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Die Mimenbühne feiert das 33. Dresdner Pantomimefestival

Theater der Beständigkeit Die Mimenbühne feiert das 33. Dresdner Pantomimefestival

Es war ein würdiger Höhepunkt des 33. Dresdner Pantomimefestivals, das vier Tage lang vor allem die Bühnen im Dresdner Nordwesten belebte und mittels 22 Künstlern aus zehn Ländern rund 500 Zuschauer in acht Publikumsveranstaltungen zog: Die „Große Gala des Physischen Theaters“ zeigte unter dem Titel „Einen Herzschlag lang“ viele der möglichen Spielarten.

Politisch nicht ganz korrekt: „Döner-Randale“ mit Eric Wilcox und Lukasz Szydlik.

Quelle: PR/Mimenbühne

Dresden. Es war ein würdiger Höhepunkt des 33. Dresdner Pantomimefestivals, das vier Tage lang vor allem die Bühnen im Dresdner Nordwesten belebte und mittels 22 Künstlern aus zehn Ländern rund 500 Zuschauer in acht Publikumsveranstaltungen zog: Die „Große Gala des Physischen Theaters“ zeigte unter dem Titel „Einen Herzschlag lang“ viele der möglichen Spielarten und fand solchen Anklang, dass flugs noch zwei Reihen Stühle im großen Saal vom Theaterhaus Rudi aufgestellt werden mussten, um allen Interessenten in zwei Mal einer Stunde insgesamt elf Miniaturen der alten Kunst ohne Worte zu präsentieren.

Dabei ging es – fast ohne Worte, aber meist sehr dynamisch, oft in körperlicher Perfektion, meist mit Musik und manchmal mit Lauten – quer durch das Alltagsleben. Das funktioniert seit jeher (wie Tanz oder Musik) total global, so dass Herkunft keine Rolle spielt. Dafür die Theatertradition: So bieten Antonina Popova per „Andenken“ aus Leningrad und Olga Domanska und Donia Sbika mittels „Blumen der Hölle“ melancholische Ansätze, während der Kanadier Duncan Cameron („Der Spion“) und der US-Amerikaner Eric Wilcox es schon derber bis absurd treiben. Letzterer sorgt gemeinsam mit dem Polen Lukasz Szydlik als Dönermörder für eine sicher politisch nicht ganz korrekte, aber dafür gefeierte Pointe. Ganz elegant bis filigran agieren Izabella Sobczak und Gosia Urban aus Wroclaw in „Je t’aime“ – sie nehmen Abschied von der stressigen Art von Liebe und begraben ihre Eifersucht auf die Anrufer der anderen per Kussorgie.

Aber auch die deutschen Talente sind beeindruckend: Arne König serviert in Doppelrolle „Romeo und Julia“ in Kurzform als Nacherzähler mit neuem Ende, während Mattes Weißbach sich in eleganter Weise und vielen Rollen Bernsteins „Westside Story“ widmet. Ralf Herzog ist nicht nur als Intendant der seit zweieinhalb Jahren im Pieschener Theater „August“ beheimateten Mimenbühne der Gastgeber, sondern quasi als Pate aller Dresdner Pantomimen auch Gründer des Festivals, dessen Wurzeln im März 1982 als „Pantomime-Werkstatt-Tage“ Amateure und Profis anlockte. Zwölf Gruppen mit 60 Akteuren aus der CSSR sowie Magdeburg, Leipzig, Jena, Freiberg und Dresden nahmen teil, Herzogs Pantomimenstudio gehörte damals zum Jugendklub des TJG.

Zur zehnten Folge 1992 holte Olaf Böhme, damals Chef vom „Theater 50 – das kleinste Theater der Stadt“, mit Marcel Marceau den größten Pantomimen der Welt in den Kulturpalast, zur 13. Ausgabe gab es 20 Vorstellungen in zehn Tagen für 2500 Besucher – die Stadt förderte mit 15, das Land mit 20 Riesen (damals noch in D-Mark). Das waren die goldenen Jahre, mehrfach stand es danach auf der Kippe, zweimal (1998 und 2008) fiel es gar ganz aus, nun ist es – klein, fein und rein – immer noch eine Perle der üppigen Dresdner Festivalitis, und ganz sicher unverzichtbar.

Denn auch heute können sich die Organisatoren ihre Teilnehmer immer noch unter vielen Bewerbern aussuchen: „Unser Festival hat einen solch’ guten Ruf, dass immer noch viele trotz geringer Gage gern herkommen.“ Warum? Weil ein Dresdner Auftritt der Vita gut tue, schmunzelt Herzog, der neben der Mimenbühne auch das Mimenstudio am Laufen hält und als Trainer nicht nur an Theatern gefragt ist: „Achtzig Prozent aller Kommunikation verläuft nonverbal – die Körpersprache ist in vielen Berufen entscheidend“, erklärt der Altmeister, der mehrere Festivalauftritte hat und diese wie ehedem in entspannter Frische improvisiert.

Im Rudi servierte er bei der Gala zugerufene Sportlerpersiflagen – vom Angler bis zum Diskuswerfer. Die Frage, welche Berufe seine Übungen besonders nötig hätten, beantwortet er ebenso mit ironischer Leichtigkeit: „Eigentlich alle, aber besonders Lehrer, Erzieher und Kellner.“ Herzogs 33. Fazit: „Wir konnten die Vielfalt der Möglichkeiten, die theatrale Pantomime bietet, gut zeigen und einige Newcomer entdecken.“ So wie Arne König und Duncan Cameron, die neben ihren Soli noch rasch ein gemeinsames Stück einübten: „Überraschung“ hieß es, bot eine Art Frankenstein-Experiment und endet per Kettensäge – natürlich unsichtbar wie lautlos (außer im Kopf des Betrachters).

Am Sonntagabend gaben sich insgesamt 27 Künstler bei einer ausschweifenden Impro-Gala im vollen „August“ die Abschlussehre, nun können die Planungen für die 34. Edition, die vom 9. bis 12. November 2017 stattfinden wird, beginnen.

www.pantomimefestival-dresden.de

Bildtext zu Foto 1:

Politisch nicht ganz ganz korrekt: Bei „Döner-Randale“ (Szene mit Eric Wilcox und Lukasz Szydlik) übertreiben es beide, so dass einer am Spieß endet.

Foto: PR / Mimenbühne Dresden e. V.

Von Andreas Herrmann

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