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Die Erfurter Band Chapeau Claque spielte zum Tourauftakt in der Scheune

Die Erfurter Band Chapeau Claque spielte zum Tourauftakt in der Scheune

Was haben eine fast zwanzigköpfige Blechbläser-Combo und eine - wie sie sich selbst nennen - Electro-Chanson-Pop-Romantik-Band gemeinsam? Auf den ersten Blick und Höreindruck nichts.

Doch in diesem Falle schlägt Moritz Sembritzki eine Brücke. Er ist sowohl der Leiter der Marching Band Das Viele, als auch der Gitarrist von Chapeau Claque. Beide Bands waren am Mittwoch zu Gast in der Scheune. Und so schloss sich der Kreis - trotz eines akustischen Kontrastprogramms.

Das Viele, ein Projekt der Leipziger Musikhochschule, stürmte mit einer Guggenmusik-Attitüde in den Saal. Nicht auf der Bühne, nein, mitten im Zuschauerraum dröhnten Tuba, Trompete, Sousaphon und Co. ihre außergewöhnlichen Arrangements den Besuchern entgegen. "Autobahn" von Kraftwerk in einer Blechbläser-Version? Kein Problem! Auch Songs von Frank Zappa oder DJ Shadow bekamen einen ganz eigenen, charmanten Stempel aufgedrückt. Keine Frage - Das Viele eignete sich bestens als Vorband, um die Stimmung anzutreiben und die Scheu eines nicht so recht tanzen wollenden Publikums zu mindern.

Nach dem Auftritt von Das Viele schien sich die Atmosphäre im Saal zu verändern. Immer mehr Mädchen traten ein - man fragt sich, wo sie auf einmal herkamen? - und füllten den Raum zusehends. Einige trugen Blumen im Haar, andere zeigten sie als Print auf Hosen, Röcken und Pullovern. Es lief darauf hinaus, dass der Saal zwar nicht voll, aber von Mädchen und Frauen ausgefüllt war. Zumindest auf den ersten Blick. Dies machte sich erst recht bemerkbar, als Chapeau Claque mit Frontfrau Maria Antonia Schmidt die Bühne betrat. Bereits beim ersten Lied ging das Kuscheln im Publikum los, Pärchen umarmten und küssten sich zärtlich, Rücken wurden gekrault und Händchen gehalten. Dabei würde man Chapeau Claque nun nicht als eine Band abstempeln wollen, die die pure Schunkel-Romantik-Mädchen-Musik produziert. Nein, eigentlich eher gegenteilig.

Die zarte Sängerin powerte sich sprichwörtlich auf der Bühne aus, tanzte, hüpfte, drehte sich - im Publikum fiel das Stichwort Duracell-Hase. Dennoch einer mit einem poetischen Herz: Maria Antonia verstand es, ihre Lieder, ihre Botschaften und Stimmungen direkt auf das Publikum zu übertragen. Es war wunderbar, ihr dabei zuzusehen. Dass sie bei diesen ausgiebigen Leibesübungen noch singen konnte, war dabei schon beeindruckend genug. Egal, ob laut, leise, kraftvoll schreiend oder wispernd - bei Maria Antonia stand immer eine Sache im Vordergrund: das Gefühl.

Chapeau Claque waren aber nicht nur aus Spaß an der Freude in der Scheune, sondern wollten natürlich auf ihr neues Album "Eins zwei Dinge" aufmerksam machen. Die Lieder ihrer vierten Studio-Produktion mischte die Band gekonnt mit alten Hits wie "Reykjavik", "Unsere Liebe - ein Storch" oder "Platte an". Ihre neuen Songs fügten sich nahtlos in den bekannten Stil der Band ein, wiesen aber eine kreativ erweiterte, künstlerische Freiheit auf. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass sie "Eins zwei Dinge" in Eigenregie aufgenommen und produziert haben - übrigens mithilfe von Crowdfunding. Chapeau Claque klingen frischer und aufgeweckter als je zuvor. So wurde "Auf deiner Rückbank" zu einer der besten Performances an diesem Abend. Schlichtweg grandios klangen auch "Alles ist Alles" und "Mein Krieger". Während Maria Antonia stimmlich Alin Coen ähnelt, ist die Musik von Chapeau Claque doch eine ganz eigene. Da kommt die Eigenbezeichnung "Electro-Chanson-Pop-Romantik"-Musik dem doch sehr nahe.

Es empfiehlt sich, diese Band live zu sehen. Und das nicht nur aufgrund der Tanzeinlagen der Sängerin. Noch bis Ende März hat man dazu die Gelegenheit, dann ist die "Eins Zwei Dinge"-Tour schon wieder vorbei.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.03.2014

Annette Thoma

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