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Die Galerie Döbele widmet sich in Dresden der Neuen Sachlichkeit

Die Galerie Döbele widmet sich in Dresden der Neuen Sachlichkeit

Eine interessante Erweiterung zur Ausstellung im Lipsiusbau bietet die Galerie Döbele mit ihrer Ausstellung "Neue Sachlichkeit und Umkreis". Sinnvollerweise setzt sie zum einen Parallelen mit Dresdner "Adressen", denen sie schon lange treu ist.

Immerhin gab die Galerie, die sich jahrelang um die Verbreitung des Werks von hier stammender Künstler in der Bundesrepublik verdient gemacht hatte, 1996 ihren Einstand in der Elbestadt mit der Ausstellung "Otto Dix und Künstler seiner Dresdner Zeit". Diesmal greift sie zum einen auf den Dix-Umkreis beziehungsweise seine Schüler (aber auch einen Vorläufer und Widersacher wie Richard Müller) zurück. Vor allem sind da aber Künstler wie der Geraer Jugendfreund Kurt Günther oder der seiner Malklasse zugehörige, später langjährige Atelier"verwalter" Ernst Bursche und natürlich Conrad Felixmüller, der ebenso konsequent wie er zunächst - noch ganz jung - Hauptverfechter der expressiven Bewegung in Dresden war, in den 1920er Jahren diesen Weg als nicht mehr zeitgemäß ansah. Die beiden Letztgenannten sind bei Döbele mit bekannten Bildern präsent: dem "Knabenbildnis (Stefan) mit Lilie" (Bursche, 1930) und "Blumenbetrachtung" (Felixmüller, 1930). Aber auch Hassebrauks "Antiker Uhr (mit Knochenhand)", die 1937 fünf vor zwölf steht, oder einem Aquarell von Willy Wolff, das eine rot blühende Kaktee zeigt (1932), begegnet man hier.

Genannt werden müssen zudem - dabei geht es nicht um Vollständigkeit - einige Frauen, die auch bei Döbele zu ihrem Recht kommen: die wieder zunehmend geschätzte Gussy Hippold-Ahnert, unter anderem mit mehreren Porträts sowie dem sie zeigenden Halbakt von 1932, ebenso Paula Lauenstein, Hilde Rakebrand, Alice Sommer. Die nennenswerte Zahl der Malerinnen aus den 1920er Jahren war ein Spiegelbild der Zeit, der sich verändernden Rolle der Frau im öffentlichen Leben in den 1920er Jahren, bevor Hitler diese wieder an den Herd schickte, ehe er sie in der Rüstungsindustrie verschliss.

Neben diesen mehr oder weniger bekannten Künstlern und Künstlerinnen, die gerade bei Döbele immer wieder auf die eine oder andere Art mit ihren Werken anzutreffen waren - dazu gehören aktuell zahlreiche weitere wie Wilhelm Lachnit, Wilhelm Rudolph oder der gerade stärker ins Bewusstsein rückende Fritz Tröger, um nur noch einige Namen zu nennen - macht diese Ausstellung mit Entwicklungen bekannt, die Hiesige oft weniger im Blick haben. Die Galerie Döbele führt die Besucher nämlich in den Südwesten Deutschlands, dorthin, wo einerseits ihre Wurzeln liegen, zum anderen aber auch Gustav Hartlaub die erste Ausstellung zur "Neuen Sachlichkeit" kreierte. Im Zentrum stehen einige Künstler, die vor allem dem Karlsruher Raum, meist von Ausbildung oder eigener Lehrtätigkeit her der dortigen Landeskunstschule beziehungsweise Akademie zuzuordnen sind.

Der wohl bekannteste ist Karl Hubbuch (1881-1979), der nicht nur unter anderem in Karlsruhe seine Ausbildung genoss, sondern dort auch eine Professur bekleidete. Nicht weniger bekannt ist Rudolf Schlichter (1890-1955), der wie einige andere der hier Vertretenen bei Wilhelm Trübner studierte. Zeitweise wirkte er (ab 1920) in Berlin, auch als Illustrator für linke führende Blätter, bevor er 1932, angesichts des aufziehenden Faschismus, wieder gen Süden aufbrach, schließlich bis zu seinem Tod in München lebte. Nach Berlin war auch Hanna Nagel (1907-1975) gegangen, die während des zweiten Weltkrieges dort und in Düsseldorf dann einen großen Teil ihres Werks verlor.

Zu nennen wären weiter Rudolf Dischinger (1904-1988), Wilhelm Schnarrenberger (1892-1966) und Georg Scholz (1890-1945), die ebenfalls in Karlsruhe studierten. Die beiden Letztgenannten und ebenso der von Dresden zuerst nach Saarbrücken und dann nach Karlsruhe berufene Christoph Voll (1897-1939) bekleideten wie Hubbuch eine Professur. Für diese drei, aber auch Hubbuch gilt - wie für Dix in Dresden -, dass sie nach 1933 ihre Lehrämter verloren und oft - zumindest nach 1937 - als "entartet" diffamiert wurden. Nicht vergessen werden darf ein Künstler, den man kaum bei der "Neuen Sachlichkeit" vermutet. Zu besichtigen sind bei Döbele wie im Lipsiusbau frühe Blätter von Max Ackermann, der übrigens 1908/09 bei Richard Müller studierte (damals war auch Grosz Student in Dresden).

Die Ausstellung bei Döbele erweist sich - so wie von Hedwig und Johannes Döbel gedacht - als eine wirkliche Ergänzung. Dabei ist nicht zu vergessen, dass die Galerie einige Künstler mit präsentiert, deren Namen man teils zwar kennt, die aber nur selten gezeigt werden. Das gilt unter anderem für Eric Johansson, der lange in Schweden lebte, Richard Sander oder den Hallenser Karl Völker.

Bis 14. Januar 2012, Di-Fr 10-12 und 14-18 Uhr, Sa 11-17 Uhr (Winterpause: 23.12. bis 7.1.)

www.galerie-doebele.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.12.2011

Lisa Werner-Art

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