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Die Dresdner Philharmonie freut sich auf den neuen Konzertsaal

Wenn „Klangräume“ zu „Klangwelten“ werden Die Dresdner Philharmonie freut sich auf den neuen Konzertsaal

Eine neue Ära für die Dresdner Philharmonie steht bevor. Bald kann der neue Konzertsaal bezogen werden. Ein Ende der Bauphase im Kulturpalast ist absehbar, in wenigen Tagen wird der neue Konzertsaal innen „entrüstet“.

Mitglieder der Dresdner Philharmonie auf der Baustelle des Kulturpalastes, wo ihr künftig hochklassiger Konzertsaal entsteht.

Quelle: Nikolaj Lund

Dresden. Eine neue Ära für die Dresdner Philharmonie! In dieser Dimension steht die nächste Spielzeit des städtischen Orchesters, für das in knapp einem Jahr die Zeit des Unterwegsseins zu Ende gehen soll. Ein Aufbruch unter dem Titel „Klangwelten“. Nach knapp fünf Jahren Probenarbeit im Kino und Konzerttätigkeit an verschiedenen Spielstätten wie Schauspielhaus, Museen und Kirchen – den bisherigen „Klangräumen“ – sollen der Klangkörper, dessen Gäste sowie sein Publikum wieder in der Mitte der Stadt zu Hause sein. Ein Ende der Bauphase im Kulturpalast ist absehbar, in wenigen Tagen wird der neue Konzertsaal innen „entrüstet“.

Was alle Beteiligten besonders freut: Sowohl der Zeit- als auch der veranschlagte Kostenrahmen in Höhe von rund 90 Millionen Euro werden offenbar eingehalten. Andere Bauprojekte dieser Dimension verteuern sich rasch und verzögern sich oft. Im Rathaus von Dresden oder beim Flughafen Berlin können davon viele Lieder gesungen werden.

Auch unter diesem Aspekt war die Vorfreude von Chefdirigent Michael Sanderling nur nachvollziehbar, als er gestern gemeinsam mit Intendantin Frauke Roth das Programm der nächsten Saison vorgestellt hat. Die Philharmonie als künftiger Hauptmieter bei der städtischen Tochtergesellschaft KID habe damit ihre Hausaufgaben gemacht, bemerkte der Musiker und forderte Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) mit deutlichen Worten dazu auf, sich im Stadtrat für die künftige Finanzierung von Philharmonie und Kulturpalast stark zu machen.

Unterstützer für dieses wiedererweckte Kulturzentrum im Herzen der Stadt gibt es einige: Die Dresdner Musikfestspiele werden im kommenden Jahr gleich zehn Konzerte im neuen Saal stattfinden lassen, versicherte deren Intendant Jan Vogler. „Die geisteigen Schlaglöcher in Dresden sind im Moment wichtiger als die auf der Straße“, brachte er seine Hoffnung von einer lebendigen und sinnstiftenden Kulturstadt auf den Punkt. Auch Ulrich Finger von der Messe Dresden sicherte seine Hilfe für eine populäre Programmplanung zu.

Die Dresdner Philharmonie jedenfalls, künftig gemeinsam mit Stadtbibliothek und den Kabarettisten der Herkuleskeule unterm Palastdach zu Hause, legte einen vielversprechenden Spielplan vor. Dieser Tage wird er den Abonnenten präsentiert, für deren Treue sich Sanderling ausdrücklich und „voller Respekt“ bedankte. „Mein größtes Kompliment gilt dem Orchester, weil es nicht nur nicht schlechter geworden ist in all der Zeit. Es wurde zudem durch den schönen Nebeneffekt, dass Flexibilität, Schnelligkeit und rasches Umschalten extrem gefordert worden sind, qualitativ sehr geschult.“ Der Wechsel zwischen Spielstätten mit unterschiedlicher Akustik, den das Publikum mit großem Interesse gefolgt sei, habe dies mit sich gebracht. Und ein knappes Jahr lang wird es damit ja auch noch weitergehen. In dieser Zeit stehen zwischen Albertinum, Hygiene-Museum, Schauspielhaus, Frauen- und Kreuzkirche spannende Begegnungen auf dem Plan.

Als Artist in Residence führt der Countertenor Bejun Mehta in ganz eigene Klangwelten, mit Heinz Holliger als Composer in Residence werden gar neue Klangwelten erschaffen. Auf Gastspielen in mehreren Ländern Europas sowie in China, Japan und Südkorea dürfen die Philhamoniker ihr Motto im Wortsinn erfahren und wohl auch schon mal Neugierde wecken auf das neue Zuhause, das am 28. April 2017 mit einem Festakt eingeweiht werden soll.

Michael Sanderling, der von sich sagt, dass er nur ungern etwas herausstellen mag und sich stets auf alle Vorhaben seines Orchesters freut, sieht diesen Termin als „einen Moment, auf den wir nicht nur lange hingearbeitet haben, sondern der uns auch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird“. Programmatisch wird da eine Klangwelt eröffnet, die Altes mit Neuem verbindet: Die „Ode an die Freude“ aus Beethovens Neunter soll erklingen, mit der 1969 bereits Kurt Masur den Kulturpalast eingeweiht hat. Sanderling sieht die Botschaft „Alle Menschen werden Brüder“ als „humanistischste Aussage, die ein Musiker treffen kann“, daher sei es unbedingt zeitgemäß, „an einem solchen Tag, der so viel Beachtung auch in der Welt finden wird“ ein solches Statement von Dresden auszusenden. Zudem gibt es – neben dem von Julia Fischer interpretierten Brahms-Violinkonzert – die Uraufführung eines Auftragswerkes von Krzysztof Penderecki. Der polnische Komponist, längst Weltbürger, ist dieser Stadt und ihrem Orchester seit Jahren verbunden. Seine „Chinesischen Lieder“ für Bariton und Orchester wird die Philharmonie mit dem Matthias Goerne herausbringen.

Der 28. April gilt als Auftakt zu einem wochenlangen Musikfest, mit dem Dresdens neuer Konzertsaal gefeiert werden soll. In diesen Reigen werden Dirigenten wie Markus Poschner und Sanderlings Vorvorgänger Marek Janowski einstimmen, dem die Stadt einst den neuen Saal versprach und der sie dann wegen des nicht gehaltenen Versprechens verließ. Gemeinsam mit dem MDR Rundfunkchor führt er Bruckners 2. Sinfonie und außerdem dessen 6. auf. Der Pianist Herbert Schuch, die Geigerin Sophia Jaffé kommen in den Palast, die Philharmonischen Chöre feiern dort mit ihrem Chorleiter Gunter Berger das 50-jährige Bestehen.

Dass Klangwelten auch echte Überraschungen bieten können, unterstreicht im kommenden Mai ein Projekt namens „Grenzenlos“, das drei Abende lang Dresdens Schlagerliebling Roland Kaiser mit dem renommierten Klangkörper zusammenführen wird. Für Welt-Klang sorgt zudem Avi Avital mit seinem Orchester-Debüt.

Die Saal-Eröffnung reicht bis in den Herbst 2017 hinein, denn erst im September wird die neue Orgel geweiht, die derzeit bei Eule in Bautzen gefertigt wird. Sind dann die neuen Klangwelten komplett? Mitnichten, sie werden dann auch hier produziert, CD-Produktionen sollen künftig als Live-Aufnahmen im neuen Konzertsaal entstehen.

Von Michael Ernst

Dresden, Wettiner Platz 7 51.0537476 13.7227984
Dresden, Wettiner Platz 7
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