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Die Junge Szene der Semperoper Dresden kümmert sich um das Opernpublikum von morgen

Die Junge Szene der Semperoper Dresden kümmert sich um das Opernpublikum von morgen

Stellen sich Jugendliche den typischen Opernbesucher vor, haben sie meist ältere Leute im feinen Zwirn vor Augen, die mit einem merkwürdigen kleinen Fernglas ausgestattet die Szenerie verfolgen, um auf keinen Fall etwas zu verpassen.

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Touristen kommen aus aller Welt nach Dresden, um die Semperoper zu besuchen. Viele junge Dresdner haben mit der Oper eher wenig am Hut.

Quelle: Matthias Creutziger

Doch wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass auch viele Studenten und junge Menschen im Saal der Oper Platz nehmen. Denn so verstaubt wie ihr Ruf ist diese Kunstform nicht. Trotzdem gibt es oft eine gewisse Scheu vor dem Musiktheater - vor allem bei Schülern. Zur Spielzeit 2010/2011 gründete die Semperoper die Sparte Junge Szene, in der Angebote für Kinder und Jugendliche versammelt sind. Die im Sommer 2012 verstorbene Intendantin Ulrike Hessler wollte die Oper jünger, lebendiger und emotionaler gestalten. Ein Team aus Pädagogen und einer Bundesfreiwilligen leitet Workshops, Schulprojekte sowie einen Jugendclub. Einer davon ist Jan-Bart de Clercq.

Der gebürtige Belgier weiß, dass Schüler heute kaum noch etwas über die Helden der Antike wissen oder die Emotionen kenne, die ein Stück von Händel auszulösen vermag. Denn die Oper spielt in den Lehrplänen eine immer geringere Rolle. Daher müsse man das junge Publikum noch gezielter und stärker an Musiktheater heranführen. "Je mehr man von der Oper weiß, umso spannender sind auch die jeweilige Inszenierung und die musikalische Ausgestaltung des Abends", sagt der studierte Musikwissenschaftler. "Man muss den Jugendlichen die Möglichkeit geben, sich mit der Handlung und der Musik mehr auseinanderzusetzen."

Dabei setzt das Team auf zwei Säulen. Zum einen werden Opern speziell für junges Publikum auf der Studiobühne angeboten, um die Hemmschwelle zur Oper etwas herabzusetzen. Jüngst gab es dort die Oper "Mario und der Zauberer" zu sehen. Zum anderen wird mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam Musik- und Tanztheater erlebt. "Hier steht die Vermittlung von allen Opern und Ballettstücken auf dem Spielplan im Vordergrund. Das heißt, wir halten keine Vorträge oder machen Musikunterricht. Durch das gemeinsame Musizieren, Schauspielern und Bewegen erfahren junge Menschen die Geschichten und ihre Konflikte am eigenen Leib", erzählt Jan-Bart de Clercq.

Dabei ist wichtig, das Konzept zu jedem Workshop speziell der jeweiligen Gruppe anzupassen: "Es ist eine Gratwanderung zwischen Spaß und Vermittlung. Ein Workshop läuft dann gut, wenn die Schüler Spaß daran haben, ein Musiktheaterwerk für sich zu entdecken, und mit uns in einen Diskurs treten, eigene Meinungen, Fragestellungen formulieren." Im Angebot sind neben regelmäßigen Ferienprojekten auch spezielle Premierenklassen, in welchen die Schüler in einem dreimonatigen Projekt einen intensiven Blick hinter die Kulissen bekommen und alle wichtigen Punkte bis zu einer gelungenen Inszenierung kennenlernen und sogar selbst Ideen zur Umsetzung entwickeln können. Mit manchen Dresdner Schulen, zum Beispiel der Geschwister-Scholl-Grundschule oder dem Bertolt-Brecht-Gymnasium, besteht mittlerweile eine jahrelange Partnerschaft.

Des Weiteren kooperiert die Theaterpädagogik der Jungen Szene einmal jährlich mit dem Sächsischen Cochlear Centrum Dresden der Uniklinik. Dieses Jahr werde es mit den Patienten ein Tanzprojekt in Kooperation mit der tanzpädagogischen Abteilung der Palucca-Schule geben, kündigt de Clercq an. Für alle schauspiel- und musikinteressierten Kinder und Jugendlichen ab zehn Jahren gibt es jeden Mittwochnachmittag den Spielclub - eine Art Schauspielklasse, mit der gemeinsam ein Stück inszeniert wird. All die Jugendlichen, die die Semperoper selbst mal erobern möchten, lädt das Team der Jungen Szene herzlich zum "erOPERern" ein. Dieses Angebot für junge Menschen ab 14 Jahren bietet Einblicke in Bereiche, die man sonst nie zu sehen bekommt. Einmal im Monat treffen sich die "erOPERer"er und besuchen außerdem Vorstellungen.

Ob die Kinder und Jugendlichen nach den Workshops tatsächlich eine andere Haltung gegenüber der Kunstform Musiktheater haben, kann Jan-Bart de Clercq nicht so pauschal sagen: "Es gibt jene, die total begeistert sind. Andere langweilen sich oder blockieren während der Workshops. Aber auch das kann wieder Tausende Gründe haben." Man kann Schüler nicht zwingen sich für Opern zu interessieren, aber man kann sie an das Thema heranführen. Genau so sehen das auch die Theaterpädagogen der Semperoper: "Wir möchten niemanden belehren oder missionieren - wir versuchen neugierig zu machen."

Neugierig geworden? Anmeldungen für Schulklassenprojekte, den Spielclub oder auch die "erOPERer" sind per E-Mail an die Adresse theaterpaedagogik@semperoper.de oder telefonisch unter 0351/ 4911648 möglich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.01.2013

Florian Kneffel

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