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Die Mezzosopranistin Vesselina Kasarova in der Frauenkirche Dresden

Die Mezzosopranistin Vesselina Kasarova in der Frauenkirche Dresden

Der Vergleich mit tief dunkelrotem, leuchtendem Samt drängte sich auf, beim Hören der Mezzosopranistin Vesselina Kasarova in der Frauenkirche.

Glutvolle Tiefe

Vesselina Kasarova in der Frauenkirche

Es sind unglaubliche Tiefendimensionen, über die die Kasarova verfügt - stimmliche Glut, geschmeidig ohne Ende, bruchlos, ein betörendes Timbre, wozu noch exemplarische Ausdruckskraft kam. Ein Ereignis (in der leider nur schütter besetzten Frauenkirche), das im Ohr bleibt!

Sie war zunächst mit einer Marienklage von Giovanni Battista Ferrandini gekommen (sie wurde zunächst Händel zugeschrieben). Emotionsdicht und leidenschaftlich vertiefte sich die Sängerin in die Kantate. Ihr Ausdruck war so unmittelbar und glaubhaft, dass sich die Verzweiflung und der tiefe Schmerz der Gottesmutter dem Hörer unmittelbar mitteilte. Der mit Genuß ausgekostete, barocke Prunk und die vielen kompositorischen Schnörkel standen dazu nicht im Widerspruch. Die punktgenau ausgeleuchteten Rezitative bezauberten genauso wie die schwermütigen, ebenmäßig gesungenen Kavatinen und die atemberaubende Koloraturensicherheit.

Letztere faszinierte dann auch bei Vesselina Kasarovas Händel-Interpretationen, namentlich bei der in lebhafter Konversation mit dem Orchester - dem Helsinki Baroque Orchestra unter Yordan Kamdzhalov - vorgetragenen Arie "Con l'ali di costanza" aus "Ariodante". Das war nicht nur ein technisches Bravourstück ohne Fehl und Tadel. Die rasanten Koloraturkapriolen glitzerten und funkelten in allen Schattierungen, ohne dass sich je der Eindruck einstellte, dass die Kasarova irgendwann stimmlich ermüden könnte. Als äußerst feinsinnig und vielschichtig, mit locker geführtem Mezzosopran, ist ihre Auseinandersetzung mit zwei Arien aus Händels Oratorium "Il Trionfo del Tempo e del Disinganno" zu bezeichnen. Und weil es so schön war und die Jubelstürme kein Ende nahmen, gab sie noch einen Händel zu "Verdi prati" aus "Alcina" - schmerzhaft intensiv, expressiv, stimmlich unendlich schön: kurz der Idealfall der Händelinterpretation.

Als ausgesprochener Glücksfall erwies sich auch das schon erwähnte, Helsinki Baroque Orchestra mit seinem biegsamen, frischen Klang und dem unaufdringlichen Bemühen um historische Authentizität (welch wundervolle Naturhörner und Holzbläser!). Umsichtig hielt Yordan Kamdzhalov die musikalischen Fäden in der Hand und blieb gemeinsam mit seinen Musikern auch nicht die geringste Begleitnuance schuldig. Eine Freude war es auch die prächtigen Orchesterfarben in den einleitenden Händelouvertüren zu erleben. Man brauchte nur kurze Zeit, um sich auf die akustischen Verhältnisse einzustellen und mit immenser Musizierlust aufzutrumpfen. Noch ganz der Concerto grosso- Tradition verpflichtet und doch schon erkennbar auf dem Weg zu neuen Ufern ist Haydns Sinfonie Nr. 6 D-Dur, "Le Matin" ("Der Morgen"), aus der "Tageszeiten"-Trias. Die Musiker hatten hörbare Freude daran, die ihnen zugedachten, solistischen Aufgaben zu erledigen. Feingliedrig und mit wohl differenzierter Klangkultur kam diese Sinfonie daher - ein gelungener Schlusspunkt unter ein gelungenes Konzert.

M. Hanns

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.06.2012

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