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Die Herkuleskeule steuert mit einem "Heileit" durch den Sommer 2012

Die Herkuleskeule steuert mit einem "Heileit" durch den Sommer 2012

Läutet die Politik sachte das Ende des EU-Zeitalters ein? Überholen die Defizite vergangener Epochen nun die Gegenwart? Oder zeigt sich gar der Kommunismus als rosafarbenes Licht am Morgenhimmel? Keiner weiß Genaues, und niemand hat einen Plan gegen irgendwas.

Am allerwenigsten die Politiker selbst, die neuerdings ja im unentwegten Pläneschmieden sogar die Finanzwirtschaft längst ein- und überholt haben. Fragen über Fragen also, deren permanente Nichtbeantwortung aus der Branche der Staatslenker zugleich ein immenser Glücksfall für das politisch-satirische Kabarett ist. Der politische Sommer 2012 nun scheint wahrhaft heiß zu werden. Das zahlungsunfähige Griechenland, die Wackelkandidaten Spanien und Italien - das Wunderkind EU ist längst selbst zum Sorgenkind mutiert. Möglicherweise versammelt sich in Kürze gar die gesamte Staatengemeinschaft unter einem gigantischen Rettungsschirm. Nur weiß dann niemand mehr, wer wen vor was retten soll oder kann?

Allein schon wegen dieser ungelösten Fragen ist so ein kabarettistisches "Sommerspäschel" - wie es das Ensemble der Dresdner Herkuleskeule präsentiert - nicht nur Legitimation für wache politische Satire; es liefert zugleich auch ein Stück Aufklärung über mitunter unbegreifliche Aussagen so mancher politischen Würdenträger. Brigitte Heinrich, Detlef Nier und Michael Rümmler (nebst Thomas Wand am Piano) lassen daher von Anfang an auch keinerlei Zweifel an der Stoßrichtung des Abends aufkommen. Und so fordern sie natürlich vom Normalbürger, doch gefälligst mehr Vertrauen in die gewählten Volksvertreter zu investieren. Von daher erklärt sich auch die süffisante Liedzeile "Versucht nicht klug zu scheißen - wo die Klugen Pofalla heißen!" aus sich selbst heraus.

Tatsächlich aber liegen doch die Themen dieser seltsamen Gegenwart allesamt auf der Straße und den Gehsteigen herum, man muss sie halt nur richtig drehen und wenden, um sie auch begreifen zu können. Denn nichts kommt doch heutzutage verschlüsselter daher als die Botschaft einer Krisenkanzlerin bzw. die ihres ganzen Rentnerkabinetts.

Diese Tatsache wiederum ruft Krematowsky (Detlef Nier) vom Bestattungsinstitut ISKRA auf den Plan. Der kann (weil Russe und besoffen) allerdings nur noch lallen. Dieses Lallen aber folgt der grundehrlichen Erkenntnis, dass Besoffene immer die Wahrheit sagen. Denn was er lallt, hat durchaus Hand und Fuß. Nur ein Besoffener spricht aus, was alle denken. Z.B. die Erkenntnis "Macht'n Arzt 'n Fehler - kommt Erde drüber!" Allerdings macht auch eine Meldung wie die nachfolgende nachdenklich und betroffen: "Immer mehr Alte verschwinden im Internet", heißt es da. Sie sind spurlos weg, ohne ein Lebenszeichen zu hinterlassen. Das kann nicht allein an Ärztefehlern liegen. Und es sind auch beileibe nicht alles linke Genossen, die da verloren gehen.

Andererseits bietet das Internet auch gewisse Vorteile, man kann so nämlich wunderbar anonym meckern und beleidigen, ohne Sanktionen befürchten zu müssen. Und - erkennt eine Userin - "im Internet wird auch niemand ungewollt schwanger!" Selbst die Beichte eines Jean Claude, dass er eine "genmanipulierte Tomate" sei, geht in den unendlichen Weiten der virtuellen Welt einfach mal so unter.

Längst Geschichte ist zwar auch der Herr Wulff. Ihm aber gebührt noch ein Stückchen Erinnerungskultur. Und daher zeichnet Detlef Nier den Weg dieser Präsidentschaft noch einmal gewissenhaft nach. Mit dem Resümee: "Nun sind wir von der Köhlerhütte über die Wulffschanze in die Gaucklerbude geraten!"

Und dann ist da auch noch der Terror, denn terrorverdächtig sind mittlerweile sowieso alle. Nicht nur die Terroristen selbst, sondern auch die Wirtschaftsbosse, die Parteivorsitzenden und selbstverständlich auch jeder einzelne Kabarettbesucher. In Kürze soll der personifizierte Terror auch Dresden erreichen; am 29. Juni 2012 tritt im Kulturpalast Florian Silbereisen auf.

"Heileit - ein Sommerspäschel" wieder am 7. Juli und insgesamt 14 Mal im August

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.06.2012

W. Zimmermann

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