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Die Lyrik des Bauwesens: Ausstellung von Petra Kasten in der Dresdner Galerie Adlergasse

Ausstellung Die Lyrik des Bauwesens: Ausstellung von Petra Kasten in der Dresdner Galerie Adlergasse

Albertinum, Lipsiusbau oder Städtische Galerie: Diese Museen, in denen die Dresdner Künstlerin Petra Kasten in den vergangenen Jahren in Ausstellungen mit Arbeiten vertreten war, folgen dem Ideal des white cube, also einem schlichten, weiß gestrichenen Raum, möglichst ohne Fenster.

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Petra Kasten: „Gewölbe“, Acryl auf Papier, 2015.

Quelle: Repro: Stefan Voigt

Dresden. Albertinum, Lipsiusbau oder Städtische Galerie: Diese Museen, in denen die Dresdner Künstlerin Petra Kasten in den vergangenen Jahren in Ausstellungen mit Arbeiten vertreten war, folgen dem Ideal des white cube, also einem schlichten, weiß gestrichenen Raum, möglichst ohne Fenster. Nichts in der Umgebung lenkt von den Kunstwerken ab. Ungewollt entstehende Bezüge zwischen Architektur und Kunst sollen so vermieden werden. Diese heute landläufige Art, Ausstellungsräume zu gestalten, etablierte sich erst vor etwa 70 Jahren. Ihre Kritiker meinen, die cleane, pseudosakrale Atmosphäre solcher „Kulträume der Ästhetik“ schüchtere ein, verwandele selbst Banales in Besonderes – frei nach dem Motto: „Und das Passepartout macht die Kunst im Nu.“ Die Kunst halte der Realität nicht stand, also müsse diese ausgeblendet werden.

Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Adlergasse zeigt, dass bei Petra Kasten solche Vorwürfe nicht greifen. Beim Neubau der Galerie 2015 haben sich weder die Architekten gestalterisch zurückgenommen noch bleibt das Leben draußen außen vor. Im Gegenteil: Der Raum ist eine großzügige Erweiterung des Foyers des Kulturvereins riesa efau. Zwei Säulen bilden sein optisches Zentrum. Große, mehrfach unterteilte Fensterfronten mit integrierten Glastüren und auffälligen holzfarbenen Rahmen kontrastieren lebhaft mit den verbleibenden weißen Wandflächen. Diesen Ort zu bespielen, ist eine Herausforderung. Doch diesmal gehen Kunst und Umfeld eine scheinbar naturgegebene Symbiose ein. Kastens Bilder und Zeichnungen behaupten sich nicht nur mit größter Selbstverständlichkeit, sie scheinen ihre Umgebung obendrein mit einem Augenzwinkern zu kommentieren.

Das ist kein Zufall. Mit dem ihr eigenen Sinn für Humor erkannte die Künstlerin, dass eine Auswahl ihrer Arbeiten zum Thema Architektur hier eine Art natürlicher Residenz finden würde. Zeichnungen und Gemälde mit Zitaten von Plänen, Gerüsten, Säulen, Torbögen, Kuben und Gittern, kurz dem, woraus sich Architektur im Wesentlichen zusammensetzt, gehören seit einigen Jahren zu Kastens weitläufigem Repertoire. Diese Bauteile stellt sie so reduziert dar, dass sie die Allgemeingültigkeit und Lesbarkeit eines Piktogramms bekommen. Dabei zeichnet sie jene oft Schriftzeichen ähnlichen Substrate des Bauwesens mit der Impulsivität eines asiatischen Kalligrafen und lädt sie so gleichzeitig emotional auf. In einer Serie von blumig-ornamentalen, das ganze Blatt überziehenden Gittern erhält die zeichnerische Geste eine solche Dynamik, scheint so bewegt in den Raum zu greifen, dass man die physische Anwesenheit der Künstlerin während des Zeichnens noch zu spüren glaubt. Die dem Ornament innewohnende Ordnung, die sozusagen die Choreografie vorgibt, bändigt den Schwung nur insofern, als deutlich wird, mit welcher Präzision Kasten ihre Bewegungen zu steuern in der Lage ist. Während die Zeichnungen durch Sparsamkeit bestechen, sorgen die Bildhintergründe für malerische und atmosphärische Opulenz. Lasierend übereinander aufgetragene Farben erzeugen räumliche Tiefe. Sie lassen an die von den Jahren gezeichnete Behautung mancher Gebäude denken und geben solchen Assoziationen beinahe körperliche Präsenz. Hier und besonders in einigen abstrakten Ölbildern, in denen die Farbe sich in senkrecht und waagerecht übereinander liegenden Streifen durchdringt, erfasst sie Wirklichkeit in ihrer Farbenvielfalt, ihren farbigen Schatten und ihrer geheimnisvollen, optisch auflösbaren Materialität.

Analytische Verknappung und romantische Überhöhung, Universelles und Subjektives vertragen sich selten so gut wie in Kastens Bildern. Zwar arbeitet die Künstlerin, die Stipendien schon nach Rom, in die USA und nach China führten, am liebsten unterwegs, aber auch das Gewohnte regt sie immer wieder an: So gehört auch die Beschäftigung mit Räumen und Gebäuden zu Kastens Alltag, in dem sie unter anderem Farbkonzepte für Architekten erstellt. Die häufige „Schieflage von Plänen“ und deren stete Neukonzeption belustigt sie. Was ist Willkür, was Notwendigkeit? Einem sauber gezeichneten Plan haftet oft etwas Apodiktisches an. Kasten zieht diese scheinbare Unwiderrufbarkeit freundlich ins Relative. Kunst kann entfernt, Ehen können geschieden werden. Architektur ist nicht so leicht aus der Welt zu schaffen. Kasten setzt der Allgegenwart mäßig inspirierter architektonischer Statements mit humorvoller Leichtigkeit einhergehende ästhetische Konsequenz entgegen.

bis 24.3., Galerie Adlergasse im Kultur Forum, Wachsbleichstraße 4a, geöffnet Mo–Fr 10–13 und 16–20 Uhr

http://riesa-efau.de

Von Kirsten Jäschke

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