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Die Dresdner Autorin Wiete Lenk war mit ihren Kurzgeschichten im Johannstädter Kulturtreff

Die Dresdner Autorin Wiete Lenk war mit ihren Kurzgeschichten im Johannstädter Kulturtreff

Der Abend mit der Dresdner Autorin Wiete Lenk war eine Premiere in doppelter Hinsicht. Auftakt einer neuen Reihe: die erste "Autoren-Lese" im Johannstädter Kulturtreff.

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Quelle: Verlag

Da wirkten die Veranstalter vom Verein noch etwas unsicher. Wurde die Schriftstellerin zwar begrüßt, doch nicht vorgestellt. Kamen auch noch nicht so viele, 15 zunächst. Die immerhin konnten eine Entdeckung machen.

Denn außerdem war es der Auftritt von Wiete Lenk mit ihrem ersten eigenen Buch "Drei Wochen drüber", ein Band mit Kurzgeschichten. Die Verfasserin ist eine Frau mit Lebenserfahrung. Als Stewardess hat sie nach dem Abitur zunächst gearbeitet, später Betriebswirtschaft studiert. Heute verdient sie ihr Geld als Bilanzbuchhalterin. Seit 2004 veröffentlicht sie Prosa.

Sie gehört zur Schreibwerkstatt des Johannstädter Vereins "aktives Leben"; in dessen Anthologie "Plattengeflüster" ist sie vertreten. Einen ihrer Texte hat die Jury des Würth-Literaturpreises, gestiftet von einem großen Familienunternehmen in Künzelsau, 2012 mit der Aufnahme in die Preis-Anthologie ausgezeichnet.

Ihre Kurzgeschichten, von denen sie fünf vorstellte, sind mitten im Alltag angesiedelt. Wie und worüber einfache Menschen sprechen, gibt diese Prosa in fast naturalistischer Genauigkeit wieder. Sparsam ist der Erzählton, Figuren sind mit wenigen Strichen gezeichnet.

Nur sprachliche Vergleiche geraten da und dort etwas üppig und nicht immer glücklich. Wenn etwa der Putz von Gründerzeithäusern abblättert "wie vom Gesicht eines alten Clowns" oder ein "Duft wie seidiges Frauenhaar" sich ausbreitet.

In einer Geschichte schauen wir einer jungen Frau, neu ins Haus gezogen, und ihrer dumpf-misstrauischen alten Nachbarin beim Wäscheaufhängen zu. Die Jüngere träumt von Farben, schwärmt von Malern. Alles bekommt etwas glückstaumelnd Poetisches. Am Ende überraschende Wendung: Wir erfahren ein Detail - mehr sei nicht verraten -, das alles in ein anderes Licht taucht.

In der Titelgeschichte geht es um Schwangerschaft, um die schwierige Lebensentscheidung für oder gegen das Kind nach der Trennung vom Vater. Das Ungewöhnliche daran: Es ist mal aus der Perspektive der alleinstehenden Mutter, dann aus der ihrer Tochter erzählt, die mit 19 Jahren schwanger ist. Die Konstellation wiederholt sich. Angst, Unsicherheit, Sehnsucht - davon erzählt der Text. Von Waren auch, die Ersatz für die Seele versprechen. Die Mutter hat sich damals nach der Entbindung eine teure Armbanduhr gekauft, "weil dieses glatzköpfige, runzlige vor wenigen Tagen aus meinem Körper geschlüpfte Kind nicht ausreichte, um mich mit Glück zu füllen".

In anderen Geschichten driften Vorgänge, ganz realistisch erzählt zunächst, ins Irreale. Die Begegnung eines Mannes und einer Frau beispielsweise. Er besitzt die Augen eines Huskys und behauptet, über das feine Hundegehör zu verfügen, mit dem er den Schrei von Dornen beim Eindringen in die Haut hören könne. Schließlich bricht auch die tierische Natur der Frau hervor.

Dann wieder ist es ein Student, Genetiker, Spezialist für Darwin und exotische Vogelarten, der in eine WG einzieht. Auch hier geschieht so eine witzig irre Verwandlung ins Forschungsobjekt, wie man sie aus den makabren Storys des Briten Roald Dahl kennt. Auf solche unterhaltsamen Überraschungseffekte setzt diese Autorin, auf das Phantastische, das harmlos Alltägliches in Ungewöhnliches, auch Unheimliches verwandelt.

Wiete Lenk: Drei Wochen drüber. Ch. Schroer Verlag, 160 S., 16,99 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.03.2014

Tomas Gärtner

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