Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -3 ° Nebel

Navigation:
Google+
Die Dresdner Frauenkirche als Instrument - Musiker vertont Gebäude

Die Dresdner Frauenkirche als Instrument - Musiker vertont Gebäude

Die Dresdner Frauenkirche ist für Jarii van Gohl Musik im Ohr. Das Quietschen der Tür, der Klang der Glocken, Gebetsfetzen. „Alles kann ich benutzen, um daraus einen Song zu komponieren“, erzählt der Dresdner Musiker und Soundkünstler.

Voriger Artikel
Mehr als ein Theaterneubau: Das wird im Kraftwerk Mitte geplant
Nächster Artikel
Raumnot für Dresdens Kreative: Podiumsdiskussion ohne beruhigende Nachrichten für Künstler

Der Musiker Jarii van Gohl mit einem Mikrofon vor der Frauenkirche

Quelle: dpa

Hohe und tiefe Töne, Bässe und Melodien - alles fügt sich später am Computer zusammen. Künstlich hinzugemixt wird nichts. „Das Lied entsteht lediglich aus den Geräuschen vor Ort.“ Dafür zieht der 36-Jährige mit Mikrofon und Aufnahmegerät durch die Stadt, immer dabei eine kleine Umhängetasche mit Geigenbogen und Drumsticks. „Meine Instrumente, das sind die Gebäude“, sagt van Gohl.

In den vergangenen beiden Jahren hat der Musiker zwölf Dresdner Bauten „vertont“, darunter die Semperoper, das Festspielhaus Hellerau oder den Kulturpalast. Im Militärhistorischen Museum spielte er mit seinem Geigenbogen auf einem Flugzeugwrack. „Aus diesen Blechen kann man wunderschöne Töne zaubern.“ Wie Dresden klingt, zeigt van Gohls Soundkalender für das Jahr 2013: 12 Stücke, 12 Gebäude, 12 Monate.

Eigentlich wollte er den Kalender der sächsischen Landeshauptstadt anbieten, um damit auf Messen oder bei Veranstaltungen die Werbetrommel zu rühren. „Bisher hat Dresden aber kein Interesse gezeigt“, erzählt van Gohl. Dabei sprudelt er nur so vor Ideen: Eine akustische Safari durch Dresden schwebt ihm vor, bei dem die Touristen an Klangsäulen die Stadt mit dem Ohr erkunden können. Jetzt will der Musiker sein Konzept anderen Städten vorstellen.

Unternehmen dagegen sind bereits auf den Dresdner aufmerksam geworden. Erst kürzlich hat van Gohl einen Song kreiert, der das Rattern und Pumpen der Maschinen während der Produktion aufgreift.

Zwischen 60 und 80 Geräusche braucht man pro Gebäude, um daraus ein komplettes Musikstück zu komponieren. Mehrere Stunden geht van Gohl auf der Suche nach dem passenden Soundschnipsel durch ein Haus, lässt ein Dutzend Mal dieselbe Tür zufallen, bis das Klacken so klingt, wie er es braucht. „Es ist aufwendig, den kakophonischen Brei stimmig zu machen.“ Bis zu 70 Stunden dauert es, bis ein Lied fertig ist.

Das sogenannte Field Recording - also Aufnahmen von natürlichen Geräuschen außerhalb des Tonstudios - spiele vor allem in der Avantgardemusik eine Rolle, sagt Jörn Peter Hiekel, Professor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Schon seit rund 20 bis 30 Jahren würden Elemente in der experimentellen Musik oder bei Klanginstallationen aufgegriffen - das können Geräusche von Gebäuden sein, Stadtgeräusche, manchmal auch nur ein Flüstern oder Klatschen. „Mit moderner Aufnahmetechnik wird das Field Recording zunehmend marktfähig“, sagt Hiekel.

So ist denn auch das Mikrofon das wichtigste Handwerkszeug des studierten Sozialpädagogen van Gohl, der in Sachen Musik „absoluter Autodiakt“ ist, wie er sagt. Heute spielt er Schlagzeug beim Noise-Duo Dyse, arbeitet als Sounddesigner und Komponist. Bisher ist der Dresdner Soundkalender nur im Internet zu hören, bald soll es ihn auf Vinyl zu kaufen geben - zwölf Schallplatten, für jedes Gebäude eine.

Einen großen Traum hat van Gohl: Eines Tages den Pariser Eiffelturm zu vertonen, ihm gemeinsam mit anderen Musikern in einer Live-Performance Töne zu entlocken. „Das wäre der absolute Hammer.“ Die nächsten Projekte sind eine Nummer kleiner, versprechen aber auch interessante Klänge: Der Dresdner will die Bagger in der Eisenstadt Ferropolis bespielen und auch einen Panzer im Militärhistorischen Museum. Einen Titel gibt es schon: „Make music, not war.“

Christiane Raatz, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr