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Die Dresdner Band "bergen" feiert ihre neue CD live in der Schauburg

Die Dresdner Band "bergen" feiert ihre neue CD live in der Schauburg

Könnte gut sein, einer hätte allein aufgrund des CD-Titels gesteigertes Interesse an bergen: US-Schriftsteller John Irving lässt immer wieder die Bären los. Sie stapfen in echt oder als Sinnbild durch fast alle seine Romane.

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Nach ihrem Debüt von 2009 legt die Dresdner Band bergen in dieser Woche ein neues Album nach: Bärenmann.

Quelle: Matthias Popp

Ringer und Bären, Bären als Synonym, Bärenmänner auch.

"Bärenmann" heißt die neue, die zweite CD von bergen. Sie folgt dem 2009 erschienenen Debüt "Gegenteil von Stadt", die Kurzbiographie im Netz müsste dafür nur marginal geändert werden, etwa so: "bergen ist eine Band aus Dresden. Sieben junge Herren und eine wunderhübsche Dame spielen rumpelig-warmen Folkpop, mit knarzigen Gitarren, Klavier, Trompete, Flöte, Posaune und Grummelbass, sowie kleinen Geschichten von traurigen Frauen mit krummen Beinen und Scherben in Tatzen. Dazu ein kollektives Lächeln, wenn gerade einmal wieder der Groove die Runde macht." Gut, die Namen sind zum Teil andere: Neli Mothes, Mario Cetti, Axel Spickenheuer, Sten Friedrich, Georg Flade sind geblieben, neu sind Stefan Reinert, Milan Greulich und Ludwig Bauer. So ist das eben bei einer - im guten Sinne - Projektband wie bergen, deren Mitglieder Jobs nachgehen, die nicht immer oder nicht nur mit Musik zu tun haben, die nicht alle in der Stadt wohnen, die ihre Antennen immer wieder neu ausrichten müssen, weil sie es wollen. Eine CD ist da willkommener Anlass, stärker noch als eine Tour.

Die personelle Mischung ist und bleibt interessant: Mario Cetti hat mit Lars Hiller Agentur und Label (Kumpels & Friends) stabilisiert, Multiinstrumentalistin Neli Mothes (leider immer noch ohne Solo-CD!) ging mit Gentle Lurch weiter, Ludwig Bauer kam bei bergen hinzu, so wie er Teil von Garda und Lestat Vermon ist, bevor ihn Polarkreis 18 wieder rufen wird. Sie sind das "öffentliche" Trio, das "stadtbekannte". Für die anderen ist bergen nicht minder Herzenssache. Gerade bergen.

Produziert wurde "Bärenmann" von Ekki Maas (Ekimas), bekanntermaßen umtriebig in Beruf und Berufung, unter anderem als Bassist von Erdmöbel. Erster Eindruck: bergen hat von seiner Arbeit profitiert. Das manifestiert sich im jetzt wirklich zwingenden, auf den Punkt gebrachten Miteinander im Instrumentarium. Das wiederum macht sich vor allem am Führungsinstrument Klavier und den stimmigen Stimmen fest. Zweiter Eindruck: Auch die Band ist sich darüber nähergekommen. Falls es eines äußeren Zeichens bedarf, mag die Winzigkeit dazu dienen, dass die Arbeit in Sachen Text und Musik nicht mehr personalisiert, sondern schlicht mit "bergen" benannt wird. Auch ein Zeichen, wenngleich man gerade Cetti als Texter nach wie vor weit vorn vermutet.

Nicht nur dem "Bärenmann", auch bergen kommt man als Rezipient am nächsten, wenn man es schafft, andere Lied-Künstler, an die sie nach wie vor durchaus erinnern mögen, für die Länge eines Liedes oder Konzertes auf Standby zu klicken. Zugegeben, Kritikern mag das noch am wenigsten gelingen. Texte aus dem Versmaß geworfen, milde elektrische Gitarre plus Trompete ist gleich Element of Crime für die Westentasche - zu simpel, zu falsch.

Natürlich haben sie nie aufgehört, Regener & Co. zu mögen, Jochen Distelmeyer und Kante nicht zu verschmähen, um den verstorbenen Nils Koppruch in besonderem Maße zu trauern. Mit Moritz Krämer spielten bergen stundenlang im Probenraum, die Kontakte zu Gisbert zu Knyphausen sind innig. Konsenskünstler eben. Ja, und es ist richtig, dass man sie genau in diesem Segment verorten wird. Es ist ein Kompliment. Es schließt nicht aus, dass man früher, jetzt und später mit dieser Art unaufdringlicher, sanft tatzender deutscher "Liederlichkeit" partout nichts anfangen kann. Deutsche Texte sind und bleiben mitunter offene Messer, und nicht alles auf "Bärenmann" geht gut aus, ist mitunter zu gewollt auf Liedzeile getrimmt. Stark bleiben bergen als Beobachter mit scharf gestelltem Fokus auf Geschichten, die ohne Mühe aus dem Alltag brechen und denen die poetische Hülle ohne Kneifen steht. "Rennen" ist ein wunderschönes Lied, "Schwierige Zeiten" und "Iona" nicht minder. Bei bergen zeigt man sich also weiterhin angstfrei in Sachen "deutsche Sprache, schwere Sprache". Die Gruppe allein aufs Textliche zu fixieren, würde aber ihr musikalisches Potenzial verblassen lassen. Denn eines sind die acht im Bärenpelz garantiert nicht: verkopft.

bergen live, Mittwoch, 20.30 Uhr, Schauburg; bergen auf CD: "Bärenmann" (ab 19. Januar bei K & F Records)

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.01.2013

Andreas Körner

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