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Die Landesbibliothek präsentierte das Reisetagebuch Johann Andreas Silbermanns von 1741

Die Landesbibliothek präsentierte das Reisetagebuch Johann Andreas Silbermanns von 1741

Der erste Hinweis auf diese Handschrift, die sich als sensationeller Fund entpuppen sollte, kam von Marc Schaefer, dem Straßburger Organisten und profunden Kenner der Elsässer Familie Silbermann: Im vergangenen Jahr teilte er der Silbermann-Gesellschaft mit, dass beim Londoner Auktionshaus Sotheby's eine bisher unbekannte Handschrift des Orgelbauers Johann Andreas Silbermann (1712-1783) versteigert würde.

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SLUB-Generaldirektor Thomas Bürger mit der Neuerwerbung.

Quelle: D. Flechtner

Die Nachricht pflanzte sich, vermittelt auch von Christoph Wolff, dem ehemaligen Leiter des Leipziger Bach-Archives, rasch fort und weckte bei der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) sowie beim Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst großes Interesse. Das für 100 000 Britische Pfund angebotene Reisetagebuch des Straßburger Orgelbauers aus dem Jahr 1741 versprach eine Fülle zeitgenössischer und bisher ganz unbekannter Informationen, die vor allem für die hiesige Forschung von Interesse sein würden, da Silbermann in seinem Tagebuch vor allem über Sachsen berichtet.

Im Verein mit der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung waren Land und Landesbibliothek schließlich in der Lage, das Buch unter Mitwirkung der Londoner Musikantiquarin Julia Rosenthal zu ersteigern. Gestern nun konnte Thomas Bürger, Generaldirektor der Landesbibliothek, die außerordentlich rare Neuerwerbung der Öffentlichkeit präsentieren und machte aus seiner Begeisterung darüber sichtlich keinen Hehl. Dass es Julia Rosenthal gelungen war, das Buch für die SLUB zum angesetzten und damit niedrigsten Preis zu erwerben, freute natürlich auch die Vertreter der anderen Institutionen. Nicht wenig erstaunte in diesem Zusammenhang ein Vergleich, den Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung, anführte: Zum ähnlichen Preis sei auch ein einzelnes Blatt einer karolingischen Handschrift versteigert worden.

Die undurchsichtigen Wege des Kunsthandels spielten bei der Veranstaltung im Übrigen keine Rolle. Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange (SPD), betonte vielmehr den kunst- und kulturgeschichtlichen Wert der Handschrift für Sachsen. Dank der mit Hochdruck auch an der SLUB betriebenen Digitalisierung historisch bedeutsamer Schriften ist das Silbermannsche Reisetagebuch seit gestern über die Website der Bibliothek verfügbar und steht so der Forschung international zur Verfügung. Welche Bedeutung dem beigemessen wird, zeigt sich in den 2,5 Millionen Euro, die vom Land jährlich für die Digitalisierungsprojekte zur Verfügung gestellt werden.

Einen Blick in das Reisetagebuch gewährte schließlich Barbara Wiermann, die seit kurzem als neue Leiterin der Musikabteilung an der SLUB tätig ist. Schon wenige Fakten lassen ermessen, welche Fundgrube das Reisetagebuch des Neffen von Gottfried Silbermann darstellt: Knapp 300 Seiten mit Text, dazu 50 eingelegte Stiche, Skizzen und eigenhändige Bilder dokumentieren die Reise Johann Andreas Silbermanns vom 21. Februar bis zum 21. Juni 1741, zu der er sehr genau auch die gefahrenen Strecken und die Fahrzeiten notiert. Während seiner drei Wochen Aufenthalt in Dresden und sechs Wochen in Zittau (wo Gottfried Silbermann zu dieser Zeit die Orgel der Johanneskirche baut) begegnet Silbermann zahlreichen Persönlichkeiten und berichtet detailliert über besichtigte Bauten und andere Sehenswürdigkeiten. Beschreibungen musikalischer Ereignisse und Berichte über Gottesdienste gehören ebenso dazu. Alles zusammen zeige Johann Andreas Silbermann, der auch als Autor historischer Schriften bekannt war, als Universalgelehrten.

Ein Blick in das online zu betrachtende und für jedermann als PDF-Datei herunterladbare Buch zeigt bereits Einzelheiten: Beim Hofkapellmeister Hasse ist Silbermann zu Gast und nimmt neben der berühmten Faustina, Hasses Ehefrau, Platz. Man muss fast annehmen, dass hier ein alter Kontakt seines Onkels nachwirkt, der die Sängerin bereits bei ihren ersten Auftritten in Dresden zehn Jahre zuvor gehört haben dürfte. Zusammen mit seinem Kollegen, dem Hoforgelbaumeister Johann Heinrich Gräbner, besichtigt Silbermann das Schloss, wo ein doppeltes Cembalo von Gräbners Vater bewundert wird. Ausführlich beschreibt Silbermann seinen Besuch des Grünen Gewölbes. Weiter geht die Reise von Dresden schließlich nach Berlin.

Im hinteren Teil dieses so außergewöhnlichen und nach 274 Jahren ungewöhnlich gut erhaltenen Reisetagebuches findet sich der größte Teil der erwähnten Kupferstiche und sogar noch eine angebundene, gedruckte Beschreibung des Heiligen Grabes in Görlitz. Silbermanns Schriftbild ist von großer Klarheit und bestens zu lesen - die besonderen historischen Details in seinem Text gilt es nun zu finden und zu bewerten.

http://slubdd.de/silbermann

https://twitter.com/JASilbermann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.02.2015

Hartmut Schütz

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