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Die Mäandertaler: Vatertag in der Reithalle in Dresden mit Godspeed You! Black Emperor

Die Mäandertaler: Vatertag in der Reithalle in Dresden mit Godspeed You! Black Emperor

Vielleicht wäre es wirklich angemessen, man würde es sich so einfach machen wie Konzertagentur, Veranstalter und einige Kollegen von Presse, Funk und Fernsehen.

Gar nicht erst aus-schwärmen, um Godspeed You! Black Emperor das x-te Mal zu preisen, ihren Urwuchs, ihre Kraft, ihre Vätertaten für den Postrock seit den späten 1990ern, ihr Splittern in so viele hochspannende musikalische Projekte, von Montreal ausgehend. Vielleicht ist das der rechte Weg: Druck aufzubauen, damit sich jeder schlecht fühlen möge, der heute Abend in die Reithalle gehen könnte, aber nicht geht.

Die betreuende Konzertagentur schreibt auf ihrer Website unter Godspeed nur "Don't contact us - we contact you". Sie ist ja selbst froh, dass es nach zehn Jahren wieder wenige Konzerte im Land gibt. Der örtliche Veranstalter verzichtet im Netz auf die sonst übliche Bandbiographie und spricht im zweiten von zwei Sätzen von einem "mesmerisierenden Konzerterlebnis" (in den Bann ziehen, hypnotisieren). Der Kollege Jan Wigger von Spiegel-online listet gar die Wortschöpfungen "bedauernswerter Journalisten" auf, die über "die Musik dieser Wahnsinnigen schreiben müssen." Dabei weiß er sehr genau, dass jede noch so blumige Kreation im Grunde nur stimmt.

Anlass für die Tour könnte eine neue CD sein, die Godspeed You! Black Emperor wirklich fertigbekommen haben. 53:09 Minuten lang ist sie, viergeteilt, mit Namen "Allelujah! Don't Bend! Ascend!" (natürlich auf Constellation Records). Sie folgt zehn Jahre nach "Yancui U.X.O.", zwölf nach "Lift Your Skinny Fists Like Antennas To Heaven", 15 nach dem Debüt "f#a#∞". Wie die neue Platte geworden ist? Nun, -.

2000 war die Band zuletzt auch im Beatpol/Star Club, wo sie für diese Stadt schon 1998 Humus aufs Parkett geschmissen hatte. Dazwischen gab es Platten und Konzerte der Godspeed-Splitter: A Silver Mt. Zion, Fly Pan Am, Set Fire To Flames, auch Do May Say Think gehören zum Kreis. Die Giganten Godspeed waren aber auch ansonsten immer präsent, wenn es um Bands ging, die den mehr oder weniger ähnlichen, mehr oder weniger direkt von ihnen beeinflussten Postrock-Ansatz verfolgen. Das private "-pedia" spuckt beim Kennwort "Godspeed" weltweit verortete Namen aus wie Envy, Pelican, Ef, Hsrta, Long Distance Calling. Natürlich auch die erste Reihe mit Mono oder Mogwai. Ihr Einfluss ist enorm, die Erregung vor Konzerten immens. Ein wenig Mysterium gehört eben auch dazu. Da machen wir gern mit, da sind wir dabei! Wissend, dass es immer wieder auch Menschen gibt, die Godspeed die große Pose nachweisen wollen. Geschenkt!

Die Mäandertaler kommen über den Fluss. Die großen Erzähler ohne Worte. Die, die Räume öffnen. Wir werden uns heute Abend wieder im Epizentrum von Eruptionen befinden. Von scheinbar endlos anschwellenden Gitarrenkörpern, Cello-Geigen-Gewittern, abrupten Schlüssen, von kleinsinfonischen Konstrukten mit zwei, vielleicht auch sieben Schlagzeugern, die uns die Luft nehmen. Mit Sicherheit gibt es filmische Projektionen. Glissandi, Crescendi und ähnlich "italienische" Worte tanzen, nein, reiten auf der Bühne der Halle. Es wird filigran und fischelant, es gibt Relaxation und Anspannung. Und wir werden nach 15 Jahren ein weiteres Mal rätseln, was das eigentlich genau ist, zu dem uns Thierry Amar, David Bryant, Bruce Cawdron, Aidan Girt, Efrim Manuel Menuck, Michael Moya, Mauro Pezzente, Sophie Trudeau, Karl Lemieux ins Boot holen.

Godspeed You! Black Emperor, Vorband: Air Cushion Finish, Sonnabend, 21 Uhr, Reithalle, Straße E

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.11.2012

Andreas Körner

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