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Die Intendanz der Semperoper Dresden - Führt Serge Dorny die Oper zurück an die Spitze?

Die Intendanz der Semperoper Dresden - Führt Serge Dorny die Oper zurück an die Spitze?

"Wolle mer se reinlasse?" - diese berühmte Frage der Büttenredner im Mainzer Karneval kommt einem in den Sinn, wenn man an die Intendantenkür hinter den verschlossenen Türen des sächsischen Kulturministeriums denkt.

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Noch in Lyon: Serge Dorny.

Quelle: Oper Lyon

Entschieden haben sie es ja. Aber sie können bei Namen tatsächlich dicht halten. Immer noch. Kann sein, dass es nur noch ums Geld geht - da ist es bei den Chefposten der Hochkulturleuchttürme nicht anders als in der Wirtschaft. Nicht anders als dort wird nach internationalen Maßstäben verglichen. Und entsprechend verhandelt.

Wenn man sich aber bei den Kandidaten und den vorhandenen freien Stellen auf dem Arbeitsmarkt für Intendanten ein wenig umschaut, dann ist das recht übersichtlich. Und die Zahl derer, die man sich für Dresden wünschen kann, noch übersichtlicher. Serge Dorny (61) gehört da zweifellos an die Spitze. Doch der sympathisch weltläufige Belgier (der zwar noch kein Sächsisch, aber natürlich fabelhaft Deutsch spricht) kann genauso gut dicht halten wie die sächsische Kulturbürokratie. Selbst dann, wenn man ihn persönlich schon länger gut kennt.

Natürlich trifft man Dorny im französischen Kultur-Sommer in Aix-en-Provence. Dass er bei der dortigen Uraufführung in der romantischen Domäne Grand Saint-Jean ausgerechnet neben Stéphane Lissner sitzt, ist ein aparter Zufall. Von 1998 an hat Lissner dem wichtigsten französischen Opernfestival und damit sich selbst fast zehn Jahre lang so viel Rückenwind verschafft, dass es ihn zuerst direkt an die Spitze der Mailänder Scala und jetzt von da aus auf die Kommandobrücke des europäischen Operntankers schlechthin - der Opéra national de Paris - geführt hat. Für diesen Posten war auch Serge Dorny ein aussichtsreicher Kandidat.

Doch Dresden kann froh sein, dass man sich in Paris für Lissner entschieden hat. Und auch darüber, dass die Salzburger Festspiele mit der Suche nach einem Nachfolger für Alexander Pereira, der noch vor seinem Vertragsende an der Salzach auf seinen wohl letzten Posten nach Mailand wechselt, nicht aus der Hüfte kommen.

Beim mitternächtlichen Plausch in der Provence jedenfalls kombiniert Dorny die unvermeidliche (und auch schon bei einem längeren Interview im Frühjahr in Lyon) im Raum stehende und wiederholte Frage nach Dresden mit einem so vielsagenden Lächeln, dass damit die Antworten "Es sind nur Gerüchte" oder "Es ist noch nicht entschieden" wie ihr genaues Gegenteil wirken. Und so, wie Dorny sich dann nach der Meinung des deutschen Frankreich-Besuchers zu der sensationellen Elektra von Evelyn Herlitzius erkundigt und überhaupt detailliert über Dresden spricht und nachfragt, würde das wohl kaum jemand machen, der nicht schon mal im Geiste seine Regimenter am (ost-)deutschen Operntraditionsjuwel inspiziert.

In den Gesprächen mit Dorny fasziniert, neben der Weltläufigkeit und selbstverständlichen Sachkenntnis, vor allem seine Fähigkeit, Oper als ein besonderes Projekt aufzufassen, das auf sein Umfeld, die Traditionen, vor allem aber die Herausforderungen der Zukunft reagieren muss, damit es agieren kann. In seinem Intendanten-Jahrzehnt in Lyon hat der in Europa exzellent vernetzte Opernmanager jedenfalls überzeugend demonstriert, wie man das macht.

Dass er es in Dresden obendrein mit einem so starken und künstlerisch ausstrahlenden Orchesterchef wie Christian Thielemann zu tun bekommt, wird vielleicht auch zu produktiven Reibungen führen. Wenn beide klug sind (erwachsen sind ja schon länger), dann kann daraus ein Projekt werden, das die Oper in Dresden dahin zurück führt, wo sie hingehört, nämlich an die Spitze in Deutschland.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.07.2013

Joachim Lange

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