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Die Dresdner Winterreise zum Rand der Gesellschaft

Die Dresdner Winterreise zum Rand der Gesellschaft

Franz Schubert schrieb seine "Winterreise" im Jahr 1827. Mit Texten von Wilhelm Müller erzählen seine Kunstlieder von der Einsamkeit, Sinnsuche und Ausgrenzung aus der Perspektive eines jungen Wanderers.

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Die Wege in soziale Not sind individuell und verschieden.

Quelle: Holger Hollemann/dpa

Seit 2009 bringt nun der Lyriker Stefan Weiller diesen Liederzyklus verbunden mit den Schicksalen heutiger Jugendlicher als soziales, literarisch-musikalisches Gesamtkunstwerk auf die Bühnen unterschiedlicher deutscher Städte. Im Mittelpunkt seines Projektes namens "Deutsche Winterreise" stehen dabei Berichte von Menschen, die sonst in der Öffentlichkeit nur selten zu Wort kommen - das können Obdachlose sein, Süchtige oder psychisch Kranke, Strafverurteilte ebenso wie Langzeitarbeitslose. Sie dürfen jeweils anonym aus ihrem Leben in der jeweiligen Stadt erzählen. Dresden ist die erste große Stadt in den neuen Bundesländern, in der Weillers "Winterreise" nun Halt macht. Mit Unterstützung der städtischen Treberhilfe hat er hier vor allem wohnungslose junge Menschen für sein Projekt interviewt.

"Das Problem der Wohnungslosigkeit wird gerade jetzt, wo die Mieten deutschlandweit stetig steigen, wieder relevant", sagt Dieter Wolfer, Sozialarbeiter und Geschäftsführer beim Treberhilfe Dresden e.V. Für die "Dresdner Winterreise" hat er im vergangenen Jahr 14 Frauen und Männer im Alter von 15 bis 40 Jahren an Weiller vermittelt. Mit ihnen führte der Künstler über Monate hinweg Gespräche und Einzelinterviews, die ihm als Grundlage für die Texte des Projektes dienten. Die meisten von ihnen sind sogenannte "Rumtreiber", ohne Arbeit, ohne festen Wohnsitz. Manche sind einfach nur arm, einsam oder verschuldet. "Weiller war ein Fremder, dem sie einmal ihre Geschichte erzählen konnten", berichtet Wolfer.

Die Berichte dieser Menschen sind vielleicht nicht repräsentativ, aber sie offenbaren dennoch ein anderes Gesicht der Kunst- und Kulturstadt Dresden. Sie zeigen auch, dass die Wege in soziale Not individuell und verschieden sind. "Zu der einen Gruppe gehörst du nicht mehr, weil du keine Drogen mehr nimmst. Zu der anderen Gruppe gehörst du nicht mehr, weil du mal Drogen genommen hast", heißt es in einem Bericht. Ein anderer malt ein sehr konkretes Bild vom Rand der Dresdner Gesellschaft: "In der Neustadt gibt es drei Schnorrerplätze. Die sind eingeteilt und nach Stunden vergeben." In seinem Projekt verarbeitet Stefan Weiller diese Berichte lyrisch und setzt sie mit Schuberts "Winterreise" in Dialog.

Für die Aufführung am 25. Januar in der Dresdner Kreuzkirche haben die Veranstalter namhafte Künstler gewinnen können, die das Projekt ehrenamtlich unterstützen. Yohanna Schwertfeger vom Dresdner Staatsschauspiel wird dort zusammen mit Oliver Rohrbeck (Hörspielsprecher in "Die drei ???") Weillers Texte rezitieren. Schuberts "Winterreise" interpretiert der Carl-Maria-von-Weber-Chor Dresden unter der Leitung von Matthias Herbig, unterstützt wird er vom Jazz-Duo FraGIL.e.

Im Rahmen des Projektes ist zudem eine Fotoausstellung entstanden, die ebenfalls persönliche Erfahrungen und Einstellungen der Interviewten veranschaulichen soll. Als Dokumentation des Ganzen erscheinen eine Broschüre mit Texten und eben jenen Fotos sowie eine CD mit dem Mitschnitt des Konzertes in der Kreuzkirche. Letztere kann anschließend bestellt werden. Der Eintritt zur Veranstaltung am 25. Januar ist frei. Die Treberhilfe Dresden freut sich jedoch über Spenden der Besucher.

"Dresdner Winterreise", Konzert am 25.Januar, 17 Uhr, Kreuzkirche, Eintritt frei www.dresdner-winterreise.de www.treberhilfe-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.01.2015

Nicole Czerwinka

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