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Die Comödie Dresden eröffnet neue Spielzeit mit "Paul auf hoher See" mit Herbert Köfer

Die Comödie Dresden eröffnet neue Spielzeit mit "Paul auf hoher See" mit Herbert Köfer

Es ist nur ein Satz, aber doch ein Schlag in die Magengrube: "Du hast zugenommen!" Und es dürfte so manchen im Land geben, der diesen Satz schon mal zähneknirschend und um eine Antwort verlegen auf sich beruhen ließ.

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"Paul auf hoher See" mit Herbert Köfer, Karsten Speck, Mirjam Köfer (v.l.).

Quelle: Robert Jentzsch

Aber nun ist die ultimative Replik gefunden, jedenfalls dann, wenn es die Ex war, die es für nötig erachtete, das Plus an Körperfett in Worte zu fassen. "Seitdem Du nicht mehr kochst, kriege ich wieder was runter", sagt jedenfalls Lutz in dem Stück "Paul auf hoher See", das in der Comödie Dresden Premiere hatte, zu seiner Ex namens Brigitte. Aber "Was sich liebt, das neckt sich" heißt es bekanntlich, und so ganz sind auch die Gefühle von Lutz und Brigitte füreinander nicht erloschen. Am Ende sind sie in dieser Inszenierung von Dominik Paetzholdt wieder ein Paar.

Es ist - gelernte DDR-Bürger werden es ahnen - nicht irgendein Paul, der sich in der Comödie auf hoher See tummelt. Es ist Paul Schmidt, der Rentner, "der niemals Zeit hat", was einst im Osten ein geflügeltes Wort war. Wie schon in der DFF-Fernsehserie vor über 30 Jahren ist in der Comödie Herbert Köfer mit von der Partie, wieder hat Christian Kühn nach "Rentner haben niemals Zeit" ihm ein neues Abenteuer auf den Leib geschrieben.

Einmal Paul, immer Paul!? Nun ja, Köfer bei der Arbeit zuzusehen, macht jedenfalls noch immer Spaß, aber angesichts der Tatsache, dass der Saal am Sonnabend, nur einen Tag nach der offiziellen Premiere, lediglich zur Hälfte gefüllt war, lässt einen schon fragen, ob das Etikett "Publikumsliebling" noch seine Berechtigung hat.

Paul will Waltraud bestatten, jedenfalls die Asche von ihr. Auf hoher See. Vor der Küste Italiens. Nun trägt der hilfsbereite Rentner zwar Prinz-Heinrich-Mütze und macht auch sonst kleidungstechnisch auf Leicht-Matrose, aber einen Segelschein hat er nicht, und von Luv und Lee hat er ebenso noch nie etwas gehört wie von Back- und Steuerbord. Also steigt Paul aus dem Tal der Ahnungslosen ins Boot von Lutz, dessen Rolle bis Dezember von Carsten Speck gespielt wird (ab Januar 2013 dann von Wolfgang Lippert). Erst sind die Männer unter sich, stellen bei einer Pulle Bier Betrachtungen über die Ehe bzw. die Gründe für deren Scheitern an. Dann fischt man Brigitte in Gestalt von Beate Laaß auf, die von ihrem schmierigen Italo-Lover namens Sergio (Andreas Jendrusch) ihrem Schicksal auf See überlassen wurde.

Nach einem Sturm findet man sich auf einer Insel wieder. Die Vegetation dort hat regelrechten Tropencharakter - erstaunlich für ein Eiland im Mittelmeer, wo die Story ja spielt. So schön die einen Hauch von Dschungelcamp verbreitende Kulisse ist, die die für die Ausstattung verantwortliche Hannah Hamburger hingezaubert hat, stimmig ist das nicht. Die härteste Prüfung für das schiffbrüchige Trio: Carmen, eine Naturschützerin und Frutarierin, wie sie durchgeknallter und lächerlicher kaum sein könnte. In den eindimensionalen Kleinstrollen einer Bootsmaklerin oder auch als Küstenwache glänzt sie nicht weiter, aber hier zeigt Köfers Tochter Mirjam, dass der Apfel nicht weit vom Stamm gefallen ist, auch in ihr Schauspielerblut fließt. Natürlich ist diese Carmen ein billiges Klischee, grell überzeichnet, aber sie ist die - leider - einzige Figur, die Kühns Stück den gewissen Pfiff gibt. Selten war militantes Gutmenschentum unterhaltsamer.

An sich gibt es übrigens auch noch eine zweite Geschichte. In der spielen u.a. Dorit Gäbler, Ingeborg Krabbe und Achim Wolff mit. Aber sie sind nur "Videogäste", das heißt man sieht sie nur in einem Video, das immer dann eingespielt wird, wenn kurzzeitig der Bühnenvorhang fällt. Die Handlung ist aber so belanglos, dass man darüber weiter kein Wort verlieren sollte.

Das eigentliche Stück Kühn ist okay, ohne aber vom Hocker zu reißen. Ein bisschen mehr Ulk und Klamauk hätte es ruhig sein dürfen. Der spitzfindige Wortwitz stimmt im Großen und Ganzen, aber ein paar Kracher mehr der Sorte "Er hat widerliche Dinge von mir verlangt! Im Bett? Nein, in der Küche!" hätten es ruhig sein dürfen. Die vielen mit Spitzen verbundenen Betrachtungen über Männer, Frauen und ihre Schwierigkeiten miteinander sind mal bemüht, meist aber erfüllen sie das, was man von einer Komödie erwartet: Sie bringen einen zum Lachen oder zumindest zum Schmunzeln.

Bis 16. September und 27. bis 31.Dezember

Karten ab 18 Euro (Fr. & Sa. ab 20 Euro) unter: Tel. 0351/866 410

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.09.2012

Christian Ruf

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