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Die Dresdner Jazzformation Masaa tourt in Ostafrika

Die Dresdner Jazzformation Masaa tourt in Ostafrika

Wenn es kalt wird in Deutschland, ist eine Reise nach Afrika eine sehr gute Idee. Die erst im Frühjahr vorigen Jahres in Dresden gegründete Jazzformation Masaa macht sich dies zu eigen und tourt ab kommender Woche durch Äthiopien, Ruanda, Zimbabwe und Mosambik.

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Marcus Rust, Demian Kappenstein, Rabih Lahoud und Clemens Pötzsch (v.l.n.r.)

Quelle: Alexander Deck

Aber kurz vorm Abflug hat diese deutsch-libanesische Band im Societaetstheater noch einmal heiß aufgespielt.

Was da wie ein Mix aus arabischer Sonne und sächsischem Herbst aufeinandertraf, war zugleich - für alle Beteiligten gleichermaßen - das Verschmelzen von Heimat und Fremde, von Orient und Okzident, von musikalischer Moderne und lebendiger Tradition. Denn Masaa besteht aus drei Musikern, die sich beim Jazzstudium an der Dresdner Musikhochschule Carl Maria von Weber kennengelernt haben, und einem Sänger aus dem Libanon. Der heißt Rabih Lahoud und kam wegen Bach und Beethoven nach Deutschland, hat in Kassel Musikwissenschaften und in Düsseldorf Komposition studiert, stieß dort auf Markus Stockhausen, mit dem er das Bandprojekt Eternal Voyage verwirklichte, und besann sich während seines Studiums in den Fächern klassischer Gesang, Klavier und Jazzgesang der ureigenen Wurzeln. Seitdem lebt er diese Rückbesinnung auf arabische Musiktradition aus und pflegt besagtes Miteinander von Orient und Okzident.

Just in Dresden gründete sich das Ensemble mit dem arabischen Namen Masaa, was übersetzt sowohl Abend als auch Zusammenkommen und Austauschen bedeuten kann, wie Demian Kappenstein erläutert. Der äußerst umtriebige Schlagzeuger, inzwischen in zahlreichen Formationen zu Hause, bildet mit dem Pianisten Clemens Pötzsch und dem Trompeter Marcus Rust den europäischen Part des Quartetts.

Das Goethe-Institut initiierte die Novemberreise durch vier ostafrikanische Länder

Binnen kürzester Zeit wurden zwei CDs produziert, ist Masaa vom Jazzexperten Bert Noglik zum bundesweiten Jazznachwuchsfestival nach Leipzig sowie zum Jazzfest Berlin eingeladen worden und erhielt 2012 den Bremer Jazzpreis. Ebenfalls im Vorjahr konnte eine Libanon-Tour realisiert werden, die so erfolgreich war, dass vom Goethe-Institut nun die durch vier ostafrikanische Länder führende Novemberreise initiiert worden ist.

Offenbar ist das kreative Potential bei Masaa gerade durch die unterschiedlichen Prägungen der vier Musiker schier unerschöpflich. Marcus Rust hat sich viel mit indischer Musik beschäftigt, Clemens Pötzsch stammt aus einer sorbischen Familie und verknüpft slawische Musikformen mit modernen Spielweisen des Jazz, der ideenreiche Baby-Sommer-Schüler Demian Kappenstein pflegt die Mixtur grenzüberschreitender Erfahrungen. Rabih Lahoud aber, dieser Wanderer zwischen den Welten, er entfaltet eine enorme Intensität, die er trotz der ihm eigenen und absolut sympathischen Zurückhaltung nachhaltig erlebbar werden lässt.

Seine musikalischen Mitstreiter sind ergriffen davon, welche Zuversicht der bescheidene Sänger vermittelt, obwohl seiner Familie und vielen seiner Freunde in Bürgerkriegszeiten so schwierige Schicksale beschieden worden sind. Eindrücke davon konnten die deutschen Bandmitglieder während der Libanon-Tour sammeln, sie schwärmen noch heute von der Gastfreundschaft und dem Interesse des Publikums in Beirut und anderen Städten.

Sämtliche Texte des längst schon gewaltigen Masaa-Repertoires stammen von Rabih Lahoud, der Poesie und Improvisationskunst gerne verbindet. Er besingt in seinen daher als Impoesie bezeichneten Liedern das Träumen wie das Vergessen, die Sehnsüchte wie den Glauben und macht auch aus kulinarischen Erfindungen kostbare Kunstwerke.

Während das Dresdner Konzert aus dem Societaetstheater per Livestream in den Libanon übertragen wurde, soll es von der Afrika-Tour eine weltweite Videodokumentation im Internet geben. Besonders spannend dürfte die Begegnung von Masaa mit Vertretern der Batwa werden, einem zentralafrikanischen Pygmäenvolk, dessen polyrhythmische Musik einst an den Königshöfen gepflegt wurde.

Der Bandname Masaa erfährt in diesem Zusammenkommen ein ganz spezifisches Gewicht. Zeugnis vom afrikanisch-arabisch-europäischen Austauschen ablegen werden die vier Musiker spätestens im Frühjahr 2014. Dann soll ihre dritte CD vorliegen und auf einem Release-Konzert in Dresden vorgestellt werden.

@www.masaa-music.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.11.2013

Aldo Lindhorst

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