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Die Dresdner Galerie am Damm präsentiert Zeichnungen von Jan Tilman Kretzschmar

Das Spiel der Kunst Die Dresdner Galerie am Damm präsentiert Zeichnungen von Jan Tilman Kretzschmar

In der aktuellen Ausstellung der Dresdner Galerie am Damm sind bis zum 14. Juni unter dem Titel „...alles ein Spiel“ 17 Arbeiten des Malers und Grafikers Jan Tilman Kretzschmar zu sehen.

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Jan Tilman Kretzschmar. Kunststück, MT, 2016.

Quelle: Galerie am Damm

Dresden, . Sigmund Freud schrieb in seinem Essay über die Dichtkunst und das Fantasieren: „Der Gegensatz zu Spiel ist nicht Ernst, sondern – Wirklichkeit.“ Dieser Satz trifft auch auf die bildende Kunst zu, wie der Besuch der aktuellen Ausstellung der Dresdner Galerie am Damm zeigt. Bis zum 14. Juni sind dort unter dem Titel „...alles ein Spiel“ 17 Arbeiten des Malers und Grafikers Jan Tilman Kretzschmar zu sehen.

In der Mehrzahl seit Sommer 2015 entstanden, kreisen die von flirrenden Linien, lavierten Farbflecken und bewegt-expressiven Figuren beherrschten Handzeichnungen um das breite Bedeutungsspektrum von „Spiel“. Kaum ein Begriff weckt so viele, so unterschiedliche Assoziationen wie dieser: Ein Spiel kann Gesellschaftsspiel, Sportwettkampf oder Glücksspiel sein, künstlerische Darbietung, Schauspiel oder Bühnenstück, aber auch menschliche Verhaltensweisen meinen. „Wellenspiel“, „Pflugspiel“ und „Naturschauspiel“ sind drei der gezeigten Arbeiten Kretzschmars überschrieben. Doch nicht nur die Bezeichnungen der Werke stehen in Zusammenhang mit dem mehrdeutigen Ausstellungstitel, auch bei den Bildinhalten und Motiven, den verwendeten Materialien und künstlerischen Techniken lassen sich vielfältige Verbindungen zum Spiel-Begriff entdecken.

Denn der 1961 geborene Kretzschmar, der bei Hubertus Giebe und Johannes Heisig an der Hochschule für Bildende Künste Dresden studierte, scheint bei der Bildfindung selbst spielerisch-assoziativ vorzugehen. Er integriert Bezüge zu Literatur, Religion, Musik, den Alten Meistern, Skulptur oder auch der Landschaft Brandenburgs, wo er seit einigen Jahren lebt und arbeitet. Doch all diese Anknüpfungspunkte werden spielerisch verarbeitet und verfremdet, etwa durch das geheimnisvolle Motiv des Faltenwurfs, dem man in den Bildern der Ausstellung immer wieder begegnet.

Nach Aussage Kretzschmars geht seinen Bildfindungen keine Konzeption voraus. Die großen Blätter aus Papier oder Karton werden auf das Zeichenbrett aufgezogen und mit einem umlaufenden Klebestreifen fixiert. Dieser Streifen ist sowohl Begrenzung als auch Rahmung des Bildgeschehens, kann aber auch Teil der Bildfläche sein – oder beides, wie in „Kunststück“, wo der Rand von einem wehenden Tuch überschnitten und so selbst zum Gestaltungsmittel wird.

Statt mit dem Bleistift vorzuzeichnen trägt Kretzschmar die grobe Anlage der Komposition mit dem Pinsel auf. Anschließend beginnt er, mit Feder und Tusche Figuren und Gegenstände herauszuarbeiten. Dabei wird der Zeichengrund nicht geschont, Kretzschmar wäscht wieder herunter, kratzt ein und trägt die Tusche mit allem auf, was im Atelier so „rumliegt“, und das können auch Mal Ohrstäbchen oder Pfeifenbürsten sein.

Als nächstes kommen Aquarell- oder Gouachefarben hinzu, die die Kompositionsspannung durch Hervorhebungen oder Doppelungen steigern. In „Das Nichts und das Viel“ bildet der braune, lavierte Fleck am unteren Bildrand das kompositorische Gegenstück zum dunklen Gesicht des Baumbewohners oben, sein bläuliches Gewand korrespondiert mit der blauen Horizontalen unten. Die einzelnen ungleichartigen, ja auf den ersten Blick unvereinbaren Bildbereiche mit grafisch dichten neben lockeren oder frei gelassenen Partien werden durch die Farbe zu einer spannungsvollen Einheit zusammengeschlossen.

Jan Kretzschmar schafft imaginäre Räume oder Landschaften, die von menschlichen Figuren, Tieren, Pflanzen oder Fabelwesen bevölkert werden: Einer seltsamen rituellen Handlung gleich, schwingen die Traumtänzer-Artisten in „Pflugspiel“ kühn und selbstvergessen über den Wolken. Im „Frühlingsfrühstück“ wachsen die Gänseblümchen vom Himmel. Und in „Falten Doppel Kopf Flügel Wurf Spiel“ werden die Äste der Bäume zu dunklen, mit Federn besetzten Flügeln großer Vögel, die Baumwurzeln zu einem faltigen Tuch auf dem Boden des Waldes.

Die Vielschichtigkeit der Werke Kretzschmars wird durch ihre besondere Hängung in der Galerie am Damm noch unterstrichen. Statt jedes Blatt einzeln gerahmt an die Wand zu bringen, hängen die großformatigen Papierarbeiten zwischen großen Plexiglasscheiben vor den Wänden. Diese transparente Präsentation wird der poetischen, zuweilen fantastisch-überbordenden Bildwelt Kretzschmars gerecht. Die Werke scheinen vor der Wand zu schweben. Kunst und Wirklichkeit sind nicht mehr eindeutig geschieden und es wirkt, als würden sie hier auf wunderbare Weise miteinander verwoben.

Jan Tilman Kretzschmar, „...alles ein Spiel“, Arbeiten auf Papier.

Bis 14. Juni 2016 in der Galerie am Damm, Körnerplatz 10, Dresden

Von Teresa Ende

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