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Die DNN präsentierten eine Lesung Wladimir Kaminers im Haus des Buches Dresden

Die DNN präsentierten eine Lesung Wladimir Kaminers im Haus des Buches Dresden

Berlin hat seinen "Russenzug", der laut Fahrplan kurz nach Mitternacht ankommen soll, aber nie tut - weil er irgendwo zwei Stunden verliert. "Dieser Zug überschreitet nicht nur die Grenzen des Landes, sondern auch die der Zeit", schreibt Wladimir Kaminer in seinem neuen, mittlerweile 20. Buch "Onkel Wanja kommt", aus dem er bei einer von den DNN präsentierten Lesung im Haus des Buches einzelne Passagen vorstellte.

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Wladimir Kaminer: Onkel Wanja kommt. Eine Reise durch die Nacht. Manhattan Verlag, 191 Seiten, 17,99 Euro.

Quelle: PR

Die Hütte war proppenvoll, wie immer, wenn der Kultautor nach Dresden kommt.

Die Ankunft des Russenzuges sei "jedes Mal ein Spektakel", lässt Kaminer wissen, man kann es den Putzleuten im Bahnhofsgebäude nicht verdenken, wenn sie erst danach anfangen, richtig sauber zu machen. Der Neffe erlebt mit seinem Onkel so allerlei, Wladimir ist - alle Übertreibung und schriftstellerische Freiheit mit eingerechnet - offenkundig nicht das einzige Original der Familie. Und er bringt einen Blick auf die auf Kosten anderer Bundesländer auf "arm, aber sexy" machende Bundeshauptstadt mit, der dem (fast schon) alteingesessenen Berliner Kaminer beinahe wieder verloren gegangen ist. Nein, im "Döner-Paradies" will Onkel Wanja nicht essen, denn im Paradies isst man besser nichts. Da kommt nichts Gutes bei raus, wie ein Blick in die Schöpfungsgeschichte lehrt.

Wie immer springt Kaminer kreuz und quer, liest mal aus dem Buch, häufiger aber noch bisher unveröffentlichte Geschichten. Das nächste Buch werde ein Gartenbuch, lässt er wissen, denn er beackert (samt seiner Familie) wieder ein Fleckchen Erde, eine Scholle bei einem Dorf in der tiefsten brandenburgischen Provinz, das "offiziell 160 Einwohner hat, gefühlt aber drei". Und so wie Berlin seinen "Russenzug" hat, so hat dieses Dorf nun auch "Russendisco" erlebt, jene Speck-Schüttel-Veranstaltung, die durch Kaminer international salonfähig wurde. Die Veranstaltung im Kulturhaus war voll. Selbst aus Nachbardörfern rollten die Leute an, nicht wenige von ihnen zückten sogar, wie Kaminer breit grinsend verriet, ihre Ausweise der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft, frei nach dem Motto: "Wir haben bezahlt, wo ist die Freundschaft?"

Das Publikum erhält zahlreiche Einblicke in das Familienleben der Kaminers. Die Geschichte "Romeo und Julia 2.0" offenbart, dass die "traditionell ohnehin schon hohe Telefonrechnung" in astronomische Höhen schoss, als der Sprössling sich in ein Mädchen verliebte, das bei einer anderen Telefongesellschaft ist. Man erfährt, dass Kaminer "schon zwei Facebook-Parties der pubertierenden Tochter überlebt" hat, was den geplagten Vater zu dem Urteil kommen lässt: "Facebook-Parties sind wie arabische Revolutionen: Sie lassen sich nicht eingrenzen." Aber man mache sich nichts vor. Der mittlerweile auch schon 45-jährige Papa Kaminer ist stolz auf das Töchterlein. Wladimir Kaminer: Onkel Wanja kommt. Eine Reise durch die Nacht. Manhattan Verlag, 191 Seiten, 17,99 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.02.2013

Christian Ruf

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