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Die Dresdner Skulpturensammlung präsentiert die Ausstellung „Von Schönheit und Größe"

Hauptsache Skulptur Die Dresdner Skulpturensammlung präsentiert die Ausstellung „Von Schönheit und Größe"

In der neuen Ausstellung der Skulpturensammlung werden antike Porträts von Feldherren, Politikern und anderen Angehörigen der Elite Roms sowie private Bildnisse aus weißem Marmor präsentiert, daneben Buntmarmorbüsten und Bildnisköpfe aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

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Blick in die jüngste Sondersausstellung des Albertinums, die endlich wieder den Kern der Dresdner Skulpturensammlung sinnlich erfahrbar macht.
 

Quelle: © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Martin Förster

Dresden. „Wenigstens meiner Ansicht nach gibt es keinen größeren Beweis von Glückseligkeit, als wenn alle stets zu erfahren trachten, wie jemand ausgesehen hat,“ formulierte der römische Gelehrte Plinius der Ältere im 35. Buch seiner enzyklopädischen „Naturgeschichte“ um 50 n. Chr. Der Satz verweist nicht nur auf die antike Vorliebe für Bildnisse, die in Rom an öffentlichen Plätzen und im Privaten allgegenwärtig waren, er ist sicherlich auch noch beinahe 2000 Jahre später aktuell.

Das Plinius-Zitat prangt derzeit an der Wand des Mosaiksaals im Albertinum. In der neuen Ausstellung der Skulpturensammlung werden antike Porträts von Feldherren, Politikern und Angehörigen der Elite Roms sowie private Bildnisse aus weißem Marmor präsentiert, daneben Buntmarmorbüsten und Bildnisköpfe verschiedenen Materials aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Es ist „eine Auswahl des Besten“, was die Antikensammlung zu bieten hat, so Kordelia Knoll, Oberkonservatorin der Skulpturensammlung.

Die Präsentation ist nicht chronologisch, sondern thematisch geordnet. Im vorderen Teil werden zunächst private Frauen- und Kinderporträts gezeigt, die meist Grab- oder Erinnerungsbildnisse darstellen. Darunter sind die sogenannte „Knöchelspielerin“, die sinnliche Sitzfigur eines jungen Mädchens, der das Gewand von der Schulter gleitet wie bei einer Aphrodite, und die „Togastatue eines Knaben“. Dieser erscheint in seiner vornehmen Kleidung wie ein Erwachsener, doch die lebensnahen Gesichtszüge mit dem zarten Kindermund, den Bäckchen und der angedeuteten Stupsnase machen die Statue des Frühverstorbenen zu einer berührenden Darstellung dessen, was hätte sein können.

Es schließen sich die offiziellen Porträts und Herrscherbildnisse an, allen voran die herausragende „Büste des Marc Aurel“ von 170 bis 180 n. Chr., die in Rom in unmittelbarer Nähe des kaiserlichen Palastes am Lateran gefunden wurde und zu den qualitätvollsten überlieferten Bildnissen des Kaisers gehört. Ein paar Schritte entfernt steht eine „Venus-Statue mit Porträtkopf“, vermutlich von Lucilla, der Gemahlin des ebenfalls im Bildnis vertretenen Kaisers Lucius Verus. Die weibliche Aktfigur illustriert die kuriose römische Praxis, den Kopf, mehr oder minder idealisiert, nach dem Leben zu fertigen und diesen je nach intendierter Aussage mit einem bestimmten Statuentyp als Körper zu kombinieren, in diesem Fall von der Liebesgöttin.

In Renaissance und Barock schätzte man die antiken Bildwerke sosehr, dass sie, so steht es in einer zeitgenössischen Quelle, „wie ein Edelstein gefasst“ oder in „antiker Manier“ nachgearbeitet wurden. Da sie bei den Grabungen in Rom oft fragmentarisch aufgefunden wurden, versah man die Kopfstücke bei ihrer Eingliederung in die römischen Antikensammlungen häufig mit aufwändigen Büsten aus farbigem und daher besonders wertvollem Gestein. Dieser Ergänzungspraxis widmet sich der zweite Teil der Ausstellung. Zu sehen sind hier etwa die neuzeitliche zweifarbige Gewandbüste, mit der ein bruchstückhaftes antikes Bildnis von Lucilla ergänzt wurde, oder die Büste des sogenannten Caligula aus Porphyr aus dem 17. Jahrhundert.

Als prestigeträchtige Geschenke mit politischem Subtext wechselten die erlesenen Altertümer und die antik-neuzeitlichen Hybride zwischen europäischen Fürstenhäusern die Besitzer oder konnten direkt in Italien trotz Ausfuhrverbots und für viel Geld erworben werden. August der Starke erhielt 1723 bis 1726 von König Friedrich Wilhelm I. wichtige Stücke aus dem Berliner Antikenkabinett zum Geschenk. Zwei Jahre später kaufte er in Rom die bedeutenden Antikensammlungen Chigi und Albani.

August der Starke umgab sich mit einem Teil dieser Werke ganz unmittelbar in seinem Bilderzimmer, die Mehrzahl wurde im Palais im Großen Garten als einer Art römischen Antikengalerie versammelt. Damit dienten sie der Reflektion der antiken Vergangenheit, vor allem aber der eigenen Projektion und Propagierung als Schirmherr der Künste und idealer Regent in der Tradition der Herrscher des Imperium Romanum.

Eigens für die Ausstellung restauriert wurde der „Kopf im Typus des Moro Borghese“ aus farbigen Gesteinen von Nicolas Cordier aus der Zeit um 1610. Die Idealdarstellung eines dunkelhäutigen Mannes mit ernsten Gesichtszügen und kraftvoller Kopfwendung strahlt Tatkraft und Würde aus. Im Barock schätzte man an dem Bildnis sowohl die Farbkontraste und kostbaren Materialien als auch die vermeintliche Exotik des Sujets. Kopf und Büste sind so stark an antike Vorbilder angelehnt, dass das Werk noch im 19. Jahrhundert als antik galt.

Beim Blick auf die jetzt im Albertinum präsentierten Werke, die aus einer der ältesten kurfürstlich-königlichen Sammlungen Dresdens stammen, wird deutlich: Was hier endlich wieder öffentliche Sichtbarkeit erlangt, ist nichts weniger als der ästhetisch-künstlerische und historische Kern der Skulpturensammlung, einem Herzstück der Staatlichen Kunstsammlungen. Zumindest zeitweise und in wichtigen Teilen ist damit eine der größten museal präsentierten Antikensammlungen außerhalb Italiens wieder tatsächlich erfahrbar. Denn wirkliche Sichtbarkeit heißt eben nicht der summarische Blick auf ein dicht gedrängtes, zufälliges Panorama von Skulpturen aller Zeiten hinter Glas im Schaudepot, so anregend dies erscheinen mag. Skulpturen brauchen Licht und Luft, ihr Material und ihre Oberflächenbehandlung müssen bei adäquater Beleuchtung und aus der Nähe studiert werden können. Die meisten sind so konzipiert, dass sie von mehreren Seiten betrachtet werden sollen.

Angesichts ihrer Schätze schmerzt es besonders, dass die Dresdner Antikensammlung seit nunmehr 14 Jahren, seit dem Elbehochwasser 2002, durch die anschließende Rekonstruktion des Albertinum und seine Eröffnung als „Haus der Moderne“ nicht mehr ständig und angemessen präsentiert wird. Die Vorbereitungen für ihre Neuaufstellung in der Osthalle des Semperbaus im Zwinger laufen, in wenigen Jahren soll Eröffnung sein. Es ist an der Zeit.

„Von Schönheit und Größe. Römische Porträts und ihre barocke Aneignung“, Ausstellung der Skulpturensammlung. Bis 6. November 2016 im Mosaiksaal des Albertinum Dresden.

                                                                                                                                   Teresa Ende

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