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Die Dresdner Meisterkurse Musik verstehen sich als Ort nicht nur musikalischer Weiterbildung

Die Dresdner Meisterkurse Musik verstehen sich als Ort nicht nur musikalischer Weiterbildung

Aus Anlass des Gedenkens an das als Auslöser des Ersten Weltkrieges geltende Attentat von Sarajevo vor 100 Jahren spielten die Wiener Philharmoniker am 28. Juni ein Konzert im alten Rathaus der Stadt, zerstört im Bosnienkrieg und nun wiederaufgebaut.

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Daniel Pollack, Klavierprofessor aus den USA, lehrte bereits im vergangenen Jahr - hier mit Kursteilnehmerin Eva Schaumkell - bei den Dresdner Meisterkursen Musik und gehört auch 2014 zu den Kursdozenten.

Quelle: Marius Leicht

Der Gedanke des Friedens sollte den Abend prägen. Wie mächtig war die Musik?

Ohnmächtig. Wichtige Friedenspartner blieben dem Ereignis fern und feierten stattdessen den Attentäter von 1914. Es ging dem Orchester wie einst Daniel Barenboim mit seinem Versuch, Wagner nach Israel zu bringen - das Experiment endete im Streit. Barenboim scheut solche Auseinandersetzungen nicht und vertraut der Macht der Musik. Mit seinem arabischen Freund Edward Said gründete er das West-Eastern Divan Orchestra und führt seither Israelis und Araber musizierend zusammen. "Klang ist Leben - Die Macht der Musik" ist Barenboims Buch überschrieben. Ein machtvolles Plädoyer.

Musik und Macht - eine lange Linie irritierender wie prägender Beziehungen, die sich tief in die Biografien und Noten eingegraben haben: Luther, Walter und die Reformation; Schütz und der 30-jährige Krieg; Bach und der Absolutismus; Mozart und die Aufklärung; Beethoven und Napoleon; Schumann, Wagner und die Revolution von 1848; Strauss und der Nationalsozialismus; Schostakowitsch und die stalinistische Kulturpolitik; Nono, Pollini, Abbado, Henze, Dessau und der Kommunismus-

Neueste Forschungen untersuchen gar schon das Böse in der Musik und das negative Image ausgerechnet der klassischen Musik. Es wird u.a. konstatiert, dass mit dem Aufkommen der Pop-Kultur die Klassik als autoritäre Kunstform dargestellt wurde, deren grundlegende Strukturen ein inhumanes Antlitz hätten und junge Menschen an Musikhochschulen lediglich für ihre spätere "partikulare Funktion im bürgerlichen Musikleben" programmierten.

Sind es die Ausläufer solcher Diskussionen, welche die Zahl der Orchestermusiker in Deutschland dramatisch haben schrumpfen lassen? Ist die Macht der Musik so wenig überzeugend, dass Insti- tutionen von Rang fusioniert, eingespart, dass an Musikhochschulen gekürzt werden muss? Wo doch die Wissenschaft längst belegt hat, wie wichtig die Musik für die Menschen ist: Sie fördert nachgewiesenermaßen Intelligenz, Emotion und soziale Beziehungen.

Dies scheinen jenseits der Politik die Menschen längst begriffen zu haben. Das Deutsche Musikinformationszentrum nennt die aktuellen Zahlen (von 2012): "Insgesamt 3,8 Millionen Musizierende sind in den Verbänden des instrumentalen und vokalen Laienmusizierens zurzeit organisiert, rund 2,3 Millionen davon als aktive Sänger oder Instrumentalisten. Mit rund 750 000 Kindern und Jugend- lichen macht der Anteil des musikalischen Nachwuchses rund ein Drittel aller aktiv Musizierenden aus." Etwa 1,4 Millionen Menschen werden privat oder an den 27 390 Musikschulen un- terrichtet, 93 Prozent davon sind Kin- der und Jugendliche - Tendenz steigend.

Welche Macht also übt Musik auf uns aus? Fragen wie diese stehen als Motto über den an der Hochschule für Musik ausgetragenen Dresdner Meisterkursen Musik 2014 und werden in Begleitveranstaltungen diskutiert. Mit dem Theologen Friedrich Schorlemmer, Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Cellist und Festspielintendant Jan Vogler, dem Musikwissenschaftler und Institutsleiter Manuel Gervink sowie dem Musikpublizisten und ehemals leitenden Redakteur der "Opernwelt" Stephan Mösch füllen illustre Referenten das Programm und profilieren die unter der Projektleitung von Prof. Andreas Baumann, Prorektor für Künstlerische Praxis, stehenden DMM nicht nur zum Ort der musikalischen Weiterbildung, sondern zur Plattform auch des kulturpolitischen Diskurses. Dieweil in den Kursen selbst Musik "gemacht" wird.

*Der Autor ist Rektor der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.07.2014

Ekkehard Klemm*

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