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Die Gefahr, sich zu verlieren: Jamie Cullum vor seinem Dresden-Konzert im Interview

Die Gefahr, sich zu verlieren: Jamie Cullum vor seinem Dresden-Konzert im Interview

Frage: Es sind dreieinhalb Jahre seit Ihrem letzten Album vergangen.Jamie Cullum: Ich bin Vater zweier Kinder geworden, das war eine riesige Veränderung - aber zeitgleich meine produktivste Phase.

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Durch die Vaterschaft erwachsen geworden: Jamie Cullum (33) hat sein neues Album "Momentum" genannt.

Quelle: peer

Frage: Es sind dreieinhalb Jahre seit Ihrem letzten Album vergangen. Was war los?

Jamie Cullum: Ich bin Vater zweier Kinder geworden, das war eine riesige Veränderung - aber zeitgleich meine produktivste Phase. Ich hatte weniger Zeit, über meine Arbeit nachzudenken, ich habe einfach gemacht.

Sie werden oft als Jazz-Künstler bezeichnet, die Single "Everything You Didn't Do" ist aber eher Pop. Wie viel Jazz steckt noch in Ihnen?

Jazz ist nur ein Teil von mir, speziell auf diesem Album. Jazz läuft zweifellos durch die Platte, da ist ein Jazz-Gefühl, in allen Songs. Aber es ist eben eher eine Pop-Songwriter-Platte. Ich würde mich jetzt als Jazz-Pop-Rock-Crossover-Superkünstler bezeichnen.

Da kann man schnell verdächtigt werden, nur auf Verkaufszahlen zu schielen...

Das war zu erwarten, dass ich diesen Vorwurf bekomme. Wenn ich auf den Mainstream-Markt schielen würde, müsste ich eine Big-Band-Platte mit Standards aufnehmen. Es ist riskanter, sich als Songwriter neben die bereits vorhandenen, sehr guten Kollegen zu stellen.

Was ist "Momentum"? Eine Sammlung von Songs oder ein Werk mit einem roten Faden, der sich durch alle Stücke zieht?

Eine Sammlung von Songs, klar, das ist ein Album immer. Aber am Ende habe ich bemerkt, dass es durchaus ein übergeordnetes Thema gibt, weil die Stücke alle irgendwie vom Erwachsenwerden handeln. Ich war quasi in vielerlei Hinsicht noch ein Kind, als ich mit meinen Kindern die komplette Verantwortung eines Erwachsenen bekam. Du musst dich plötzlich um jemanden kümmern. Und du musst dich entscheiden, woran du glaubst. Mit Kindern musst du Stellung beziehen.

Sie nennen als einen Ihrer Einflüsse Beyoncé, covern Björk. Hören Sie alles?

Es hat alles einen ähnlichen Charakter. Björk hat diesen musikalischen Entwicklungsdrang, diese Spannung, diese Kanten in der Musik, das ist dem Jazz nicht unähnlich. Beyoncé hat dagegen den Rhythmus, die Art, wie sie ihre Stimme einsetzt. Ich liebe an moderner Popmusik diesen Bass, die Base-Drums, wie man sich im Club dazu bewegen kann. Ich mag es, Referenzen einzustreuen. Dubstep mag ich zum Beispiel auch.

Mit wem würden Sie gern zusammenarbeiten?

Da habe ich eine endlose Liste. Ich würde mich gern mit einem Piano und Tom Waits einschließen, und einer Tape-Maschine. Er würde da nicht wirklich was von haben - ich aber eine Menge. Im Moment wäre es zum Beispiel auch Frank Ocean, der eine so beeindruckende emotionale Offenheit in seinem Songwriting hat. Auch Damon Albarn ist einer meiner größten Helden. Er weitet seinen musikalischen Horizont ständig, in so vielen Stilrichtungen.

Ist das Ihr Ziel? Wie Damon Albarn so ziemlich alles musikalisch mal auszuprobieren?

Ich hoffe, ich bin ein Musiker mit einer langen Karriere, und um das zu erreichen, muss man natürlich ständig seinen Horizont erweitern. Das heißt nicht, dass man das eine Jahr DJ spielt, im nächsten Filmsoundtracks produziert. Es geht darum, zu nutzen, was du hast, verschiedene Sachen auszuprobieren. Ich hätte dieses Album vor fünf Jahren nicht gemacht, es wäre zu riskant gewesen. Inzwischen vertraue ich zum Beispiel auch vollständig auf mein Songwriting. Ich mag es auch, Alben zu machen. Bei einem Album sind immer ein, zwei goldene Songs dabei. Ich fände es anstrengend, nur diese besonderen Songs zu machen anstatt ein Gesamtkunstwerk, aus dem dann zufällig ein paar Dinge herausstechen.

Live variieren Sie Ihre Show gern. Wird das schwieriger, wenn das Publikum größer wird, Sie mehr Erwartungen erfüllen sollen?

Ich mache irgendwie immer dasselbe, und damit meine ich, dass ich nicht zu viel plane. Bei einer sehr großen Menge, zum Beispiel bei Festivals, musst du immer davon ausgehen, dass nicht alle deinetwegen da sind. Da muss man darauf achten, dass es irgendwie passt, aber dafür kann man ja immer an der Setlist schrauben. Ansonsten ist es egal, ob ich nur für eine Person oder für Tausende Menschen spiele. Ich muss nur immer aufpassen, dass ich mich nicht verliere.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.08.2013

Interview: Sebastian Scherer

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