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Die Forsythe Company bleibt in Dresden, aber was bleibt von Forsythe?

Die Forsythe Company bleibt in Dresden, aber was bleibt von Forsythe?

Zu lange waren die Informationen zur Vertragsverlängerung für die Forsythe Company in Dresden spärlich. Ende der nächsten Saison wäre erst mal Schluss gewesen.

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Offensichtlich bester Stimmung: Dieter Jaenicke (Leiter Europäisches Zentrum der Künste Hellerau), Kulturbürgermeister Ralf Lunau, der Forsythe-Nachfolger Jacopo Godani und Christopher Roman, stellv. künstlerischer Direktor der Forsythe Company seit Sommer 2013 (v.l.)

Quelle: Stephan Floß

Zudem kündigte sich schon seit seiner Erkrankung im letzten Jahr an, dass William Forsythe selbst nicht mehr die künstlerischen Geschicke bestimmen könne. Einen möglichen Nachfolger hatte man schon, den italienischen Tänzer und Choreografen Jacopo Godani, Forsythe bleibt als Berater tätig, sein Erbe wird gepflegt (DNN berichteten).

So stieß der Stadtratsbeschluss, den Vertrag bis 2018 zu verlängern, nicht nur auf Zustimmung. Für Verwirrung sorgte, dass Forsythe eine Professur in Los Angeles annahm, dass er sich längst entschieden hatte, sich von seiner choreografischen Arbeit zurückzuziehen, dass er sich seinen neoklassischen Arbeiten, die weltweit getanzt werden, nicht zuletzt vom Dresdner Semperoper Ballett, verstärkt widmen wolle. Jetzt schlug die Stunde der Rechner und Gegner. Im Rahmen des Hauptstadtkulturvertrages kostet der Erhalt der Company die Stadt Dresden bis 2018 jährlich 1,5 Millionen Euro, dazu kommen jeweils gut 150 000 Euro Residenzkosten, die Einnahmen der Aufführungen gehen an die Company. Vor etlichen Tagen gab Forsythe bekannt - nicht etwa in Dresden, sondern in der New York Times -, dass er sich zurückziehen wolle, dass sein Nachfolger alle Freiheiten habe, dass dieser personelle und inhaltliche Veränderungen vornehmen könne, er könne sogar den Namen ändern, Kreationen der Forsythe Company wird es ohnehin bald nicht mehr geben, denn sie sind - im Gegensatz zu den Choreografien aus der Zeit beim Ballett der Oper Frankfurt - an die Tänzerinnen und Tänzer gebunden, mit denen sie erarbeitet wurden.

Es war an der Zeit, Licht in die Verwirrung abgestimmter und nicht abgestimmter Informationen zu bringen. Dazu gab es nun gestern eine Pressekonferenz. Moderiert von Dieter Jaenicke, künstlerischer Leiter des Europäischen Zentrums der Künste in Hellerau, saßen Ralf Lunau, Dresdens Kulturbürgermeister, Jacopo Godani, künftiger künstlerischer Direktor der Forsythe Company, und Christopher Roman, seit Sommer 2013 deren stellvertretender künstlerischer Direktor.

Wie zu vermuten, war dessen Vorstellung der Saison 2014/2015, mit insgesamt fünf Aufführungsserien in Hellerau, rasch abgehakt. Es gibt zwei originale Forsythe-Produktionen, dabei "Study # 3" von 2012, man könnte sagen eine Art Zusammenschau, "the best of", aus Produktionen der Kompanie. Es gibt drei Abende mit Arbeiten aus den Reihen der Kompanie, dabei eine Uraufführung und Dresdner Erstaufführungen mit insgesamt 28 Vorstellungen. Hinzu kommt eine mit 150 000 Euro von der Kulturstiftung des Bundes geförderte choreografische Installation in Kooperation mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Keine leichte Aufgabe für den Kulturbürgermeister, die Verlängerung bis 2018 zu begründen: Es handele sich um eine bewusste Weichenstellung, man brauche Zeit und Risikobereitschaft, um jetzt die Weichen zu stellen für ein zukunftsfähiges Konzept im Hinblick auf die Etablierung einer Kompanie für den zeitgenössischen Tanz der Spitzenklasse in Dresden, neben dem Semperoper Ballett. Man liegt nicht falsch, wenn man dies so versteht, dass diese Idee auch über das Jahr 2018 hinaus geht.

Jacopo Godani ist kein Ersatz für Forsythe, man hoffe auf ihn als den Mann für die "neue Ära in Hellerau", der künftig Forsythes Choreografien aus seiner Periode der radikalen Erneuerung neoklassischer Traditionen mit seinen eigenen Kreationen in Korrespondenz stellen wird. Lunau und Jaenicke konnten von ihren persönlichen Begegnungen mit dem erkrankten William Forsythe berichteten und nachvollziehbarer machen, dass der Künstler vor einer existenziellen Entscheidung stand. "Der Perfektionist Forsythe musste sich befreien", so Jaenicke.

Im Hinblick auf den künftigen künstlerischen Leiter der Forsythe Company spricht der Kulturbürgermeister von einer "dankbaren" Lösung und vermeidet es, ihn durch Vorschusslorbeer oder zu konkrete Erwartungen unter Druck zu setzen. Er betont lieber den mit ihm verbundenen Generationenwechsel und seine Bereitschaft zur "Erbepflege als Quelle der Inspiration". Godani, ausgebildet in seiner Heimat Italien und an der berühmten Béjart Schule in Brüssel, u.a. zehn Jahre Tänzer bei Forsythe in Frankfurt, schuf originelle Choreografien wie "Spazio-Tempo" und "Sacre", die zum Repertoire des Semperoper Ballett gehören. Konkret, im Hinblick auf Pläne, abgesehen von den Aussagen zum Umgang mit Arbeiten Forsythes, konnte Godani noch nicht werden. Immerhin, es liege ihm an einer intensiven Beziehung zu Dresden, an intensivem Tanz, an Vorstellungen, die das Leben verändern, sagte er gestern.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.07.2014

Boris Gruhl

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