühjahr einen Kurs auch für junge Leute an.

Der Entwurf von Gustavs und Lungwitz stammt aus dem Jahr 1995. Wird nun das "Zwanzigjährige" zum Eröffnungstermin werden?

Wenn wir großzügige Förderer finden, wird es früher werden.

Interview: Genia Bleier

Veranstaltung

Die Fördergesellschaft Sophienkirche - Busmannkapelle lädt am 1. Dezember, 15 Uhr zur öffentlichen Jahresendversammlung in das Kulturrathaus (Fritz-Löffler-Saal), Königstraße 15, ein. Prof. Heinrich Magirius spricht über seine "Erinnerungen an den Abbruch der Kriegsruine der Sophienkirche in Dresden 1962-1964".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.11.2012

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