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Die Klufti-Methode: Volker Klüpfel und Michael Kobr zu Gast in der Comödie Dresden

Die Klufti-Methode: Volker Klüpfel und Michael Kobr zu Gast in der Comödie Dresden

Wie heimelig-heimatlich darf es in einem Regionalkrimi zugehen? Wie viel Humor vertragen Geschichten von Mord und Totschlag? Zwei Fragen, die die Szene spalten und auf die nur einer eine Antwort geben kann: Der Leser.

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Sie erdachten Kommissar Kluftinger: Volker Klüpfel und Michael Kobr.

Quelle: Helmut Henkensiefken

In der Regel wohnt der in der Nähe des Tatorts, erfreut sich an Stätten, die er wiedererkennt, an lustigen lokalen Anspielungen und ein wenig Heimatkunde. Ein funktionierendes Geschäftsmodell, aber die meisten Autorinnen und Autoren bleiben so in der Regionalliga stecken.

Nur wenige schaffen den Aufstieg in die Bundesliga. Die Bestsellerlisten stürmende Nele Neuhaus mit ihren Taunuskrimis etwa. Oder und vor allem Volker Klüpfel und Michael Kobr mit ihrem Kult-Kommissar Kluftinger. 2003 erfanden der Zeitungsjournalist Klüpfel und der Realschullehrer Kobr für eine Reihe von Allgäu-Krimis diesen bärbeißigen, tollpatschigen, Essen und Trinken liebenden Kommissar, der seine Fälle durch unkonventionelle Recherchen und verblüffende Gedankenblitze löst. Ihr erster Roman "Milchgeld" war ein Überraschungserfolg, inzwischen wurden rund vier Millionen Klufti-Bücher verkauft, zwei Fälle verfilmt, gehen die Autoren mit einer Krimi-Comedy auf Lese-Tour.

Kluftinger - nicht nur sein Name klingt provinziell, er denkt auch so. Und einen Vornamen braucht er schon gar nicht. Urlaub? Um Himmelswillen keine Ortsveränderung. Höchstens mal eine Dienstreise nach Wien wie im Roman "Schutzpatron". Ermittelt wird im Allgäu zwischen Altusried, Kempten, Füssen und Lindau. Kein Tourismusverein hätte sich eine bessere Werbung als diesen kauzigen Kommissar ausdenken können. Ähnlich wie Henning Mankells Ermittler Kurt Wallander im südschwedischen Ystad ist Kluftinger der passende Kommissar für die mörderischen Geheimnisse der bayerischen Bergidylle.

Sein neuester Fall: "Herzblut". Es fängt relativ behäbig an. Kluftinger wird am Handy Zeuge eines Mordes. Doch niemand glaubt ihm. Er findet den Tatort und dort eine Menge Blut. Der dazugehörigen Leiche fehlt das Herz, auch weiteren Opfern haben der oder die Täter dieses Organ herausgeschnitten. Eine kriminalistische Herausforderung. Die zu lösen wird nicht dadurch leichter, dass Klufti selbst unter angeblichen Herzproblemen leidet und gedanklich schon an seinem Testament arbeitet. Damit wird er auch ein Fall für Doktor Langhammer, seinen geliebt-gehassten Nachbarn. Der Besserwisser-Arzt, immer auf Status bedacht, ist ihm auch schon in allen Vorgänger-Romanen gehörig auf die Nerven gegangen. Diesmal setzen Klüpfel und Kobr das ungleiche Paar in eine Geisterbahn und können es sich nicht verkneifen, über Langhammers Allgemeinplätze ("weniger Kohlenhydrate beim Essen!") den gesundheitlich angeschlagenen Kluftinger noch weiter leiden zu lassen.

Dabei gehört es wie immer zum Stilmittel der Autoren, den komplexen Kriminalfall mit humoristisch-literarischen Kabinettstückchen zu garnieren. Etwa wenn sie die Stimmung in einem Wartezimmer schildern oder die Atmosphäre eines Yoga-Kurses. Gelegentlich kippt dieses Stilmittel in Klamauk um, so bei Kluftis Skype-Telefonat mit den japanischen Eltern seiner angehenden Schwiegertocher Yumiko.

Andererseits haben Klüpfel/Kobr penibel recherchiert. Und so spielt sogar ein fast schon vergessenes Waffen-Öl aus DDR-Produktion eine wichtige Rolle im Roman. Die Mischung aus präzisem Hintergrund - wie etwa der Beschreibung der sozial schwierigen Lage der Schausteller - und komödiantischen Übertreibungen stimmt jedenfalls. So wird "Herzblut" selbst für solche Krimifreunde zur spannenden Lektüre, die einen der üblichen Kluftinger-Flüche,"Lecktsmichdochallemalkreuzweiskreuzkruzifixnochamalihralefizhuramentverrecktesaubande" Buchstabe für Buchstabe lesen müssen, um ihn zu verstehen.

Hartwig Hochstein/André Böhmer

iVolker Klüpfel/ Michael Kobr: Herzblut. Kluftingers neuer Fall Droemer; 397 Seiten, 19,99 Euro

Die Autoren sind am 18. Juli, 20 Uhr, mit ihrem neuen Bühnenprogramm "Kluftinger - Die Show" in der Comödie in Dresden zu Gast.

Verlosung

Wer die beiden Bestsellerautoren schon einmal live gesehen hat, weiß: Mit einer gewöhnlichen Lesung haben ihre Shows wenig gemein. Die Allgäuer liefern eine Funken sprühende Mischung aus Krimi und Comedy. Für ihr Gastspiel am Donnerstag in der Dresdner Comödie verlosen die DNN 3 mal 2 Freikarten. Interessenten rufen am Dienstag, 11 bis 11.10 Uhr, unter Tel. 01805 21 81 00 an (0,14 Euro/Min. aus dem Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 Euro/Min). Die ersten Anrufer gewinnen.

iDer Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mitarbeiter und deren Angehörige dürfen nicht daran teilnehmen

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.07.2013

Hartwig Hochstein/André Böhmer

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