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Die Galerie Himmel im Barockviertel präsentiert Arbeiten von Andreas Wachter

„Irrlichter“ Die Galerie Himmel im Barockviertel präsentiert Arbeiten von Andreas Wachter

Mit einer Ausstellung von Andreas Wachter begann im Frühjahr 2008, gewiss programmatisch, die noch junge Geschichte der Galerie Himmel in Dresden, und mittlerweile stellt sich der Künstler bereits zum vierten Mal Am Obergraben vor, mit neuen Arbeiten, die überwiegend in diesem Jahr entstanden sind.

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Andreas Wachter: Anhöhe, 2016.

Quelle: Gustav Franz /Galerie

Dresden. Mit einer Ausstellung von Andreas Wachter begann im Frühjahr 2008, gewiss programmatisch, die noch junge Geschichte der Galerie Himmel in Dresden, und mittlerweile stellt sich der Künstler bereits zum vierten Mal Am Obergraben vor, mit neuen Arbeiten, die überwiegend in diesem Jahr entstanden sind.

Wachter ist auch daran unschwer als Vertreter der ersten Leipziger Schule auszumachen, wobei er mit dem Geburtsjahrgang 1951 als recht später Nachzügler von deren zweiter Generation einzordnen wäre. Er hat - wie Neo Rauch - bei Arno Rink studiert, steht altersmäßig etwa in der Mitte zwischen beiden, aber im Unterschied zum Begründer der Neuen Leipziger Schule sind in seinem Schaffen die in der Ausbildung erhaltenen Impulse bis heute deutlich nachvollziehbar. Eine solche Nähe ist freilich wenig für die Wahrnehmung in der Kunstwelt, führt eher zu einer Nischen-Karriere, denn während das deutsche Großfeuilleton Rink zu dessen 75. Geburtstag trotz „nicht mehr zeitgemäßer“ Malweise um eine erstaunt-widerwillige Anerkennung nicht herumkam, gibt es zu Wachter nicht einmal einen eigenen Wikipedia-Eintrag. Seine Bilder erinnern im übrigen auch an Werner Tübke, in der Farbigkeit und in der Strenge vieler Kompositionen, die von filigranen Gerüsten geprägt werden. Wachter ist jedoch weit entfernt von einem hyperintellektuellen Manierismus wie auch von veristischer Glätte oder Schärfe.

Vielmehr zeichnen Lockerheit und Delikatesse einer durchaus malerischen Diktion – ohne besondere Großzügigkeit, aber auch ohne Überfeinerung - seine Bilder aus, und ganz Ähnliches lässt sich auf von seiner farbig gefassten Plastik (meist Terrakotta) sagen, Figuren, Torsi, Köpfe die scheinbar geradewegs aus den Gemälden in die dritte Dimension gestiegen sind. Was wir da sehen, erscheint zunächst als Spielart eines magischen oder fantastischen Realismus, genauer betrachtet aber wohl eher als eine Mischung aus Fiktion, Inszenierung und verfremdeter Realität; der Künstler verbindet Wunsch und Wirklichkeit, romantische Sehnsucht, verklärte Erinnerung und sachliche Nüchternheit.

Sehr eindrücklich zeigt sich das in Landschaften wie „Bunker“ oder „Übergang“ (beide 2016), einsame Wanderer in der Landschaft vor nostalgisch und etwas rätselhaft wirkender Architektur, vorzugsweise am Meer, in einer Verklärung, die sich sofort zu erklären scheint beim Blick auf Bilder wie „Incontro“ und „Pompeji“ - Italien als Land der Sehnsucht, wieder und wieder entdeckt in einer immer neuen Renaissance und als Fluchtpunkt. Die daraus entstehende Ästhetik wird freilich auch angewandt in modernen Städte des Nordens oder Westen, gesucht und gefunden in Inselsituationen („Tucholskystraße“, „Kiosk“). Zeitgenössische Grafitti im wörtlichen und übertragenen Sinne integrieren sich dabei wie von selbst. Allerdings ist nicht immer so

einfach zu übersehen, dass sich ohne magisches Licht bzw, Lichter der Nacht manche Szenerie in schlichte Tristesse verwandeln würde (Einfahrt“). Eine antikisierende Patina überzieht auch die zeitgenössischen Figurenensembles, die Wachter auf einer „Anhöhe“ arrangiert oder an einem so nostalgischen Ort wie einer (Wäsche)„Mangel“, wo auch noch altertümliche Spiele wie das Abheben eines Fadens zelebriert werden. Dabei hübscht man sich eben auf, schlüpft in Rollen, wie es so üblich ist, wenn man unter die Leute geht. Wachter erweist sich durchaus auch als Chronist, nur erscheint das Dokumentierte in den Inszenierungen nie vordergründig, in den Landschaften beinahe unwirklich oder sogar skurril wie die „Biogasanlage“ von 2014.

Einige Protagonisten auf den großen Gemälden blicken dem Betrachter herausfordernd oder skeptisch entgegen, sie scheinen weder recht zu Hause, am Ziel, noch energisch unterwegs zu sein. Vielmehr von vagen Hoffnungen geleitet, auf der Spur oder gelockt von Irrlichtern, wie der Titel der Ausstellung suggeriert. Irrlichter aber sind Phantome, sind unstet und flüchtig, bloßer, durch einen natürlichen Vorgang hervorgerufener Schein, der dem Wanderer im nächtlichen Moor freilich zum Verhängnis werden konnte. Im Zeitalter der Navigation per Smartphone kann es sich freilich nur um eine Metapher handeln. Die Dialektik von Wachter, der übrigens, auch seine großen Formate, in Mischtechnik auf sehr zeitgemäßem Material, nämlich Mitteldichter Faserplatte malt, zeigt sich am Ende wohl darin, das die der Verklärung der Welt und ihrer Geschichte im Abbild der Kunst einerseits immer etwas lebensnotwendig Tröstliches hatte, andererseits Realitätsverlust (gerade auch als Verlust lebbarer Realität) eine tödliche Bedrohung darstellt.

Die Ausstellung im Kabinett ist dem Chemnitzer/Karl-Marx-Städter Rudi Gruner (1909-1984) gewidmet, einem Maler und Illustrator, der zeitlebens nie aus der Stille heraustrat und bis heute nie recht entdeckt wurde, auch wenn ihn die Neue Sächsische Galerie Chemnitz 1997 gemeinsam mit Wilhelm Rudolph. Hermann Glöckner und Otto Müller-Eibenstock als einen „großen Alten würdigte.

Nun sind einige seiner spätexpressionistischen Gemälde von nobler Farbigkeit zu sehen, schlichte Landschaften und Genreszenen, sowie etliche zum Teil deftige bzw. barock anmutende Federzeichnungen.

Von Tomas Petzold

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