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Die Galerie Q in Quohren zeigt Werke von Dorothee Haller und Günter Schöttner

Die Galerie Q in Quohren zeigt Werke von Dorothee Haller und Günter Schöttner

Die Galerie Q in Quohren zeigt Arbeiten von Dorothee Haller und Günter Schöttner: Assemblagen, Skulpturen, Objekte. Das Wechselspiel von statuarischer Strenge und fabulierender Bewegtheit ist faszinierend.

Dresden.

Beide Künstler fanden zu einem eigenständigen, glaubwürdigen Stil, vielschichtiger, neuer Material-Interpretationen und Deutungen, der die Phantasie beflügelt und ihr Raum gibt, sich zu entfalten.

Dorothee Haller (Jg. 1966) verschweißt Eisenschrott zu rätselhaften, in sich ruhenden, majestätischen Fabelwesen, die an würdevolle, archaische Wächterfiguren, dämonische Gottheiten erinnern, in der sich Animalisches mit Menschlichem verbindet. Sie enthebt die ausrangierten Gegenstände ihrer Banalität und verleiht ihnen im Zusammenspiel etwas Kostbares, eine nahezu rituelle, ästhetische Funktion. Sie selbst nennt es "Stroh zu Gold zu spinnen". Den Dingen, "die das Meer der Zeit ausgespuckt hat, die als wertlos galten", fügt sie in einem neuen Wert hinzu, der alte Mythen mit neuen verbindet. Somit berührt sie mit ihrem Arbeiten ein Stück Ewigkeit. Ursprüngliches verschwistert sich mit zivilisatorischem Wissen.

Diesseits und Jenseits, Jetztzeit und Traumzeit finden fließende Übergänge. Man wird einfach angezogen von den Kuriosa, von den ästhetischen Metamorphosen und unerhörten Verwandlungen der spielerisch und doch mit Bedacht komponierten Fundstücke, von den korrodierten Form-Kaskaden ihrer unendlichen, unerschöpflichen Geschichte. Die Oberflächenbehandlung erscheint mitunter edel, ja kostbar. Somit besitzen ihre Mischwesen nahezu die Gabe, die Lebensfäden gebieterisch in der Hand zu halten. Sie verbindet in symmetrischer Harmonie Körper und Geist, Himmel und Erde, Feuer und Wasser.

Die diplomierte Theaterdesignerin war schon immer fasziniert von der Kunst der Naturvölker, die ihre Seele berührte und nachhaltig zum Klingen brachte. Während zahlreicher Restaurierungsarbeiten sprach sie besonders rostiges Eisen an, das für sie ursprünglich Archaisches geradezu verlebendigte. Ihr Formenvokabular im Kopf, schlendert sie über Schrottplätze und sucht weggeworfene Eisenteile, um daraus im Feuer ihre Geschichten zu entwickeln. Sie liest Märchen und Mythen und lässt sich vom geschriebenen Wort anregen, wobei auch das assoziative, spielerische Zusammenfügen der Fundstücke eine Inspirationsquelle darstellt.

Man denkt vielleicht auch an den Dadaisten Schwitters oder an Duchamp mit seinen Readymades, aber was Dorothee Haller vorführt, ist die Illusion anderen Ausmaßes. Sie setzt plattem Tatsachensinn etwas Ursprüngliches entgegen: die Entdeckung von Materialpoesie, das Geheimnis einer Abwesenheit, ein Vermächtnis, das den aus dem ursprünglichen Zusammenhang gerissenen Gegenständen innewohnt, die Erinnerung an eine vergangene Zeit, die die Fundstücke mit Patina überzog, eine Symbolik der Vergänglichkeit von wirklich handgreiflicher Realität, die uns packt, ist gegenwärtig.

Günter Schöttner (Jg. 1953) philosophiert mit der sinnlichen Stofflichkeit von spurenreichen Materialien und patinierten Fundsachen über Leben und Welt. Er verschiebt unaufgeregt die Übereinkunft von Perspektiven und nimmt mit archäologischem Gespür in der Schwerelosigkeit seiner Gedanken in Augenschein, was andere Zeitgenossen achtlos beiseite schieben, und macht dabei unerwartete Entdeckungen. Durch die Erkenntnis der Betrachtung erschließt sich der universelle Zusammenhang seiner Dingwelten. Er versteht es, Weggeworfenes einer neuen Bestimmung zuzuführen. So entstehen Gebilde, denen vielerlei Anspielung eigen ist. Weltenanfang und Weltenende, Lebenslust und Melancholie, Einsamkeit und Harmonie, Abstammung und Zukunft gehen ineinander über.

Völlig überwältigt war Günter Schöttner 1982 vom Alterswerk Willy Wolffs, den er mehrfach besuchte. Schöttner hatte bereits als Kind eine Leidenschaft entwickelt, skurrile Dinge zu sammeln. Durch die Begegnung mit Willy Wolff entfaltete sich der Drang, sich selbst auszuprobieren und seine Fundstücke fabulierend zusammenzufügen. Es folgte eine intensive Beschäftigung mit Kunstdingen und mit den Möglichkeiten, die Collagen und Assemblagen in sich tragen, um sich auch wiederum abzugrenzen und eigene Wege zu gehen.

Was Günter Schöttner wirklich interessiert, ist die Beziehung von Material und Raum, die Beziehung von der banalen Kuriosität, die sein Interesse weckte, der ursprünglichen Funktionalität beraubt, um diese in einen neuen assoziativ lesbaren, kreativen Zusammenhang zu setzen, in dem der Betrachter mit seinen Gedanken mitwirkt. So findet er sich eher im Bildhauerischen wieder als in der Malerei und Zeichnung, die allerdings auch in seine Arbeiten elementar einfließt. Seine Werke besitzen eine poetische Dimension mit musikalisch-lyrischer Akzentuierung. So entstehen sinnliche Metaphern vom Werden, Sein und Vergehen, wobei Günter Schöttner immer gewillt ist, den dialektischen Zusammenhang zwischen Kontemplation und Aktion, Spannung und Entspannung zu betonen.

bis 27. September, Galerie Q, Schulweg 3, Kreischa/OT Quohren, Fr & Sa 15-19 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.09.2015

Karin Weber

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