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Die Faröerin Guðrið Hansdóttir bezauberte in der Dreikönigskirche Dresden

Die Faröerin Guðrið Hansdóttir bezauberte in der Dreikönigskirche Dresden

"The Fog", Der Nebel, heißt ein berühmter Horrorfilm von Gruselmeister John Carpenter von 1980. Aus dem Nebel, der die Küste Kaliforniens hinaufkriecht, kommen untote Seeleute, um Rache zu nehmen.

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Sie sang vom Nebel und der Liebe: Guðrið Hansdóttir hat bei ihrem Konzert in Dresden mit einer erstaunlich wandlungsfähigen Stimme beeindruckt.

Quelle: PR

Berüchtigt war einst auch der Londoner Nebel, in dem Jack the Ripper zuschlug. In der Hauptstadt der Fish & Chips-Feinschmecker soll der Nebel ja selten geworden sein, aber auf den Faröer Inseln ist er feste Größe, mit ihm müssen die Färinger irgendwie klar kommen.

Guðrið Hansdóttir, die in der Dreikönigskirche ein Konzert gab, hat es mit einem Lied versucht - und man muss sagen, "Í Mjorka", in dem es unter anderem heißt "Still fog is all I see from my window. How long can I keep staring at this grey?", ist zum Niederknien gut. Und das ist nicht das einzige Lied, das sich beim ersten Gastspiel von Hansdóttir in Dresden nachhaltig in Gemüt und Gedächtnis gräbt. Zum Auftakt von "Í Mjorka" wird leise gepfiffen. Ein Pfeifen im Walde kann nicht als Vorbild gedient haben, denn auf den Faröer Inseln mag es neben 49000 Einwohnern hunderttausende von Eissturmvögeln, Sturmschwalben, Papageientaucher, Dreizehenmöwen und Trottellummen geben, Bäume wachsen dort nicht. Dann setzt die Stimme ein, erst sehr bedächtig, dann sich in Höhen schraubend, die man der zierlichen Person gar nicht zugetraut hätte.

Es ist nicht zuletzt die Stimme, die in den Bann zieht. Ungeheuer flexibel. Himmlisch, geheimnisvoll, mystisch, glockenhell, Eisberge zum Schmelzen bringend, hypnotisierend wären so Attribute, die nicht fehl am Platz sind. Be- und entschleunigte Songs wechseln sich in einer durchdachten Reihenfolge ab, der Pulsschlag und die sonst mitwippenden Füße kriegen also ihre Ruhepausen. Stilistisch bewegt sich das Gros der Lieder zwischen Pop und Folk, aber auch einen hübschen Ausflug in die Country Musik gibt es, eingeleitet von Benjamin Oettersen, der auf der Gitarre erst mal mit ein paar Takten von "Riders in the Sky" das Terrain vorbereitet. Gelegentlich greift Oettersen, von Hansdóttir vom Nürnberger Straßenpflaster weg verpflichtet, auch zur Mandoline, was, da hat Hansdóttir durchaus recht, eine romantische Note beisteuert. Das Gros der Lieder sind hübsche kleine hymnische Epen, die sich um die Schönheit der Natur (alles eine Frage der Betrachtung) drehen, was "dank" permanenter Wetterumschwünge tosende See und den bewussten Nebel miteinschließt. Getragen, fast schleppend, ist ein Song, in dem es heißt: "Living with you is a lot like dying". Erstaunt nimmt man die Beteuerung Hansdóttirs im Anschluss zur Kenntnis, dass es sich gleichwohl um ein Liebeslied gehandelt habe.

Vielen Kompositionen hört man an, dass sie weiten Räumen entsprungen sind, in sich ruhen. In der Regel kann man mit den Klischees der nordischen Melancholie hausieren gehen, aber an diesem Abend ist das ein bisschen anders. Der Schlagzeuger bringt eine gesunde Härte in ins Nordic-Americana-Feeling-rein. "Love Song" von The Cure, das letzte Lied vor der Pause, singt Hansdóttir solo, sich selbst auf der Gitarre begleitend. Und zwar vor dem Mikro. Akustischer geht nicht. Hätte eine peinliche Nummer à la Blumenmädchen-Geklampfe werden können, wurde es aber nicht, sondern sehr berührend.

Gesungen wurde mal in faröischer Sprache, die mit dem Isländischen und Norwegischen verwandt ist. Mal in der Lingua franca der westlichen Welt: Englisch. Ins Englische wurden auch drei Texte von Hansdóttirs "Freund" Heinrich Heine übersetzt. Die Adaptionen hätten dem "Wintermärchen"-Dichter gefallen, mal sehen ob es wirklich ein Heine-Album geben wird. Hansdóttir wäre dem nicht abgeneigt, wie sie nach dem Konzert durchblicken ließ.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.03.2013

Christian Ruf

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