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Die Dresdner Sinfoniker wollen in Ramallah, Ost-Jerusalem und Jenin konzertieren

Die Dresdner Sinfoniker wollen in Ramallah, Ost-Jerusalem und Jenin konzertieren

Schon immer waren die Konzerte der Dresdner Sinfoniker ungewöhnlich: Musik aus China, Südamerika, dem Kaukasus, die Hochhaus-Sinfonie mit den Pet Shop Boys, Torsten Raschs Rammstein-Lieder "Mein Herz brennt" waren ebenso außergewöhnlich wie ihr nächstes Projekt.

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Markus Rindt (l.), Intendant der Dresdner Sinfoniker, und Kulturmanager Benjamin Deiß organisieren eine Konzertreise des Orchesters nach Ramallah, Ost-Jerusalem und Jenin.

Quelle: Arno Burghi/dpa

Markus Rindt, 45-jähriger Intendant des international besetzten Orchesters, und Benjamin Deiß, 31-jähriger Kulturmanager, sind davon so überzeugt, dass sie sicher sind, die Probleme überwinden zu können. Ausnahmsweise ist das Hauptproblem diesmal nicht die Finanzierung, denn die Bundeskulturstiftung unterstützt das Projekt großzügig. Das eigentliche Problem sind die drei Spielorte Ramallah, Ost-Jerusalem und Jenin. Alle drei liegen auf palästinensischem Gebiet, und das Werk, das aufgeführt werden soll, heißt "Symphony for Palestine".

Die Initiatoren erläutern ihr Projekt so: "Gewidmet ist das Werk zwei Palästinensern: Juliano Mer-Khamis, dem ermordeten Leiter des Freedom Theatre in Jenin, sowie dem elfjährigen Ahmed Khatib, den ein israelischer Soldat 2005 erschoss, weil er die Wasserpistole des Jungen für eine scharfe Waffe hielt. Die Geschichte des palästinensischen Jungen ging um die Welt, denn seine Eltern spendeten Ahmeds Organe fünf israelischen Kindern." Damit soll erneut der grenzüberschreitende Charakter der Musik helfen, die Grenzen zwischen Menschen unterschiedlicher Kultur, Herkunft und sogar politischer Haltung nicht zu beseitigen - so naiv sind Rindt und Deiß nicht -, aber wenigstens ein bisschen durchlässiger zu machen.

Die äußeren Umstände sind nicht die leichtesten. Die Sinfoniker arbeiten mit drei palästinensischen Organisationen zusammen, deren Verhältnis zueinander nicht ohne Reibungen verläuft. Weit gravierender ist die Sorge, dass die politische und militärische Lage in der Region weiter eskalieren und das Projekt dadurch zunichte gemacht werden könnte. Noch immer sind also, um es mit Brecht zu sagen, die Mühen der Berge nicht überwunden. Worin die Mühen der Ebenen bestehen werden, lässt sich bisher kaum abschätzen. Es ist leider eine Selbstverständlich-keit, dass kein israelischer Musiker mitwirken darf, wenn man nicht ris-kieren will, dass sich die palästinensischen Partner sofort zurückziehen. Schon in der Phase der Vorbereitung müssen die Sinfoniker jeden Akzent vermeiden, der fehlinterpretiert oder missverstanden werden könnte. Die "Symphony for Palestine" stammt von dem iranischen Komponisten und Kamancheh-Virtuosen Kayhan Kalhor (geboren 1963 in Teheran) und verbindet traditionelle persische Melodien mit Klängen und Spielweisen sowohl orientalischer Instrumente (Oud, Kamancheh und Qanun) wie auch eines mitteleuropäischen Streichorchesters. Die musikalische Leitung hat der 1964 geborene italienische Komponist und Dirigent Andrea Molino. Uraufgeführt wurde das Werk mit großem Erfolg 2011 in Hellerau mit Musikern aus Palästina, Iran und Ägypten sowie dem Komponisten Kayhan Kalhor (DNN berichteten).

Erst wenn die Konzerte tatsächlich vom 30. Mai bis 2. Juni stattgefunden haben, wird man sagen können, ob das risikoreiche Unterfangen den wünschenswerten Erfolg hatte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.05.2013

Peter Zacher

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