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Die Kunst der Dogon in der Bonner Bundeskunsthalle

Die Kunst der Dogon in der Bonner Bundeskunsthalle

Ein Häuptling sitzt majestätisch auf seinem Häuptlingsstuhl wie auf dem Nabel der Welt. Die Stuhlbeine sind mit den Ahnenfiguren geschmückt, so dass zugleich die Geschichte mit einbezogen wird, die das ewige Stammesleben beschwört.

Dafür muss man in Aktion treten. So ist das religiöse Oberhaupt des Tintam-Stammes dabei, seine vielen Armreifen abzustreifen, damit die kommende Zeremonie nicht durch unpassendes Geklapper gestört wird. Dann wird er mit einer Eisenglocke die Ahnen beschwören. Die Figur aber ist von zeitloser Schönheit. "Gewisse Stile Afrikas scheinen etwas errungen zu haben, was den Menschen mit einem dunkel-allmächtigen Universum in Einklang setzt", schrieb der große französische Kunstpublizist André Malraux in den 50er Jahren über die afrikanische Kunst.

In diesen Grenzbereich zwischen Magie und Kunst führen zur Zeit rund 270 Exponate in der Bonner Bundeskunsthalle. Sie kommen aus dem Dogon-Land, das im Südosten der Republik Mali, unweit der Grenze zu Burkina Faso liegt. Die Ausstellung trägt den Titel " UNESCO-Weltkulturerbe aus Afrika", und hier beginnt die Problematik. Die stolzen Figuren, Fetische, Masken, Amulette und sogar Felsmalereien sind nicht aus Mali ausgeliehen, sondern sie stammen aus den Museen der europäischen (insbesondere aus Paris) und amerikanischen Welt.

Und man ahnt, der Ausverkauf des seit 1989 geschützten Dogon-Welkulturerbes war nicht aufzuhalten, und wer heute über den berühmten Flohmarkt in Lille geht, wird immer noch fündig. "Ich selbst habe neben unserem Altbestand vieles käuflich erworben", sagt Madame Hélène Leloup, Kuratorin dieser Ausstellung. Seitdem das Volk der Dogon zum Islam (und in kleineren Teilen auch zum Christentum) übergetreten ist, sind die alten Totemstücke passé. Das geschah hauptsächlich im 18. Jahrhundert. Man trennte sich leichten Herzens von den alten Götzen. Wo die animistischen Totems noch heimlich aufbewahrt worden waren, kamen später Armutsverkäufe hinzu, und erst heute lernen die Afrikaner, die alten Kultgegenstände in ihrem künstlerischen Wert zu schätzen (und fertigen ihre Imitate für den Airport-Tourismus).

Um darüber zu diskutieren, wurden vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) drei Info-Kuben eingerichtet, die über Videos und Facebook unmittelbare Kontakte zu den Menschen in Mali schaffen. Zudem weist die Welthungerhilfe auf ihre Projekte in einem der zehn ärmsten Länder der Erde hin.

Gerade dieser ganzheitliche Ansatz ist zu begrüßen, der sich in der sinnlichen Präsentation der Ausstellung fortsetzt. Nachgestaltete große Lehmwände, in die die alten geschnitzten Speichertüren eingelassen sind, und riesige Blow-ups mit Genreszenen aus dem archaisch bäuerlichen Leben versetzen den Besucher ebenso in eine andere Welt wie gefilmte Maskentänze oder eine akustische Empfangscollage mit Vogelgezwitscher und rituellem Sing-Sang.

So gewinnen die stummen Figuren mit ihren geschnitzten Tätowierungen Leben und werden wieder zur kultischen Erscheinung. Doch man kann sich auch - wie die Expressionisten - von der Kunst allein begeistern lassen.

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Museumsmeile Bonn, Friedrich-Ebert-Allee 4

bis 22. Januar 2012, Dienstag und Mittwoch von 10 bis 21 Uhr geöffnet, Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr.

25. und 26. Dezember 10 bis 19 Uhr, 24. und 31. Dezember geschlossen

Katalog 39 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.12.2011

Heidrun Wirth

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