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Die Freie Szene Dresden setzt einen Impuls und beerdigt das alte Kraftwerk Mitte

Die Freie Szene Dresden setzt einen Impuls und beerdigt das alte Kraftwerk Mitte

Der übernächste Freitag wird ein ganz historischer für die Kulturstadt Dresden. Einerseits feiert das Staatsschauspiel den 100. Geburtstag seines Großen Hauses am Postplatz.

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Johanna Roggan schuf im Frühjahr die Choreografie für Kästners "Fabian" im Kleinen Haus, in dem sie mittanzte und -spielte (Szenenfoto) und wird nun gemeinsam mit Anna Till bei "Kraftwerk off/on" im Eingangsbereich "the higging ones" zelebrieren.

Quelle: Matthias Horn

Nur vierhundert Meter entfernt tobt der Kontrapunkt als waschechte Alternative: Die Künstler der Off-Szene feiern unter dem Titel "Kraftwerk off/on" ihr erstes gemeinsames Tanz- und Theaterspektakel mit Puppen- und Schauspiel sowie zeitgenössischen Tanz- und Musikinstallationen.

Somit hat künftig der 13. September in jedem 13. Jahr eines Jahrhunderts eine doppelte Bedeutung. Oder eine dreifache. Denn es ist höchstwahrscheinlich auch die letzte echte Kultursause im alten Kraftwerk Mitte, bevor dort die Umbauarbeiten zum öffentlichen Doppeltheatertempel für die junge und die Operettengeneration beginnen. Doch auch das ist untertrieben, denn das Off- und On-Spiel dauert ganze drei Tage: Nils Brabandt, Pressesprecher des Landesverbandes der Freien Theater, der das Festival organisiert, fasst es in Zahlen: "Merken Sie sich einfach die Formel 40 - 20 - 12." Und übersetzt diese: "Vierzig Künstler und Gruppen bieten pro Tag 20 verschiedene Shows für je zwölf Euro im Vorverkauf", wobei die Tageskarten auch bei einem Päuschen ihre Gültigkeit behalten. Das ist wichtig, weil das Fest am Sonnabend und am Familiensonntag bereits 15 Uhr beginnt. Wer alles mitnimmt, ist ab Freitag 18 Uhr mindestens 25 Stunden lang beschäftigt.

"Wir geben alles. Und was gebt Ihr?"

Doch das ist nicht der Sinn. Sondern es soll eine Leistungsschau werden, die im Halbstundentakt an sechs einzigartigen Orten sowohl Stärke als auch Breite illustriert, wie Isolde Matkey, als Kulturmanagerin fürs Programm zuständig, betont. Liest man die Liste der Beteiligten, so fehlt kaum ein bekannter Name. Haudegen wie Rainer König, Wolf-Dieter Gööck, Tobias Herzz Hallbauer oder Theatergruppen wie Statt-theater Fassungslos, Ensemble La Vie, Theater La Lune, Cie. Freaks und Fremde oder die junge Tanzszene von Katja Erfurth bis Johanna Roggan und Cindy Hammer sind dabei. Höhepunkt sind drei Premieren im Abspannturm, wegen seiner Optik "Alcatraz" genannt": "Twin Spots" von Go Plastic (Freitag, 23.15 Uhr), "Die Mascara-Maskerade der sieben Todsünden" (Sonnabend, 22 Uhr) und "Das Boot - reloaded" (Sonntag, 22 Uhr).

Mitorganisator Utz Pannike, der mit seinem ersten Künstler-Stammtisch anno 2000 noch scheiterte, weiß auch schon andere Aufbruchsorte: "Wie die Kleine Szene auf der Bautzener Straße derzeit vor sich hingammelt, ist ein Hammer für die Kulturstadt Dresden." So lädt er zum Start am Freitag (18 Uhr) zuallererst zum Symposium in die "Galerie Module" auf dem Kraftwerksgelände: Thema: "Wir geben alles. Und was gebt Ihr? - Freies Theater machen in Dresden" - geladen sind die kulturpolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen, zugesagt hat bisher nur die Opposition.

Aus der Keimzelle, eingebunden ist auch das frische Dresdner Tanznetz, gelang dank kritischer Masse nun der Aufbruch und gipfelt in diesem respektablen Festival, das just am vergangenen Sonnabend auch die ausgerufenen 5000-Euro-Marke beim Netz-Crowdfunding mit 101 Prozent knackte. So kommen etliche edle Spender nun, je nach Höhe, in den Genuss einzelner Späßchen. Die höchsten drei Preisklassen blieben zwar unbesetzt, aber immerhin können nun zwei von den zehn "Supportern", die je 100 Euro spendeten, einen Künstlerbrunch genießen. Die größte Gruppe, 150 Leute, spendeten je zehn Euro. Natürlich bei weitem nicht genug, so dass die Förderungen der Landeskulturstiftung (15 000 Euro) und der Stadt (4 000 Euro) den Impuls in dieser Fülle ermöglichen.

Vielleicht wird er ja wirklich zur gewünschten Initialzündung in der öffentlichen Wahrnehmung. Damit, so Pannicke, keiner mehr frage, was Schauspieler eigentlich tagsüber machten. Sollte aber die große Krise doch noch nicht vorbei sein und plötzlich den neuen Dresdner Kulturbauboom einfrieren lassen, könnte es sogar hier eine Fortsetzung geben. Ansonsten gilt die Warnung von Schauspielerin Julia Amme - wer sie auf der Bühne erlebt, weiß, dass sie nicht nur scherzen kann - vom Theater La Lune: "Das nächste Mal wird einfach etwas besetzt."

@www.off-dresden.de/

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.09.2013

Andreas Herrmann

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