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Die Goldenen Zitronen auf dem Weg in die Post-Kritik - Am Donnerstag Konzert in der Groove Station

Die Goldenen Zitronen auf dem Weg in die Post-Kritik - Am Donnerstag Konzert in der Groove Station

Modern, einfallsreich und unbequem - die Goldenen Zitronen sind vielleicht die Band mit avantgardistischem Anstrich, Punkallüren und Politikbewusstsein, die sich am längsten in der Manege des Kulturzirkus hält und behauptet.

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Die Goldenen Zitronen widersetzen sich seit 20 Jahren erfolgreich dem Zeitgeist.

Quelle: PR

Selbst in schnelllebigen Zeiten, wo die One-Hit-Wonder mit der Halbwertszeit eines Glühwürmchens um Aufmerksamkeit buhlen, schaffen es die Hamburger, sich am Leben zu halten.

Allein diese Tatsache wäre schon Anlass genug, um sich eines ihrer Konzerte anzuhören, doch es gibt noch mehr gute Gründe. Wer dieser Tage eine Antwort auf die Frage "Who's Bad?" einfangen will, muss keinesfalls die 90er Jahre Popkultur mit einem geübten Griff in den Schritt neu performen. Es genügen 15 Titel für die Antwort. Track für Track lassen sich "Scheinwerfer und Lautsprecher" installieren, "Der Investor" wird gebührend begrüßt und am Ende sorgt der "Nachhall" für "Rittergefühle" - so einfach ist das, oder doch nicht?

Die Goldenen Zitronen sind weder eine Band für eine Nacht, noch machen sie es dem Hörer zu einfach, wenn er sich anschickt, ihre Facetten umfassend zu beleuchten. Die Hanseaten sind manchmal wunderbar sperrig. Als die Kulturseiten mit Neuigkeiten über die Sterne, Blumfeld oder Tocotronic zugeschrieben wurden, da kamen Schorsch Kamerun und seine Kumpels auf die Idee, säckeweise Salz in die Suppe zu kippen, bis in der ganzen Hansestadt kaum einer noch die Hymnen der Trendsetter laut singen wollte.

Mittlerweile dürfte sich der Streit gelegt haben und die Zitronen sind einige Schritte weitergegangen, haben allerdings die "Vollzeitarbeit" als primäres Ziel noch längst nicht organisiert. Stattdessen sind sie mit dem "Schafott zum Fahrstuhl" einen ganzen Teil ihres Weges vorangekommen und haben überaus sicher die eigenen Musikdefinitionen neu in Frage gestellt, wieder hart erarbeitet und auf Tonträger gepresst. Heute dürfen sie fragen "Who's Bad?" und dabei in die Hände klatschen, denn kaum einer Band ist es gelungen, über 20 Jahre hinweg unbeirrt gegen falsche Wertedoktrin anzusingen.

Dafür gebührt den Goldenen Zitronen der größte Respekt, denn was wäre, wenn nicht immer wieder im Staccato ihre warnenden Worte durch tausende Lautsprecher gepresst worden wären - wahrhaft: "Das bisschen Totschlag bringt uns nicht gleich um", aber er bliebe ungesühnt, wenn Ausländerfeindlichkeit und menschenverachtende Politik nicht immer wieder kurz und klein gesungen werden würde. Das geschieht bei den Goldenen Zitronen nicht platt und nur im Wahn der Effekthascherei.

Bis zum aktuellen Tonträger sind sie ihrem Punkanspruch treu geblieben, entdeckten mal den Sprechgesang für sich, sind über die Steckverbindungen der elektronischen Bauteile gestolpert und stellten sich heute wieder dort auf, wo sie einst mit dem Punk angefangen haben. Wer es bei dieser Herausforderung noch fertig bringt und sich die Inhalte zurechtlegt, muss zu dem Schluss kommen, dass kaum eine Band ihre Botschaft so virtuos verpackt. Die Goldenen Zitronen reden sich auch 2013 nicht damit raus, es gäbe nichts mehr zu sagen, sie haben ihre Nische gefunden und lassen sich dort bereitwillig bestaunen, neuerdings gerade dann, wenn die Antworten rar werden - "Who's Bad?"

iDie Goldenen Zitronen, Donnerstag, 21 Uhr Groove Station

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.10.2013

Stephan Wiegand

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