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Die Jurys haben die Preise beim 28. Dresdner Filmfest treffsicher verteilt

Festival Die Jurys haben die Preise beim 28. Dresdner Filmfest treffsicher verteilt

Der 28. Jahrgang des Dresdner Filmfestivals ist Geschichte. Und obwohl vor allem der Internationale Wettbewerb doch zu wünschen übrig ließ, war an den finalen Entscheidungen der Jurys kaum etwas auszusetzen.

Ein klarer Blick auf eigentlich Unvorstellbares: Jörn Threlfalls „Over“, zweifacher Preisgewinner.

Quelle: Filmfest

Dresden.  Quantitativ bot das 28. Dresdner Kurzfilmfest mit 305 Filmen aus 58 Ländern, verteilt auf 48 Programme, wieder reichlich Auswahl für die interessierten Augen der Festival-Besucher. Diese wurde entsprechend mit vielen ausverkauften Vorstellungen frequentiert, und selbst im öfters eingeregneten Neumarkt-Open-Air fanden sich genug Filmbegeisterte ein. Dabei stand natürlich das aus 61 Filmen zusammengesetzte Wettbewerbsprogramm im Vordergrund. Hier wusste der Nationale Wettbewerb mit einem abwechslungsreichen Programm zu überzeugen, dessen Beiträge zwar nicht immer gänzlich rund waren, aber mit Ideenreichtum, gut beobachteter Menschlichkeit oder auch kritischem Kommentar zu überzeugen wussten. Der Internationale Wettbewerb fiel im Vergleich dazu – und auch zu den Vorjahren – leider stark ab: Verkopftes Experimentalkino und emotional schwer erschließbare Realfilme dominierten, die wenigen echten Perlen musste man hier mit viel Geduld suchen. Zum Glück erhielten dank guter Jury-Arbeit viele von ihnen bei der am Sonnabend im Kleinen Haus stattgefundenen Preisverleihung die verdiente Würdigung.

Den Goldenen Reiter des Internationalen Wettbewerbs im Bereich Fiktion sowie auch den Arte-Kurzfilmpreis gewann der britische Beitrag „Over“. Regisseur Jörn Threlfall, der seinen Film als Statement zur Tragik der aktuellen Flüchtlingskrise angelegt hat, gelingt, woran viele andere nicht-narrative Stoffe im gleichen Wettbewerb scheiterten:
mit einer nur im Kurzfilm möglichen experimentellen Erzählstruktur eine dennoch ausdrucksstarke Geschichte zu erzählen. Insofern definitiv kein unverdienter Sieger. In der Kategorie Animation gewann der japanische Beitrag „Remember“ von Shunsaku Hayashi, der in einer kreativen Mischung verschiedener Animationstechniken moderne Isolation und die Subjektivität von Erinnerungen kommentiert.

Großes Lob ist dem cineastischen Feingefühl der internationalen Jugend-Jury zuzusprechen, die mit dem polnischen Jugenddrama „Amerika“ von Aleksandra Terpinska einen Film mit dem Goldenen Reiter würdigte, der regietechnisch, schauspielerisch und im Bereich Dialog das klare Highlight des Wettbewerbs war. Das Publikum letztendliche prämierte mit seiner Gunst den französischen Animationsfilm „Daphne or the Lovely Specimen“, der die selbsterzählte, menschlich nuancierte Lebensgeschichte einer Striptease-Tänzerin kreativ, wenngleich etwas distanzierend kunsthaft mit der Entwicklung eines Baumes zu einer Skulptur des weiblichen Körpers visualisiert.

Den Nationalen Wettbewerb gewann „On Air“ von Robert Nacken und Christos Dassios. Der bereits mit der Goldenen Lola prämierte Film ist aufgrund seiner Verquickung von politischem Engagement, trockenem Humor und visueller Stilsicherheit trotz einiger kleinerer Imperfektionen ein absolut verdienter Gewinner – und die Macher freuten sich sympathisch, indem sie das Filmfest Dresden als das „coolste Festivals Deutschlands“ lobten und sich selbst als nicht-Filmschul-gelernte Independent-Filmer definierten, die „einfach machen, was wir machen wollen“.

Als bester Animationsfilm wurde der deutsch-portugiesische Beitrag „Amelia & Duarte“ geehrt, der temporeich, originell und ehrlich vom Ende einer Beziehung und den damit einhergehenden Gefühlen und Reflektionen erzählt. Die Jugend-Jury erwählte „Mit den Füßen zuerst“ von Jonas Ludwig Walter zu ihrem Favoriten. Das Drama erzählt auf sehr menschliche Weise vom Umgang dreier unterschiedlicher Männer mit dem Verlust ihnen nahestehender Frauen. Das Publikum schließlich entschied sich für den Humor und verhalf der sächsischen Lokal-Burleske „Simply the Worst“ zum Preisgewinn.

Den DEFA-Förderpreis für Animationsfilm erhielt „Frankfurter Str. 99a“, die Geschichte eines Müllmanns und seiner Freundschaft mit einer Katze – sympathisch und interessant visualisiert, wenngleich erzählerisch etwas arg simpel gehalten. Für den besten Filmton wurde die politisch engagierte argentinisch-deutsche Koproduktion „#YA“ ausgezeichnet. Und über den mit 20.000 Euro Preisgeld am höchsten dotierten Förderpreis der Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) freute sich Falk Schuster für „Die Weite suchen“, einen im Rotoskopie-Verfahren realisierten Erinnerungstrip zu einem als Kind erlebten Ostsee-Urlaub, der den DDR-Alltag unverklärt authentisch und visuell spannend wieder auferleben lässt.

So ging die 28. Festival-Auflage trotz einiger holpriger Programmentscheidungen mit vielen verdienten Gewinnern zu Ende, und auch dem Publikum wurden wieder zahlreiche interessante Einblicke in aktuelles wie auch historisches Filmschaffen gewährt. So wünscht man den Filmfestmacherinnen und -machern (der Geschlechtervortritt ist hier nicht nur der Höflichkeit, sondern vor allem der anhaltend klaren weiblichen Dominanz hinter den Kulissen geschuldet) auch fürs nächste Jahr wieder viel finanzielle Unterstützung und ein andauerndes Besuchersinteresse.

Wenn dann beim nächsten Mal im Internationalen Wettbewerb etwas mehr mit dem Herzen als dem Kopf selektiert wird, kommt sicher auch wieder eine gänzlich runde Sache dabei heraus.

Von Rafael Kühn

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