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Die Herausforderung Strawinsky

Die Herausforderung Strawinsky

Da hatten sich der Dresdner Bachchor und LKMD Markus Leidenberger ein sehr ehrgeiziges Projekt vorgenommen - denn Strawinsky zu singen ist nun wirklich nicht das tägliche Brot eines Kirchenchores.

Dresden. Mutig, gut vorbereitet und voll auf der Höhe der heiklen Aufgabe zeigte sich der Chor bei der Aufführung von Igor Strawinskys im Dezember 1930 uraufgeführter, dreiteiliger "Psalmensinfonie". Irgendwie ist das Werk in seiner herben Kantigkeit, in seiner diatonischen Tonalität, mit den großen kontrapunktischen Entwicklungen genial. Strawinsky hat drei Passagen aus den Psalmen 39, 40 und 150 zugrunde gelegt - Anbetung, Zuversicht, Lobpreis. Dazu kommt eine besonders eigenwillige Orchestrierung unter Verzicht auf die hohen Streicher, dafür aber mit der tieferen Gattung, zwei Tasteninstrumenten, Harfe und dem ganzen Arsenal von Bläsern. Die sehr delikate und präzise Art, mit der die Sinfonietta diesen Part bewältigte, sei besonders hervorgehoben.

An der Leistung des Dresdner Bachchores gab es hier nichts auszusetzen - ausdrucksstark, flexibel, Expressivität einbringend. Das Ensemble konnte sich unter Leidenbergers inspirierender Leitung auf jede der vielschichtigen, musikalischen Formen einstellen. Man denke nur einmal an die klangliche wie dynamische Präzision des ruhig vorwärts schreitenden, dunklen Finalsatzes. Eine sehr gute Gesamtleistung.

Ganz auf diesem Niveau ging es dann mit Haydns Missa in B, der Harmoniemesse, nicht weiter. Als 70-Jährigem gelang Joseph Haydn mit dieser Messe, um die er sich "sehr mühsam fleißig" zu schaffen machte, noch einmal ein Geniestreich. In vollendeter Schönheit gingen darin Haydns tief verwurzelte Spiritualität und die Reife seiner späten Sinfonik eine geradezu ideale Verbindung ein. Der Dresdner Bachchor unter LKMD Markus Leidenberger war auch hier mit allem Engagement und unbedingtem Ausdruckswillen bei der Sache. Dass man gestalterisch mit Haydns gerade in dieser Messe immer wieder aufblühenden Fröhlichkeit auf einer Linie lag, war der ganzen Interpretation anzumerken.

Das Solistenquartett - Daniela Haase, Ewa Zeuner, Frank Blümel, Felix Rumpf - agierte ohne Fehl und Tadel. Probleme gab es hier beim Dresdner Bachchor hingegen mit der Artikulation und stimmlichem Differenzierungsvermögen. Die großen Schlussfugen des "Gloria" und des "Credo" nachzuvollziehen, erwies sich als nicht ganz einfach. Auch lief zwischen Chor und Orchester so manches auseinander.

von Mareile Hanns

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