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Die Dresdner Theatergruppe Spielbrett feiert ihr 30-Jähriges

Amateurtheater Die Dresdner Theatergruppe Spielbrett feiert ihr 30-Jähriges

„Theater für das Volk" - dieser Gedanke ist seit nunmehr 30 Jahren der Leitfaden der Amateurschauspieler der Dresdner Gruppe Spielbrett. Seit der Gründung im Oktober 1985 macht Spielbrett leidenschaftliches Amateurtheater .

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Ulrich Schwarz (r.) ist seit der Gründung vor 30 Jahren künstlerischer Leiter und Regisseur von Spielbrett.

Quelle: Spielbrett e.V.

Am 1. „Theater für das Volk" - dieser Gedanke ist seit nunmehr 30 Jahren der Leitfaden der Amateurschauspieler der Dresdner Gruppe Spielbrett. Seit der Gründung im Oktober 1985 macht Spielbrett leidenschaftliches Amateurtheater mit einer ausgeprägten Vorliebe für Shakespeare und hat dafür in drei Jahrzehnten einen unverwechselbaren Stil entwickelt: kraftvoll, bildhaft, komisch.

Eine misslungene Vorstellung

Wir schreiben das Jahr 1983: Ulrich Schwarz, Leiter der Studentenbühne der TU Dresden, inszenierte ein selbst erarbeitetes Stück aus Erzählungen und Geschichten des russischen Schriftstellers und Schauspielers Wassili Schuckschin. Im Publikum saß eine politische Führungsriege: Egon Krenz mit dem gesamten Zentralrat der FDJ im Schlepptau. Erste Szene: Sowjetische Strafgefangene betraten die Bühne. "Die Russen schrieben darüber, aber in der DDR wurde das alles verdrängt", erzählt Schwarz heute rückblickend. "Krenz war ganz aus dem Häuschen, hinter der Bühne tobte ein Abteilungsleiter und forderte, das Stück sofort abzubrechen", erinnert sich Ulrich Schwarz.

Die künstlerische Arbeit an der TU-Bühne war damit erledigt. Mit ein paar Mitspielern, die ebenfalls die Studentenbühne verließen, fand Schwarz im Kulturhaus in Cotta eine neue Unterbringung, nachdem der Kulturchef überzeugt werden konnte, dass er unbedingt eine Theatergruppe braucht.

Gründung bei Bier und Wurst

Am 1. Oktober 1985, an einem Abend bei Wurst und Bier im Lichte eines Lagerfeuers auf einem Hof an der Neuländer Straße am Wilden Mann, wurde die Spielbrett-Gruppe aus der Taufe gehoben. Das Grundkonzept war schnell gefunden. Volkstheater - Theater für Menschen, die sonst nicht unbedingt ins Theater gehen. Im Vordergrund steht das Groteske, auch bei der Ausrichtung tragischer Stoffe finde sich noch etwas Komisches. "Wir suchen uns immer Figuren, die als Clown fungieren oder wenigstens das clowneske Element in sich tragen", sagt Schwarz. "Und wenn wir die nicht haben, dann bauen wir eben selber welche ein." Die erste Spielbrett-Inszenierung war "Falstaff" 1986 mit dem Kabarettisten und Schauspieler Olaf Böhme in der Titelrolle.

Griffige Übersetzungen und leicht verständliche Sprache zeichnen die Spielbrett-Inszenierungen aus. "Wir experimentieren nicht herum oder suchen uns Interpretationen, die man noch irgendwo finden könnte", sagt der künstlerische Leiter. Erzählt wird nur die Geschichte, das, worum es im Wesentlichen im Stück geht - deftig und nicht selten unpolitisch.

Einen wirtschaftlichen Einbruch erlebte Spielbrett im luftleeren Raum zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung. Mit der Wende kamen dann die Förderrichtlinien. "Fürchterliche Bürokratie - was uns da so überkam, ist uns wirklich sauer aufgestoßen", erzählt Ulrich Schwarz. Etwa zehn Jahre lang existierte die Spielbrett-Gruppe im Kulturhaus in Cotta für einen geringen Mietsatz, bis sich die Theatergruppe schließlich ab 2001 im Theaterhaus Rudi sesshaft machte.

Faible für Shakespeare

Als Säule der Arbeit diente der von der TU-Bühnen-Tradition übernommene Planwagen. Einmal im Jahr touren die Schauspieler mit Pferd und Wagen durch das Land. Gespielt wird ausschließlich Shakespeare mit handgemachter Musik. Frei nach dem Motto "Das ganze Leben ist eine Bühne" werden Treppen oder Schlosstürme bespielt - was die Räumlichkeit eben so hergibt. Mit "Romeo und Julia", der zehnte Shakespeare im Repertoire, ist Spielbrett im vergangenen Sommer durch die Lande gezogen. "Ein "Shakespeare in hundert Minuten", verspricht Ulrich Schwarz.

Der Spielbrett-Regisseur plant derzeit eine Inszenierung vom "Sommernachtstraum." Eine "abgedroschene und abgekaute" Geschichte, wie Schwarz meint. Lange weigerte er sich, dieses Stück auf die Bühne zu bringen. Zu viele schlechte Inszenierungen hätten ihm das Stück vergrault. Aber offensichtlich hat er nun doch einen Zugang zur Geschichte gefunden, denn im kommenden Sommer wird Spielbrett mit dem "Sommernachtstraum" auf Planwagen-Tour gehen. "Ich habe ein paar Ideen - vielleicht wird ein Puppen-Barkeeper Zaubertränke verteilen."

Feiern zum 30.

An diesem Wochenende aber feiert die Theatergruppe Spielbrett erst einmal in fünf Vorstellungen von Freitag bis Sonntag ihr 30. Bühnenjubiläum. Den Auftakt macht am Freitag Shakespeares "Maß für Maß". Am Sonnabend geht "running up that Wahrheitsberg" der Cammerspiele Leipzig und "Vom Unvermögen" von Falko Köpp il comico über die Bühne. Der Höhepunkt des Festwochenendes ist die Gala am Abend, bei der Auszüge aus Spielbrett-Inszenierungen der letzten fünf Jahre gezeigt werden. Den Abschluss macht am Sonntag "Armer Ritter", ein Stück für Kinder ab sechs Jahre.

Karten gibt es im Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2a. Die Gala am Sonnabend ist bereits ausverkauft, es besteht allerdings noch die Möglichkeit, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen.

www.spielbrett.info.

Juliane Weigt

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