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Die Galerie Sybille Nütt zeigt Malerei und Grafik des 2001 verstorbenen Andreas Küchler

Neue Welten aus Farben und Zeichen Die Galerie Sybille Nütt zeigt Malerei und Grafik des 2001 verstorbenen Andreas Küchler

Der 2001 jung verstorbene Andreas Küchler wird gegenwärtig mit einer Ausstellung in der Galerie Sybille Nütt gewürdigt. Man findet hier zehn Gemälde und neun große, farbige Arbeiten auf Papier, beeindruckende Arbeiten aus dem Nachlass. Andreas Küchler hat diese Ausstellung verdient.

Andreas Küchler. Bild vom Lande, 1997/2000 (Bildausschnitt)

Quelle: Herbert Boswank

Dresden. Seine Bilder überzeugen auch heute noch, 14 Jahre nach seinem Tod. Das Wunderbare, das Märchenhafte und auch das Erschreckende hat er in seinen Werken empfunden und gestaltet - mit künstlerischer Sicherheit und mit einfachen geometrischen Formen und frei gewählten Farben, nicht selten auch mit Humor, manchmal mit schwarzem Humor.

Diese Ausstellung war längst überfällig. Wir sind dankbar, und wir erleben in Dresden gerade jetzt, dass unterschiedliche Werke von Andreas Küchler gleichzeitig an drei verschiedenen Orten in der Stadt betrachtet werden können: In der Jubiläumsausstellung der Städtischen Galerie im Landhaus in der Wilsdruffer Straße; dort sieht man ein Bild, Kopf auf rotem Grund, ein Oval, als Fläche, mit Nase, Augen, Mund - die Kappe gelb und schwarz, einige Farbflächen leuchtend blau.

Dann in der Kundenhalle im Sparkassenhaus am Güntzplatz; Wer sie betritt, kann dort schon seit Jahren ein monumentales Werk von Andreas Küchler bewundern. Gleich rechts vom Eingang hängt an der Wand eine leuchtend farbige, in klaren Flächen bemalte Tür. Andreas Küchler ist damit nicht nur während einer zeitlich begrenzten Ausstellung, sondern ständig in Dresden gegenwärtig. Man kann ihn eigentlich nicht übersehen in unserer Stadt - und man sollte ihn nicht übersehen.

Nachtdunkles Blau und Rot wie ein Fanal

Er hat sich, wie so viele andere Künstler, nicht zufrieden gegeben mit dem akademisch geschulten Abmalen der Realität (das allerdings heute an den Akademien kaum noch gelehrt wird), er wollte neue Welten erfinden, die aus Farben und Zeichen bestehen, rätselhaft, dabei kindlich anmutend und gleichzeitig raffiniert in der Wirkung der Farben und der Formen. Einfache geometrische Formen gewinnen bei ihm Leben. Kreis und Dreieck, Quadrat und Rechteck werden zu Wesen, die seine Bilder bevölkern. Geliebt hat er die Farben Rot und Blau. Nachtdunkles Blau und Rot wie ein Fanal.

An manchen Stellen seiner Bilder könnte man sich an Arbeiten von Paul Klee erinnert fühlen, als Quelle der Inspiration - aber Andreas Küchler begegnet den intellektuellen Zergliederungen der Gedankenwelt bei Klee mit einer geradezu üppigen Fabulier-Lust, einer urwüchsigen Einfachheit, die aber doch bis ins letzte Detail durchdacht ist, sorgfältig komponiert und nur scheinbar kindlich und naiv, dabei immer überzeugend.

Es kann kein Zufall sein, dass man sich bei vielen seiner Bilder durch die eingeschriebene Kreisform irritiert und angezogen fühlt. Er fokussiert auf den Kern. Bilder im Kreis, auf schwarzem oder zumindest dunklem Grund, kennen wir besonders von Hieronymus Bosch. Abgründige Erzählungen, gespenstische Szenen. Andreas Küchler muss sie gekannt und verinnerlicht haben - und er hat sie dann auf ganz eigene Art umgeformt und in sein Werk einfließen lassen.

Er war Mitglied der Künstlergruppe B 53. Bernd Hahn, Jürgen Wenzel, Anton Paul Kammerer, Andreas Küchler. Der rätselhafte, technisch anmutende Name, B 53, erklärt sich einfach. Bürgerstraße 53 in Dresden-Pieschen. Ein Straßenname und eine Hausnummer. Dort hatten die vier Künstler eine gemeinsame Druckwerkstatt, die sie nach der Wende kaufen wollten, aber nicht kaufen konnten.

Als sie ihr gemeinsames Atelier aufgeben mussten, haben sich drei von ihnen entschlossen, in Burgstädtel ein altes Haus als Werkstatt und eine Streuobstwiese zu erwerben, um dort zu bauen, jeder sein eigenes Haus. Andreas Küchler konnte sich, auch aus finanziellen Gründen, dazu nicht entschließen. Er war stattdessen in den späten 1990er Jahren dabei, sich in einem großen Dreiseithof in Burkhardtswalde bei Dresden eine Wohnung auszubauen. Er hat diese Aufgabe nicht zu Ende führen können. Wenn man ihn dort besuchte, zeigte er voller Stolz die Ergebnisse der Arbeit, erklärte den Fortgang der Sanierung des Hauses, erklärte, was alles noch entstehen sollte, und präsentierte gleichzeitig neue künstlerische Arbeiten, die in eben dieser Zeit entstanden waren. Beispielsweise die bemalte Tür von 1997, die man in der Kundenhalle der Sparkasse sehen kann.

Ein Goldregen aus Brasilien

Künstlergemeinschaften haben selten ewigen Bestand. Vielleicht sogar nie. Manche leben sich auseinander, harmonieren irgendwann menschlich und künstlerisch nicht mehr. In der Gruppe B 53, in die sich Andreas Küchler von1984 an als Mitglied einbrachte, sind zwei von vier Mitgliedern gestorben. Andreas Küchler 2001 und Bernd Hahn 2011.

Peter Lang hat zu den Zeichnungen, Übermalungen und Kollagen von Andreas Küchler geschrieben: "Marx, Lenin, Mao. Der Himmel steht still und die Sterne sind ein Goldregen aus Brasilien. Es gibt kein Billett zurück. Die Karten sind abgerissen, das Schiff der Narren ist in schwere See geraten. [-] Das Messer im Rücken dem Morgenrot entgegen." Auch das klingt nach Hieronymus Bosch. Heute sehen die Dinge anders aus. Die ganze Welt spürt das Messer: Aber - wo bleibt das Morgenrot? Hat er es damals gesehen? Sind seine Bilder nicht im Grundklang pessimistisch? Bei ihm kann die Sonne schwarz sein.

Andreas Küchler war 1991 zu einem Arbeits- und Studienaufenthalt in Brasilien gewesen. 1992, als Peter Lang seinen Text geschrieben hat, waren diese Eindrücke noch frisch. Der 1953 in Freital geborene Künstler hatte 1975-1980 an der Hochschule für bildende Künste in Dresden studiert, war 1982 bis 1984 Meisterschüler bei Günter Horlbeck gewesen, lebte von 1984 bis 1988 freischaffend in Freital, dann seit 1988 in Dresden. Er ging seinen eigenen Weg.

Die Ausstellung in der Galerie Sybille Nütt konzentriert sich auf wenige Werke - und überzeugt in der Beschränkung: Abstrakt und fantastisch, märchenhaft nächtlich, oder taghell und deutlich, gekritzelt oder lesbar geschrieben - man ist gern bereit, sich zu verlieren in den Bildwelten von Andreas Küchler. Seine künstlerische Stimme hat Gewicht, auch heute noch, 14 Jahre nach seinem Tod.

bis 9. Januar. Andreas Küchler (1953-2001), Der Geheime - Malerei & Grafik, Galerie Nütt, Obergraben 10. Di-Fr 11-18 / Sa 11-16 Uhr, Tel. 0351/ 2529593

www.galerie-sybille-nuett.de

von Harald Marx

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