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Die Galerie Himmel mit der Querner-Ausstellung „Scharf gesehen“

Und immer wieder Herta Die Galerie Himmel mit der Querner-Ausstellung „Scharf gesehen“

Die aktuelle Präsentation der Galerie Himmel ist wahrhaftig nicht die erste mit Werken Curt Querners (1904–1976) in den letzten Jahrzehnten in und um Dresden. Als Museum hat die Kunstsammlung Freital eine bedeutende Aktie daran. Jüngst durften Werke des Künstlers, der zu DDR-Zeiten lange auf offizielle Anerkennung warten musste, in der Schau der Staatlichen Kunstsammlungen „Die neue Sachlichkeit in Dresden“ nicht fehlen.

Dresden. Die aktuelle Präsentation der Galerie Himmel ist wahrhaftig nicht die erste mit Werken Curt Querners (1904–1976) in den letzten Jahrzehnten in und um Dresden. Als Museum hat die Kunstsammlung Freital eine bedeutende Aktie daran. Jüngst durften Werke des Künstlers, der zu DDR-Zeiten lange auf offizielle Anerkennung warten musste, in der Schau der Staatlichen Kunstsammlungen „Die neue Sachlichkeit in Dresden“ nicht fehlen. Nicht zuletzt haben seit 1989/90 private Galerien immer wieder seine Werke gezeigt, beispielsweise die Kunstausstellung Kühl (die Querner schon in den späten 1930er Jahren darbot) oder die seit Mitte der 1990er Jahre in Dresden wirkende Galerie Döbele. Derzeit, 40 Jahre nach Querners Tod, präsentiert die seit einigen Jahren in Dresden tätige Galerie Himmel (zuvor Kunsthandlung Koenitz) unter dem Motto „Scharf gesehen“ – anspielend wohl auf das immer und immer wieder in Blick Nehmen der gleichen Motive mit dem Ziel, sie tiefer zu durchdringen – 35 Werke von ihm: einige Gemälde, Zeichnungen und natürlich eine größere Anzahl der für ihn so typischen, nass in nass gearbeiteten Aquarelle. Was an dieser Ausstellung das Überraschende ist: Obwohl man das Schaffen Querners gut kennt, glaubt man hier fast, seine Kunst zum ersten Mal zu sehen. Galeristin Anja Himmel ist es gelungen, diese Schau zu einer besonderen Kostbarkeit zu machen. Dazu trägt das gesamte Ambiente – das Licht, die Hängung – bei. Natürlich sind es letztens die Arbeiten selbst, die für sich sprechen. Aber es ist das Arrangement, das auch den Besucher „schärfer sehen“ lässt.

Die Galeristin und ihre Mitarbeiter haben sich entschieden, die Sujets weitgehend in geschlossenen Gruppen zu platzieren. Dadurch ergibt sich eine schöne Möglichkeit, Nuancen wahrzunehmen. Langeweile entsteht dadurch nicht. So ist es spannend, wenn etwa drei Mal das Motiv der „Rübenausmacherin“ – zwar in unterschiedlichem Format – in Reihe hängt. Gewiss, der Körper ist jedes Mal monumental ins Blatt gesetzt, aber jedes Mal anders. Gleiches gilt für die farbliche Komposition. Was immer spürbar ist: die schwere, aber alltägliche Handarbeit, zugleich eine elementare Weiblichkeit. Die drei Nass-in-nass-Aquarelle entstanden 1959 – dieses trägt als persönliches Qualitätskürzel des Künstlers „XOX“ –, 1961 und 1966. Eine ähnliche Reihung wählte Himmel für die Präsentation der weiblichen Akte, wobei die meisten wie auch weitere Bilder Herta Mickan gewidmet sind. Betrachtet man etwa die liegenden Akte von 1969, 1971 und 1973 oder auch den sitzenden Akt von 1963 oder den stehenden von 1964, so beeindruckt das Ringen um die Erfassung des Körpers, ja der Elementargewalt des Weiblichen, fern von dem Zeitgeschmack folgenden Schönheitsidealen – am meisten wohl Rubens nah. Man weiß, dass Querner immer wieder in der Dresdner Galerie studierte, wie Vorgänger – Rubens, Leibl, Trübner etwa – Haut malten. In seinen Akten fand das dabei Empfundene Umsetzung, in dem gemalten Körper einer Arbeit gewohnten Bäuerin. „Diese Fleischmalerei reizt mich besonders“, schrieb Querner nach einem Galeriebesuch am 10. 8.1938 in sein Tagebuch Auch bei dieser Bildergruppe findet man die unterschiedlichen persönlichen Qualitätskennzeichen auf der Rückseite, wie man der Bilderliste entnehmen kann.

In Gruppen zeigt die Galerie Himmel ebenso Porträts sowie Landschaften, wobei sich letztere selbstredend hauptsächlich auf Börnchen beziehen. Im Zentrum der Bildnisse steht ein spätes Selbstporträt vom 1975, entstanden also im letzten Lebensabschnitt des Künstlers, der sich – wie man es häufig sah – frontal, im blauen Pullover malte. Das Gesicht zeigt sich tief gefurcht, partiell im Schatten, die Augen liegen hinter der Brille, in der einen Hand hält er Pinsel, sein Künstlersein unterstreichend. Unwillkürlich denkt man hier an den bekannten Dokumentarfilm, in dem ein Querner-Selbstporträt nach dem anderen aufgeblättert wird, damit die künstlerische Haltung unterstreichend, sich immer wieder malerisch selbst zu befragen. Darum gruppiert sind eine Reihe Bleistiftzeichnungen und Aquarelle – Kinderporträts und junge Männer. Wohl auf einer seiner Fußreisen hat er 1939 einen Kärntner Bauernsohn gezeichnet, anderes entstand in Krieg und Nachkrieg. „Der blonde Hein als Kriegsgefangener“ (1947) – ein Aquarell – feiert noch einmal die Neue Sachlichkeit. Das bereits 1936 geschaffene Bildnis des Malers Willy Jahn erscheint dagegen in schon vollendeter Nass-in-Nass-Technik. Mit seinen Verschattungen scheint es die Zeit in sich zu tragen, deren Ungewissheiten.

An dieser Stelle ist unbedingt auf ein weiteres Plus der Ausstellung einzugehen. Zu den über längere Zeit aus Privatbesitz gesammelten Arbeiten gehören, wie schon angedeutet, Blätter aus den 1930er, 40er Jahren. Das ist besonders wertvoll, weil Querner ja wie viele andere Dresdner Künstler sein Atelier am 13. Februar 1945 verlor. Es war nicht viel, was seine Frau Regina zuvor schon nach Börnchen ins Elternhaus ihres Mannes hatte retten können. Etwas Besonderes ist zweifellos das Aquarell „Blick aus dem Atelier in der Annenstraße“ (1943), das nicht nur wegen seiner Entstehungszeit von großem Wert ist, sondern wegen seines Motivs: Abgesehen von der malerischen Qualität wirft es den Blick in eine Welt, die es nicht mehr gibt. In diese Periode gehört auch eine Arbeit, deren „Gegenstand“ für den späteren Quernerschen Kosmos mit von entscheidender Bedeutung war: Gemeint ist das Aquarell „Bauernmädchen Herta Mickan mit blauer Mütze“ von 1941. Was muss es für einen Maler bedeuten, wenn er einen Menschen seit der Kinderzeit als Motiv hat, dessen Erwachsenwerden und Älterwerden beobachtet, faktisch jeden Winkel des Körpers und wohl auch der Persönlichkeit erforscht hat?

Schön wie immer sind die sich mit Börnchen befassenden Blätter. Besonders erscheint das Aquarell „Winter“ von 1956. Fast etwas ungewöhnlich für den Künstler sind die aquarellierten „Steine im Acker“ (1960). Die werden hier zu ihrem eigenen Gebirge, liegen monumental auf dem wunderbaren kleinen Blatt. Querner selbst muss die flächenhafte Arbeit sehr geschätzt haben. Seine strengen Augen gestatteten ihm, ein „XOOX“ auf der Rückseite zu vermerken. Abschließend sei noch auf eine Zeichnung von 1966 verwiesen, die sehr beeindruckt: „Der alte Baumstamm gegen den Himmel“, der an ein altes, knorriges Wesen erinnert, ja etwas Menschliches ausstrahlt. Auch dafür hatte Querner eines seiner Qualitätszeichen übrig: „XX“.

Eine wunderbare Ausstellung, die man sich in den verbleibenden Tagen noch ansehen sollte. Im Kabinett warten zudem Bilder, Collagen und Holzschnitte von Tanja Pohl zum Thema Musik.

bis 27. Februar, Mo – Fr 10 bis 19Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr,

www.galerie-himmel.de

Von Lisa Werner-Art

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