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Die Bautzner Strandlichter wohnen in Dresden und spielen heute in Görlitz

Die Bautzner Strandlichter wohnen in Dresden und spielen heute in Görlitz

Es gibt mehrere prägende Orte in der Chronik der Bautzner Band Strandlichter. Einer davon ist der Berliner Alexanderplatz. Dort spielt das Quintett gern Straßenmusik.

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Jan Philipp Schneider (2.v.r.) ist Sänger und Pianist der Bautzener Strandlichter (mit Steve Kuhnen, Friedrich Steinke, Bernhard Stiehle und Alexander Henke, v.l.).

Quelle: Jens Koch

Allerdings nicht ungestöpselt, sondern - dank netten Ladenbesitzern, die Strömlinge spenden - schön laut für alle. Mit kurz- und langfristigen Folgen.

Mit Spontankonzerten Berlin erobern, so ihr Plan, der schnell eine treue Gemeinde einbrachte. Das ging dreißig Jahre zuvor nicht so einfach. Da kam Gabriele Susanne Kerner aus Hagen nach Berlin, jobbte bei Bilderguru Jim Rakete, traf schnell die Szene und startete rasch durch: als Nena, beflügelt von 99 Luftballons, die auch in den USA und Japan schnell nach oben schossen. Ein berühmtes Rakete-Foto mit ihr auf dem nahezu leeren Potsdamer Platz inmitten der Millionenstadt symbolisiert einerseits das Zeitgefühl bestens, andererseits ihren Weg weg vom Betonblockgigantismus hin zur Natur. Auf ihrer neuen Scheibe namens "Oldschool" hat die heutige Hamburgerin dies im Song "Betonblock" angeprangert.

Im Vorfeld der zweiten Konzertstaffel zum Album, die heute mit Strandlichter als Vorband in der Görlitzer Kulturbrauerei startet, erklärt sie ihr Unverständnis: "Nun stampfen Menschen dort Betonblöcke hin - und haben auch oft selbst welche im Kopf. Diese Engstirnigkeit und Unoffenheit gegenüber anderen stört mich. Warum hinterfragt keiner mehr irgend etwas - zum Beispiel die 80 aktuellen Kriege in der Welt?"

Nena ist 55 und vierfache Mutter sowie dreifache Oma - und sucht für jedes ihrer Konzerte bis Jahresende per privaten Hörfunk eine lokale Vorband. Jan Philipp Schneider ist 27 und Sänger, Pianist und Songwriter der Band Strandlichter. Vor einer Woche erfuhr er mit seinen Kollegen, dass ausgerechnet sie die von Nena persönlich ausgewählte Lieblingsband sind und dass sie die NDW-Durchhalterin, mit 25 Millionen verkauften Platten wohl erfolgreichste deutsche Frontfrau, heute Abend nach einem halbstündigen Vorspiel treffen werden. "Das ist für uns eine gute Gelegenheit, auf unsere Musik aufmerksam zu machen", freut er sich vor.

Das größte Konzert ihrer Karriere wird der halbstündige Görlitzer Gig allerdings nicht. Da steht unerschütterlich ein Dresdner Konzert mit Silbermond vor 7000 Leuten in der großen Messehalle. Schneider erklärt die Verbindung zu den amtierenden Rockgiganten Sachsens ganz lapidar: Einen wirklichen Kontakt zu der Band gibt es nicht, man kennt sich eben unter Bautznern. Gelegenheit sich zu sehen wäre da zum Beispiel das jährliche Musikertreffen in Bautzen. Dann kehren Schneider, Schlagzeuger Friedrich Steinke, Saxophonist Steve Kuhnen, Gitarrist Alexander Henke und Bassist Bernhard "Abbo" Stiehle heim nach Bautzen, wo sie 2006 starteten, schnell den regionalen Wettbewerb "Beat" gewannen und bis 2009 wohnten.

Nun studieren sie in Dresden - Sozialpädagogik, Soziale Arbeit, Leichtbau oder BWL. Einzig der Bassist ist als ausgebildeter Musiklehrer schon Profimusiker mit mehreren Projekten, doch Schneider erklärt das Ziel: "Wir spielen seit fast zehn Jahren zusammen, sind inzwischen sehr gute Freunde und wollen den Weg schon zusammen weitergehen. Deshalb sind wir vor sechs Jahren alle nach Dresden gegangen, weil wir weiter gemeinsam musizieren wollen." So hieß die erste Scheibe auch "Viel mehr".

Wer sie jetzt immer noch nicht zu erkennen glaubt, dem sei verbal geholfen: Vor zwei Jahren nannten sie sich kurz Mateo, davor gewannen sie als Café Jazz einige Preise und haben aus jener Zeit auch ein Album namens "achtzehndreißig" und eine spektakuläre Live-DVD mit einem Mitschnitt vom Elbhangfest auf dem Körnerplatz zu bieten. Doch bei ihrer alljährlichen Ostseetour hatten sie vor zwei Jahren in Göhren (wieder am 20. Juli 2015) ein so schönes Konzert, dass sie sich danach am Strand schwelgend Strandlichter nannten. Unter diesem Namen kam nun im April die neue EP heraus: "Lieblingslieder", deren Titelsong wohl Hitpotenzial besitzt, im Mai bei N-Joy als Newcomer des Monats punktete und auch Nena überzeugte. Damit bekamen sie im Mai den Beatpol fast voll - und werden auch beim Dresdner Stadtfest (16. August, Theaterplatz) auftreten. Könnte sein, dass dort dann ein neuer Zuschauerrekord wartet.

Doch heute - beim ersten Nena-Auftritt in der Lausitz überhaupt - dabei zu sein, ist schon mehr als Oldschool. Für die Zukunft planen sie ein Album, das Lust auf die Band machen soll. Wenn möglich mit eben dem großen Radio-Hit, denn den braucht eine Band heute immer noch, um richtig ins Berufsmusikerleben zu starten.

Konzert als Vorband von Nena heute (19.30 Uhr) in der Kulturbrauerei Görlitz, Karten an der Abendkasse: 50 Euro.

www.strandlichter.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.07.2015

Andreas Herrmann

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